Aus Protest gegen die überfüllten Migrantenlager sind am Mittwoch alle Regional- und Kommunalbehörden sowie die meisten Geschäfte auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos geschlossen worden. Die Bürgermeister und Verbände fast aller Berufe protestieren damit gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung in Athen.

Kommunalpolitiker und die regionalen Geschäftsleute fordern von den Verantwortlichen seit Langem eine Entlastung. Die Regierung müsse endlich dafür sorgen, dass die Migranten, die aus der Türkei täglich übersetzen, nach ihrer Registrierung auf den Inseln zum Festland gebracht werden, begründeten sie ihre Aktion. Der Regionalgouverneur der nördlichen Ägäis, Kostas Moutzouris, sprach im griechischen Fernsehsender Open von einem "Generalstreik". Die Lage auf den Inseln sei prekär, man könne "nicht mehr Lager verlorener Seelen leidtragender Menschen sein".

In und um die Registrierlager auf den Inseln der Ostägäis harren derzeit knapp 42.000 Menschen aus. Eigentlich hatte die EU mit der Regierung in Ankara 2016 vereinbart, dass die Türkei alle Migrantinnen und Migranten zurücknimmt, die auf diesen Insel ankommen und die kein Asyl in Griechenland erhalten. Personalmangel bei den griechischen Behörden verhinderte bislang aber, dass diese Rückführungen ausreichend funktionieren.

Allein auf Samos sind in und um ein Migrantenlager mehr als 7.100 Menschen untergebracht. "Wir können diese Situation in unserer Kleinstadt nicht mehr ertragen", sagte Giorgos Stantzos, der Bürgermeister von Vathy, der Hauptortschaft der Insel. "Wir haben auch Menschenrechte."