Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die Geschäftszentrale der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt am Main durchsucht. Betroffen waren auch geschäftliche Räume in Berlin sowie Wohnungen von Verantwortlichen bei der Wohlfahrteinrichtung. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige, berichten verschiedene Medien.

Wie der Hessische Rundfunk berichtet, wurden 14 Objekte in Frankfurt, Wiesbaden, Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus), Schöneck (Main-Kinzig) und Berlin durchsucht. Dabei seien zahlreiche Geschäftsunterlagen sichergestellt – digital wie analog. 84 Beamte und Beamtinnen seien an dem Einsatz beteiligt gewesen.

Die Durchsuchungen richten sich gegen Verantwortliche der Awo-Kreisverbände in Frankfurt am Main und Wiesbaden. Nicht alle sind hauptamtlich für die Awo tätig, einige sind auch in herausgehobener ehrenamtlicher Funktion. Als Hauptverdächtige gelten zwei Frauen und vier Männer im Alter zwischen 40 und 63 Jahren. Die Beschuldigten sollen die Awo betrogen und ungerechtfertigte Honorare vereinbart und entgegengenommen haben. 

Ungerechtfertigte Honorare, falsch abgerechnete Personalkosten

Schon seit Monaten stehen die Kreisverbände wegen eines Betrugs- und Untreueskandals in der Kritik, in dem zuletzt immer neue Vorwürfe bekannt geworden sind. Vor allem soll die Awo Personalkosten für zwei im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main betriebenen Flüchtlingsunterkünften falsch abgerechnet haben. Laut Angaben der Staatsanwalt könnte die Stadt hier einen Schaden im hohen sechsstelligen Bereich erlitten haben. Außerdem wird in verschiedenen Fällen wegen Untreue ermittelt. Hier geht es um Vergütungen und Honorarzahlungen, die möglicherweise satzungswidrig oder ungerechtfertigt waren, sowie um die Gewährung einer überhöhten Dienstwagenpauschale.

Wie die Frankfurter Neue Presse berichtet, ist unter anderem auch die Ehefrau des Frankfurter Oberbürgermeisters von dem Skandal betroffen. Sie war einige Monate lang für die Awo als Leiterin einer bilingualen Kita tätig – dem Bericht zufolge einem Projekt, das auf der Idee ihres Mannes beruht – und wurde als Berufsanfängerin ungewöhnlich hoch eingruppiert. Zudem wurde ihr ein Dienstwagen gewährt, was für die Position ebenfalls ungewöhnlich war. Die Kitaleiterin unterbrach ihre Tätigkeit aber nach kurzer Zeit, weil sie in Elternzeit ging, die bis heute andauert. Ihre Eingruppierung wurden zwischenzeitlich rückgängig gemacht, die zu viel gezahlten Lohnkosten sollen erstattet werden. Fraglich ist jedoch, wie der teure Dienstwagen abgerechnet werden soll.

Laut der Regionalzeitung soll es aber auch beim Verkauf zweier Pflegeheime im Landkreis Gießen und im Main-Kinzig-Kreis zu "zweifelhaften Machenschaften" gekommen sein. In einem Fall wurde ein Pflegeheim an eine Immobilienfirma des damaligen Chefs des Awo-Bezirks Hessen-Süd verkauft, die Awo blieb jedoch Mieterin. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue.