In Australien brennen Wälder und Buschgebiete und ein Ende der Feuer ist schwer abzusehen. Es ist zu warm und zu trocken. Die vielen Brände an der Ost- und Westküste des Kontinents haben bereits Millionen Hektar Land zerstört. Mindestens 26 Menschen wurden getötet, Tausende verloren ihre Häuser, die Luftqualität ist nach Angaben der Gesundheitsbehörden zum Teil gefährlich schlecht. Allein im besonders betroffenen Bundesstaat New South Wales brennen noch mehr als 120 Feuer. Wie erleben die Australier die Feuerkatastrophe?

"Einsätze dauern bis zu drei Tage am Stück"

Troy Dowley ist 51 Jahre alt und leitet die Freiwillige Feuerwehr in Gol Gol in New South Wales (NSW Rural Fire Service).

Ich war drei Tage lang in der Kleinstadt Batlow im Südosten Australiens im Einsatz. Zunächst hatten wir mit den Löscharbeiten in den Wäldern und Feldern rund um Batlow begonnen. Wir kümmerten uns um die Buschfeuer und überprüften die Kontrolllinien. Das sind Flächen mit wenig brennbaren Pflanzen, die verhindern sollen, dass sich das Feuer ausbreitet. Am zweiten Tag wurden wir dann gewarnt, dass auch die Stadt in Gefahr sei. Plötzlich ging alles ganz schnell. Erst brannten die Felder, dann flogen glühende Äste bis in den Ort hinein. Das Feuer kam immer näher. Es wurde sehr hektisch, unglaublich dicker Rauch umzingelte uns, wir konnten nicht weiter als fünf Meter sehen. Als ich den Feuerwehrwagen startete und losfuhr, konnte ich die Straße kaum erkennen. Ich wusste nicht, ob ich gleich gegen ein anderes Fahrzeug stoße. Zeitweise war es wie in einem Kriegsgebiet. 

Sehr heftige Brände habe ich schon früher erlebt, aber noch nie habe ich gesehen, wie ein ganzes Dorf brennt. Egal wohin wir uns drehten, überall war Feuer; vor uns, hinter uns, über uns. Es war eine sehr einschüchternde Erfahrung. 

Angekommen in der Stadt Batlow löschten wir von sieben Uhr morgens bis nachts um halb zwei. Als wir am nächsten Tag wiederkamen, hatten wir tatsächlich die meisten Häuser geschützt. Ich schätze, dass etwa 20 Häuser abgebrannt sind, zudem eine alte stillgelegte Fabrik und die Tankstelle. 

Außerhalb der großen Städte gibt es im Bundesstaat New South Wales zur Brandbekämpfung nur die Freiwillige Feuerwehr. Wir sind Leute mit normalen Jobs, viele von uns sind Farmer oder Selbstständige, ich bin selbstständig als Elektrotechniker. Wenn wir zu einem Hausbrand oder zu einem Autounfall gerufen werden, legen wir unsere normale Arbeit nieder und gehen unserer Pflicht nach. In Gol Gol, wo ich wohne, war die Saison bisher ruhig, zum Glück. Weil es aber gerade an so vielen Orten in New South Wales brennt, melden viele von uns sich freiwillig, um anderswo zu helfen. Diese Einsätze dauern dann bis zu drei Tage am Stück.

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"Es ist schwer, kindgerecht zu erklären, was da gerade geschieht"

Laura Daley ist 38 Jahre alt und arbeitet als Juristin für eine regionale Regierungsbehörde. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in Sawtell an der australischen Ostküste, etwa auf halber Strecke zwischen Brisbane und Sydney. 

Bereits im November sind die Feuer in unsere Gegend gekommen, bis auf rund 20 Kilometer an mein Haus heran. Das ist zwar sicher, weil es am Strand liegt, aber die Gefahr des Funkenflugs hat mir schon Angst gemacht. Im November und Dezember war der Himmel fast durchgängig voller Rauch. Fenster, Fensterbänke, Gehwege, Autos – auf allen Oberflächen lag eine Ascheschicht, jeden Morgen aufs Neue. Statt wie sonst um diese Jahreszeit im Park oder am Strand zu sein, haben wir uns meist drinnen aufgehalten. Man konnte auch keine Wäsche draußen aufhängen, weil sie sonst nach den Buschfeuern roch. 

