Anlässlich des 75. Jahrestages der Auschwitz-Befreiung am 27. Januar 1945 hat die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano einen offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel geschrieben. Darin formuliert sie eine Reihe von Forderungen an Politik und Gesellschaft. Bejarano ist Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland und hat das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebt.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen schreibt sie in ihrem Brief: "Es ist für uns Überlebende unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren." Sie fordert daher, dass der 8. Mai, der Tag der Niederschlagung des NS-Regimes, ein Feiertag wird. Das würde helfen, "zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war". 

In weiteren Punkten wendet sie sich unter anderem gegen Waffenhandel, gegen die Ausbeutung der Menschen und des Planeten und setzt sich ein für die Rettung Geflüchteter aus Seenot und für ein entschlossenes Vorgehen gegen Neonazis.  

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee Auschwitz

Die 95-jährige Antifaschistin Esther Bejarano wurde 1943 nach Auschwitz und ins KZ Ravensbrück deportiert. Ihre Eltern hatten die Nazis bereits 1941 ermordet. Nach der Befreiung wanderte sie zunächst nach Palästina aus und kehrte 1960 nach Deutschland zurück.

An diesem Montag wird im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz an die Gräueltaten erinnert und der Millionen Toten des Holocausts gedacht. Zu der Gedenkveranstaltung werden Delegationen aus rund 50 Staaten und etwa 200 Überlebende in dem Ort in Südpolen erwartet – auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist vor Ort.

Am 27. Januar 1945 hatten Einheiten der sowjetischen Roten Armee das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im von der Wehrmacht besetzten Polen erreicht. Sie befreiten mehr als 7.000 Häftlinge. Viele von ihnen starben jedoch innerhalb kurzer Zeit an den Folgen von Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Der Name Auschwitz hat sich als Synonym für den Holocaust und Inbegriff des Bösen ins Bewusstsein eingebrannt. Allein in Auschwitz brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um, zumeist Juden.