Die britische Königin Elizabeth II. hat dem Wunsch ihres Enkels Prinz Harry nach einem Rückzug aus der ersten Reihe des britischen Königshauses zugestimmt. Das teilte der Buckingham-Palast mit. Sie hätte es vorgezogen, wenn Harry und seine Frau Meghan sich weiter voll für das Königshaus engagiert hätten, doch sie respektiere deren Wunsche nach Unabhängigkeit, erklärte die Monarchin nach einem Familientreffen auf ihrem Landsitz in Ostengland. 

Die Diskussionen mit ihrem Enkel Prinz Harry und Herzogin Meghan auf einer Krisensitzung in Sandringham hat Elizabeth II. insgesamt als "sehr konstruktiv" bezeichnet. Ihre Familie und sie selbst unterstützten den Wunsch von Harry und Meghan, sich ein "neues Leben als junge Familie zu schaffen", sagte die 93-jährige Queen weiter.

Harry und Meghan hatten in der vergangenen Woche verkündet, sie wollten etwas Abstand von ihren Pflichten als ranghohe Vertreter des Königshauses nehmen, daran arbeiten, finanziell unabhängig zu werden und ihre Zeit zwischen Großbritannien und Nordamerika aufteilen. Die Königin war davon nicht informiert und bat Harry deshalb zu einem Treffen, an dem auch Harrys Vater Prinz Charles und Harrys älterer Bruder William teilnehmen sollten. Meghan hatte sich telefonisch aus Kanada zugeschaltet.  

Übergangszeit und offene Fragen

Das Königshaus teilte anschließend mit, man habe sich auf eine "Übergangszeit" geeinigt, in der Harry und Meghan Zeit in Kanada und in Großbritannien verbringen würden. Es gebe zudem immer noch einige Fragen, die die Königin in den kommenden Tagen lösen wolle.

Offen war unter anderem, wie viel Geld die beiden künftig noch von Prinz Charles erhalten – bisher finanziert der Thronfolger aus seinem Privatvermögen laut Presseberichten 95 Prozent von Harrys Etat. Es ist für das Paar jedoch nicht so einfach, eigenes Geld zu verdienen, ohne in Interessenkonflikte zu geraten. Geregelt werden muss auch, wer künftig für die Kosten der Leibwächter aufkommen soll – und ob es seine royalen Titel Königliche Hoheit behalten wird.

Kurz zuvor hatten Harry und William schriftlich einen Times-Bericht über ihr Verhältnis zueinander kritisiert. In einer Stellungnahme schrieben sie: "Für Brüder, die sich so sehr um die Fragen der psychischen Gesundheit sorgen, ist der Gebrauch von aufrührerischer Sprache auf diese Weise beleidigend und potenziell schädlich." Die Zeitung hatte behauptet, dass sich Prinz Harry und Herzogin Meghan von William schikaniert fühlten.

William und Harry, die ihre Mutter Diana durch einen Autounfall vor mehr als 20 Jahren in Paris verloren hatten, galten einst als unzertrennlich. In einem Fernsehinterview anlässlich einer Afrikareise hatte Harry vor wenigen Monaten eingeräumt: "Wir sind derzeit sicherlich auf unterschiedlichen Pfaden." Harry und Meghan verließen den Kensington-Palast in London, auf dessen Grundstück sie mit William und Kate gelebt hatten.