Meine Söhne sind acht und zehn Jahre alt, die Brände machen ihnen Angst – wir gucken extra keine Nachrichten im Fernsehen, weil sie das verängstigt und weil es schwer ist, kindgerecht zu erklären, was da gerade geschieht. Ausgerechnet als die Feuer besonders nah an uns herankamen, musste ich gerade beruflich nach Sydney und meine Mutter ist gekommen, um zu Hause auf die Kinder aufzupassen. Da habe ich mir große Sorgen gemacht und immer wieder auf eine App geguckt: Sie heißt "Fires Near Me", die meisten Australier haben sie inzwischen auf ihrem Handy. 

Freunde und Angehörige haben ihre Häuser durch das Feuer verloren, das mitzuerleben hat mich sehr bedrückt. Selbst habe ich Glück gehabt: Ich bin beruflich viel unterwegs und musste aufgrund der Brände bloß einige Reisepläne ändern – kein Vergleich zu dem, was andere mitmachen mussten. An einigen Stellen blockieren die Feuer komplette Straßen. Auf dem Pacific Highway, das ist die wichtigste Autobahn hier an der Ostküste, sind viele Schilder durch die enorme Hitze verbogen oder komplett geschmolzen. 

Der größte Unterschied zu früheren Jahren ist sicherlich, dass die Dürre in diesem Jahr die Feuer verschlimmert hat. Die Landschaft, der Busch – sie sind so trocken, wie ich sie noch nie gesehen habe. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen, und so was habe ich noch niemals erlebt. Die Dürre macht vielen Orten ohnehin schon zu schaffen, und nun wurden viele dieser ländlichen Kommunen auch noch durch die Feuer verwüstet. Und die Menschen, deren Infrastruktur zerstört wurde – Zäune, Geräte, Schuppen, Viehfutter –, müssen sich jetzt mit den Versicherungen herumschlagen, um wieder auf die Beine zu kommen. 

Viele meiner Freunde sind bei der Freiwilligen Feuerwehr, und sie sind einfach erschöpft. Sie haben fast den ganzen Sommer weit weg von zu Hause und ihren Familien verbracht und unglaublich lange Arbeitstage gehabt. Ich kenne auch Leute, die für Behörden arbeiten und die auf der Straße von Leuten beschimpft worden sind. Es steht der Vorwurf im Raum, dass die für Buschfeuervorbeugung zuständige Behörde nicht genug Vorbereitungen getroffen hat, was zu Bränden geführt haben könnte. Dafür sollte man aber nicht diese einzelnen Leute beschuldigen.

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"Vor Hitze umkommen oder an der giftigen Luft ersticken"

Alistair Henderson ist 60 Jahre alt und Professor an einem College in der australischen Hauptstadt Canberra.

Rund um Canberra brennen große Feuer. Bei uns spüren wir vor allem die eklige, rauchige, schmutzige Luft. In den letzten zwei Wochen hatte Canberra fast jeden Tag die weltweit schlechteste Luftqualität. Ab 200 ppm (parts per million) ist die Feinstaubbelastung schädlich, bei uns lag sie zwischenzeitlich bei 3.700 ppm. Wir bleiben deshalb die meiste Zeit im Haus und versiegeln unsere Fenster und Türen, so gut wir können. In der heißesten Nacht mussten wir uns entscheiden: entweder die Klimaanlage auslassen und vor Hitze umkommen oder sie anschalten und an der giftigen Luft ersticken.

Wir hatten sie dann für einige Stunden an, dann stellten wir sie wieder aus, ein Kompromiss. Viele Tausend Menschen haben Atemschutzmasken gekauft, zwischenzeitlich waren sie sogar ausverkauft und mussten in Lkw nachgeliefert werden. Die größeren Partikel filtern die Masken aus der Luft, aber kleinere Mikropartikel können trotzdem Atemprobleme verursachen.

2003 gab es schon einmal riesige, zerstörerische Feuer in Canberra, bei denen ganze Vororte brannten. Deswegen bereiten fast alle meine Bekannten sich darauf vor, evakuiert zu werden, auch wenn wir gerade nicht direkt in Gefahr sind. Die nächsten Feuer sind etwa 40 Kilometer entfernt, falls sie näher kommen sollten, hätten wir genug Zeit. Auch ich und meine Frau haben einen Notfallplan: Wir haben eine Kiste mit allen wichtigen Papieren, Fotos, Bank- und Versicherungsdokumenten und wir haben Back-ups von unseren Computern gemacht. Die Dachrinne habe ich gesäubert und die Abflüsse mit Tennisbällen verstopft – im Notfall können wir Wasser in die Rinnen füllen und so das Haus schützen. Außerdem habe ich vier große Pakete Wasser gekauft, die letzten im Supermarkt. Bei den letzten großen Feuern war nämlich auch das Trinkwasser verschmutzt.

