Zehntausende Urlauber im Südosten von Australiens Bundesstaat New South Wales sind von den Behörden aufgefordert worden, die Küstenregion zu verlassen. Die Urlauber seien angewiesen, eine 250 Kilometer lange Zone entlang der Südküste des Bundesstaats New South Wales zu räumen, teilte der Verkehrsminister des Staates Andrew Constance mit. Es handele sich um die "größte Massenverlegung von Menschen aus der Region, die wir je erlebt haben". Der Bundesstaat New South Wales verhängte ab Freitag erneut einen siebentägigen Notstand. Damit bekommen die Helfer mehr Möglichkeiten, die Krise zu bewältigen, etwa durch Evakuierungen und Straßensperrungen.

Den Angaben zufolge sollen die Urlauber die Waldbrandregion bis Samstag verlassen, für den Tag wird erneut mit extremen Bedingungen gerechnet. "Es ist überlebenswichtig, dass wir alle gehen", sagte Constance im australischen Fernsehen ABC. Der Samstag könne "noch schlimmer werden als das, was wir durchgemacht haben". Meteorologen rechnen am Wochenende erneut mit Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius und starken Winden, die die Flächenbrände weiter anheizen könnten.

Feuerwehrmitarbeiter suchten Urlauber auf Campingplätzen und in Hotels auf und baten sie teils persönlich, die Region innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Das ist vielerorts allerdings gar nicht so einfach: Viele Autobahnen und Landstraßen werden durch umgestürzte Bäume blockiert, andere sind aufgrund ihrer Nähe zu den Feuern gesperrt. Benzinvorräte in der Urlaubsregion waren nach den neuen Bränden am Jahresende eine Zeit lang knapp geworden, vor den Tankstellen bildeten sich kilometerlange Schlangen. Inzwischen hat die Polizei begonnen, Urlauber aus einigen Orten mit einer Eskorte zu begleiten. Die erste Januarwoche ist in Australien absolute Hochsaison. Neben Touristen aus dem Ausland sind dann auch die meisten Australier im Sommerurlaub.   


Die neue Sperrzone erstreckt sich vom Badeort Batemans Bay, 400 Kilometer südlich von Sydney, bis zur Grenze des Bundesstaats Victoria. Nach den verheerenden Bränden vom vergangenen Dienstag sind zahlreiche Besucher von der Dramatik der Lage überzeugt und auch ohne Aufforderung bereit abzureisen. 

Mindestens sieben Menschen starben nach Angaben der Behörden allein am Silvestertag in New South Wales durch die Flammen, darunter ein freiwilliger Feuerwehrmann. Eine Person wird noch vermisst. Damit stieg die Zahl der Toten in der diesjährigen Brandsaison allein in dem Bundesstaat auf 15. Die Waldbrände haben fast 1.300 Häuser in New South Wales zerstört, darunter in dieser Woche allein 381 Häuser an der Südküste. In ganz Australien sind seit Beginn der Feuersaison mehr als 5 Millionen Hektar Land verbrannt. 

Evakuierung per Marine

In Victorias Küstenort Mallacoota rettet das Militär inzwischen gestrandete Urlauber mit Schiffen und Hubschraubern. Auch ein schwimmendes Krankenhaus wurde eingesetzt, um Verletze zu versorgen, die sich an Strände gerettet hatten. Das Marinerettungsteam bringe außerdem Sanitäter und rund 1,6 Tonnen Wasser, sagten Regierungsvertreter. Die einzige Straße nach Mallacoota werde mehrere Wochen lang gesperrt bleiben. "Wir können nicht einmal Feuerwehrfahrzeuge in einige dieser Gemeinden bringen", sagte der Leiter der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr Steve Warrington. "Dies ist noch lange nicht vorbei."

In Australien brennt es jedes Jahr in den Sommermonaten. Allerdings gehen Klimaforscherinnen und -forscher davon aus, dass der menschengemachte Klimawandel das Ausmaß der Feuer verstärkt. Einzelne Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen lassen sich zwar nie direkt als Folge des Klimawandels erklären, doch langfristige Trends und fundierte Klimaprognosen belegen, dass die globale Erwärmung und die Veränderung des Klimas durch den Menschen Waldbrände in vielen Regionen der Erde haben häufiger werden lassen und auch in Zukunft wahrscheinlicher machen.

In diesem Jahr begannen die Feuer in Australien wegen lang anhaltender Dürren früher als sonst und sind intensiver und extremer. Australiens Premierminister Scott Morrison hat auch in seiner Neujahrsansprache vermieden zu sagen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Situation bestehen könnte. Im Land mehrt sich die Kritik an der zurückhaltenden Politik der konservativen Regierung zum Klimaschutz.