Die französischen Behörden haben eine dritte Person registriert, die sich mit dem aus China stammenden neuartigen Coronavirus infiziert hat. Dabei handelt es sich nach Angaben von Gesundheitsministerin Agnès Buzyn um einen nahen Verwandten einer der beiden Personen, bei denen die neue Lungenkrankheit bereits zuvor diagnostiziert worden war. Alle drei Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten und seien in Krankenhäusern isoliert worden. Es werde geprüft, mit wem sie noch in Kontakt gewesen sein könnten.  

Auch in den USA ist eine weitere Person durch eine Infektion mit dem Virus erkrankt, das zu schwerwiegenden Lungenentzündungen führen kann. Eine Frau aus Chicago wurde nach Angaben des Zentrums für Krankheitskontrolle und Vorbeugung in ein Krankenhaus gebracht. Die Frau hatte sich einige Tage nach ihrer Rückkehr von einer China-Reise mit Beschwerden bei ihrem Arzt gemeldet. Zuvor war in den USA ein Fall in Seattle bestätigt worden.

China riegelt weitere Städte ab

Das neuartige Virus mit dem Namen 2019-nCoV wurde zum ersten Mal im Dezember 2019 auf einem inzwischen geschlossenen Fisch- und Geflügelmarkt in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt. Das Coronavirus löst eine Atemwegserkrankung aus, die zu Lungenentzündungen führen kann. Nach bisherigen Erkenntnissen kann das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Aus Angst vor einer weiteren Verbreitung des Virus – an diesem Samstag sind anlässlich des chinesischen Neujahrsfests Millionen Chinesen unterwegs – hat die chinesische Regierung landesweite Maßnahmen für Züge, Flugzeuge und Busse angeordnet. Wie die nationale Gesundheitsbehörde mitteilte, werden im gesamten öffentlichen Verkehr Messstationen eingerichtet. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion müssten "sofort" in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Zuvor waren ganze Städte isoliert worden. Die Metropolen Wuhan, Huanggang, Xiantao und Ezhou sowie das kleinere Chibi und nun auch die Städte Xianning, Xiaogan, Enshi und Zhijiang sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Der öffentliche Verkehr wurde ausgesetzt. Insgesamt stehen mittlerweile dreizehn chinesische Städte faktisch unter Quarantäne, mehr als 41 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind betroffen. Die südchinesische Stadt Haikou verfügte, dass alle Reisenden aus Hubei vierzehn Tage lang in einem Hotel isoliert und medizinisch untersucht werden sollen.

Erkrankte in Australien und Nepal

In China sind mittlerweile 41 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Die chinesischen Gesundheitsbehörden haben nach eigenen Angaben 1.287 Infizierte registriert und würden mehrere Tausend Verdachtsfälle überprüfen. Laut Berechnungen von Experten des Imperial College London dürfte die Anzahl der Infektionen aber weitaus höher liegen; sie gehen von 4.000 infizierten Menschen aus.

Außerhalb Chinas wurden auch Fälle in Japan, Südkorea, Thailand, Singapur, Vietnam und Australien bestätigt. Auch aus Nepal wurde am Freitag ein erster Fall gemeldet. Alle Betroffen waren zuvor in Wuhan gewesen. 

Spahn mahnt zu Besonnenheit

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die globale Gefahr durch das neue Coronavirus. 
"Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten", sagte Lothar Wieler am Freitagabend im Heute Journal des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der durch das Virus verursachten Erkrankung noch nicht genau beurteilen. "Wir haben keine vollständigen Informationen", sagte Wieler.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte, sich besonnen zu verhalten. "Wir nehmen das sehr ernst, wir sind wachsam, aber mit kühlem Kopf auch gleichzeitig", sagte der CDU-Politiker in den ARD-Tagesthemen. Man stehe im täglichen Austausch mit Experten. "Ich finde eben auch wichtig, dass wir das insgesamt so einordnen, dass wir dann auch mit der nötigen Ruhe rangehen können." 

Das Auswärtige Amt ruft China-Reisende dazu auf, vor Reisebeginn die Sicherheitshinweise des Gesundheitsministeriums genau zu lesen. Dort wird unter anderem empfohlen, Reisen in die vom Coronavirus betroffenen Gebiete möglichst zu verschieben.