Meine Frau ist Pfarrerin. Sie hat gerade ein paar Tage in Cooma, hinter der Küste von New South Wales, verbracht und dort Menschen betreut, die evakuiert werden mussten. An einem Tag wurde der Himmel um vier Uhr nachmittags komplett dunkel und eine Schicht aus schwarzer Asche und Ruß legte sich über alles.

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"Meine Schüler sind verunsichert, neugierig und wütend"

Elana Knight, 38, ist Grundschullehrerin in Pacific Palms, einem Küstenort rund 250 Kilometer nördlich von Sydney. Der Ort, in dem sie lebt und unterrichtet, ist auf drei Seiten von Eukalyptuswäldern und Seen umgeben, im Osten begrenzen ihn Pazifikstrände.

Als das erste Feuer nördlich von uns ausbrach, war ich bei meiner Schwester in Forster, der Nachbarstadt. Kurz darauf flogen die ersten Wasserflugzeuge über unsere Köpfe, wir löschten in den Gärten Brandherde, die fliegende Glutbrocken ausgelöst hatten. Die Winde sind extrem, es ist heiß und alles ist einfach furchtbar trocken. Auch die Kinder halfen mit. In der schlimmsten Phase wurde unsere Schule mit 230 Kindern bis zur 6. Klasse für drei Tage geschlossen. In der Zeit vor den Ferien waren in New South Wales mehr als 500 Schulen dicht. Ich habe erst die Kinder zu Hause mit Aufgaben versorgt, dann habe ich meinen Eltern geholfen, ihr Grundstück feuersicherer zu machen: Löschpumpen testen, Unterholz wegschaffen, Regenrinnen wässern.

Meine Schüler diskutieren ständig über die Feuer, sie sind verunsichert, neugierig, wütend. Wenn die Eltern durch die Situation angespannt sind, kommen natürlich auch die Kinder gestresst zur Schule. Manche haben Angst. Aber ich finde es wichtig, im Unterricht über die Situation zu sprechen. Es hilft nicht, Kinder in Watte zu packen, sie müssen schließlich mit dieser Gegenwart und vor allem der Zukunft leben. Viele der Elf- und Zwölfjährigen sind ständig auf Twitter und verfolgen, was passiert. Oft können sie die Ausmaße nicht ganz begreifen, aber ihnen ist klar, dass die Lage schlimmer ist als in früheren Jahren. Oft sagen sie "This is not enough!" – es reicht einfach nicht, was wir bislang tun.

Viele meiner Schüler sind von Greta Thunberg absolut begeistert. Sie sagen: "Die ist so klar und macht so viel Sinn. Sie redet nicht ständig um den heißen Brei herum." Die Kinder leben wirklich im Moment, sie haben nicht so viele Filter wie Erwachsene. Für mich als Lehrerin heißt das, dass ich sie ermutige, sich zu informieren, zu debattieren und eigenständig zu denken. Ich ermutige Diskussionen im Unterricht, in jede Richtung. Aber die Gespräche über Feuer und Klimawandel in der Schule sind oft wirklich schwer und bedrückend.

Ich glaube, auch wir Erwachsenen müssen noch mehr über die Situation reden, je mehr wir diskutieren und nach Lösungen suchen, umso größer wird vielleicht der Druck auf unsere Regierung, etwas zu ändern. Es gibt ja einige Politiker, die wirklich gute Ansätze haben, aber oft sind das Unabhängige, und die haben nicht genug Einfluss. Manchmal denke ich, die Menschen hier wollen Veränderung und sind bereit. Aber dann wieder sehe ich, wie viel Angst sie haben, dass sie vielleicht ein kleines Stückchen ihres ziemlich behaglichen Lebensstandards aufgeben müssten.

Dabei sind wir schon jetzt alle betroffen. Jedes Kind in der Schule kennt jemanden, der vom Feuer betroffen ist oder ein Haus verloren hat. Viele haben einen Vater oder eine Mutter in der Freiwilligen Feuerwehr, um die sie sich Sorgen machen. Ganz abgesehen von der rauchigen Luft, die wir alle atmen. Der Mann meiner Freundin ist als Freiwilliger im Einsatz, er macht ständig 17-Stunden-Schichten mit dem Löschzug. Klar, das sind gelassene und erfahrene Leute. Aber abgesehen von dem körperlichen Stress ist das für deren Psyche auch nicht einfach. Sehen Sie, die kämpfen ja häufig gegen Feuer in der eigenen Nachbarschaft. Wenn man das Haus eines Freundes oder Verwandten nicht retten kann und zusehen muss, wie es in Flammen aufgeht, das ist hart.

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"Es kommt alles wieder hoch, als wäre wieder Black Saturday"

Alexandra Danziger ist 43 Jahre alt und lebt in Ballarat im Bundesstaat Victoria. Vor elf Jahren überlebte sie den sogenannten Black Saturday – die mit 173 Toten verlustreichste Brandkatastrophe Australiens. Nun ist die Angst zurück. 

Mein Mann, meine damals sechs Jahre alte Tochter und ich haben am 7. Februar 2009 die größte Brandkatastrophe Australiens überlebt. Ich erinnere mich, wie ich auf unserem Hof in der Nähe der Stadt Kinglake stand und der Himmel rot leuchtete. Unsere Katze und unsere Hunde konnte ich noch greifen. Aber ich hatte keine Zeit mehr, unser Pony und unsere Besitztümer in Sicherheit zu bringen. Als ich mit dem Auto aus der Ausfahrt fuhr, waren die Flammen bereits so hoch wie die umliegenden Eukalyptusbäume. 

Während der Autofahrt schrie ich. Die Flammen jagten mein Auto. Um mich herum war alles schwarz, es gab ein ohrenbetäubendes Heulen. Vögel fielen tot vom Himmel. Später erfuhr ich, dass sie einfach keinen Sauerstoff mehr hatten. Ich dachte damals: Jetzt sterbe ich. 

Meine Freundin Tina rief mich an, sie lebte nur etwa 400 Meter von meinem Haus entfernt. Sie schrie: "Ich komme nicht raus. Das Feuer ist hier. Gott, die Kinder sind bei mir." Sie schrie weiter. Ich weinte. Als ich den Rückspiegel schaute, sah ich die Hölle. 

Während der Fahrt rief ich meine Mutter an, um mich zu verabschieden. An der Karosserie des Autos bildeten sich Blasen durch die enorme Hitze, doch am Ende kamen wir irgendwie durch. Meine Freundin Tina starb mit ihren fünf Kindern. Auf der Straße lagen Tiere, alles wirkte so irreal. Als ich später unser totes Pony fand, sah es aus wie ein mit Samt überzogenes Spielzeug. Unser Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht. 

Alexandra Danzigers Tochter Hannah mit ihrem verbrannten Fahrrad nach den verheerenden Buschbränden 2009 © Alexandra Danziger

Im Februar wird der Black Saturday genau elf Jahre zurückliegen. Seitdem sind wir achtmal umgezogen. Mein Mann hatte einen Zusammenbruch, später bekam auch ich einen. Unsere Tochter Hannah hörte auf zu sprechen. Sie ist in psychologischer Betreuung. Mein Mann leidet bis heute an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. 

Nun brennt unser Land wieder. Die Luftqualität ist so schlecht, dass uns das Atmen schwerfällt, also bleiben wir zu Hause. Die nächsten Feuer sind 19 Kilometer von uns entfernt, sind aber unter Kontrolle. 

Trotzdem kommt jetzt alles wieder hoch, als wäre wieder Black Saturday. Mein Herz rast, als wollte es mir aus der Kehle springen. Ich bin nervös, ich kann nicht ruhig sitzen, ich kann nicht essen, nicht schlafen, mir ist übel. Ich will nicht die Nachrichten sehen, aber ich muss die Nachrichten sehen. Das Verhalten unseres Premierministers Scott Morrison finde ich peinlich, so verhält sich kein führender Politiker. Er stolpert mehr, als dass er hilft.

Alex Danziger mit ihrem Mann Tom und ihren Töchtern Hannah, 17, Isabella, 8 und Breanna, 6 © Alexandra Danziger

Ich bin froh, dass zumindest für die Feuerwehrleute Geld gesammelt wird – sie sind meine Helden. Aber ich weiß nicht, wie gut den Wildtieren geholfen wird, deshalb habe ich mich mit Freiwilligen in Verbindung gesetzt, um aktiv zu helfen. Viele Menschen, die ich kenne, nähen Beutel für kleine Kängurus, Wickel für Fledermäuse oder Fäustlinge für verbrannte Pfoten. Ich schicke Leute los, um Lunchpakete für die Feuerwehr und die Luftwaffe zu organisieren. Ich bringe Hilfsmittel dahin, wo sie gebraucht werden. In mir ist dieser Drang, etwas zurückzugeben. Ich muss etwas tun. Denn nichts zu tun bringt nur die Geister von damals wieder; nichts zu tun ist nicht in Ordnung. Vielleicht kann ich helfen. Die Tränen zurückhalten kann ich aber nicht.

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"Unser Leben wird nie wieder, wie es war"

Anne Wilson, 37, lebt seit zehn Jahren in der Nähe von Crescent Head, einem Surfer-Ort an der Ostküste zwischen Brisbane und Sydney, und ist Selbstversorgerin mit einem großen Gemüsegarten. Wilson ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und installiert seit zwölf Jahren Solaranlagen.

Bei uns hier setzten die Feuer Anfang November ein. Freunde nicht weit von mir haben verzweifelt um ihre Häuser gekämpft, ich habe Farmern geholfen, Tiere in Sicherheit zu bringen. Ich habe mit drei Generationen von Frauen auf einem abgelegenen Grundstück mit einem Gartenschlauch ihr Haus verteidigt. Reiner Zufall, dass es geklappt hat. Als die unmittelbare Gefahr hier vorbei war und ich das Ausmaß der Zerstörung sah, war das ein ernüchternder Moment. Da wusste ich, jetzt spüren wir die ersten realen Folgen des Klimawandels. Klar, wir hatten hier immer schon extremes Wetter, aber diesmal wurde mir klar: Unser Leben wird nie wieder, wie es vorher war.

Das Gute an der Situation ist vielleicht, dass es die Menschen zusammenbringt. Wir helfen einander. Aber wir müssen unser alltägliches Leben ganz neu überdenken. Ich habe diese Woche zum Beispiel aufgehört, mein Gemüse zu gießen, das wenige Wasser, das noch im Staudammsee ist, brauchen wir für die Obstbäume und zum Feuerlöschen. Es ist irre trocken. Früher hatten wir hier 1.200 Millimeter Regen im Jahr. Ohne eigenes Gemüse ändert sich für mich als Selbstversorgerin viel. Vielleicht ziehe ich um in eine Gegend, in der auf Regen mehr Verlass ist.

Die Reaktion unserer Regierung auf den Klimawandel macht mich sprachlos. Als Morrison vor zwei Jahren mit breitem Grinsen ein Stück Kohle ins Parlament mitgebracht hat, war ich so wütend, dass ich nach Newcastle gefahren bin und an einer Bahnlinie zum Kohlehafen protestiert habe. Die Regierung griff gegen unseren Protest extrem hart durch. Es wurden beispiellos schwere Anschuldigungen erhoben. Für den "Eingriff in den Bergbaubetrieb" kann ich mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden. Unser Berufungsverfahren läuft noch. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich in Australien kaum jemand traut, den Mund aufzumachen.

Aber im Ernst, ich weiß nicht, warum Leute nicht mehr auf die Straßen gehen und protestieren – das ist ja immerhin noch nicht strafbar. Vielleicht ist das eine kulturelle Eigenart. Wir sind einfach zu fucking höflich. Die Leute möchten andere nicht aufregen, sie wollen nicht auffallen oder gesehen werden, wenn sie ihre Meinung zeigen.

Ich glaube daher eher nicht, dass Australien im Moment fähig ist, die gesellschaftliche Veränderung zu vollziehen, die nötig wäre, um effektiv auf den Klimawandel zu reagieren. Es ist traurig, denn es bedeutet, zu akzeptieren, dass wir uns festgefahren haben, aber trotzdem den Kopf in den Sand stecken.

Als ich neulich mehr über die Pfingstkirche gelesen habe – das ist die Religion unseres Premierministers – war ich erst recht entsetzt. Den pentecostals zufolge ist "die unheimliche Sache, die da passiert" – die Feuer – ebenso wie der Klimawandel der Wille Gottes – und gegen den könnten wir nichts tun. Wie zum Teufel kann es sein, dass wir im Jahr 2020 eine solche Person an der Spitze des Landes haben?

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