Der britische Prinz Harry und seine Frau Herzogin Meghan wollen sich aus der ersten Reihe der Königsfamilie zurückziehen. Sie streben eine finanzielle Unabhängigkeit an, teilten sie auf ihrem Instagram-Account sowie in einer Mitteilung des Buckingham-Palasts mit. Sie würden Königin Elisabeth II. aber weiter voll unterstützen.

Der Herzog und die Herzogin von Sussex kündigten an, künftig Zeit in den USA und in Großbritannien verbringen zu wollen. Der Schritt ermögliche es ihnen, ihren Sohn "für die königliche Tradition zu sensibilisieren, in die er hineingeboren wurde"; zugleich wollten sie sich selbst den Raum geben, ein "neues Kapitel" zu starten. Zudem wollen sie sich auf die Gründung einer neuen Wohltätigkeitsorganisation konzentrieren.

Das britische Königshaus äußerte Verständnis für den Schritt der beiden, kündigte aber gleichzeitig schwierige Gespräche an. "Wir verstehen ihren Wunsch, einen anderen Weg einzuschlagen", erklärte eine Sprecherin von Königin Elisabeth II. Es handele sich jedoch um "komplizierte Fragen, die zu regeln Zeit braucht". Die Gespräche über die zukünftige Rolle des Paares stünden noch ganz am Anfang.

Harry wirft Medien "Mobbing" seiner Frau vor

Harry und Meghan haben ein turbulentes Jahr hinter sich. In einem Interview sprachen sie 2019 über die Schattenseiten eines Lebens in der Öffentlichkeit. Die britische Boulevardpresse hatte die US-Schauspielerin zunächst begeistert in der britischen Königsfamilie willkommen geheißen. Später wurde die Berichterstattung zunehmend kritisch.

Wie der Guardian schreibt, haderten Harry und Meghan deshalb zunehmend mit ihrer öffentlichen Rolle und ihrer Darstellung in den Medien. So hatte Meghan die Mail on Sunday verklagt, nachdem die Zeitung einen handschriftlichen Brief von ihr an ihren Vater, von dem sie sich entfremdet hatte, veröffentlichte. Harry sprach in Folge von "Mobbing" seiner Frau durch die Medien. Er sagte, dass er kein "stiller Zeuge" für Meghans "privates Leiden" sein könne. In Hinblick auf seine verstorbene Mutter Diana, der die Medien stark nachgestellt hatten, würde seine "tiefste Angst darin bestehen, dass sich die Geschichte wiederholt". Diana war bei der Flucht vor Paparazzi im Jahr 1997 tödlich verunglückt.

Harry feierte Weihnachten bei Meghans Mutter in Kanada

Harry hatte in einem Interview im Oktober 2019 auch zu Gerüchten über ein Zerwürfnis mit seinem älteren Bruder Prinz William Stellung bezogen. Dabei sagte er, sein Bruder und er befänden sich derzeit "sicherlich auf unterschiedlichen Wegen". Als Brüder habe man "gute Tage und schlechte Tage". Weil beide so "beschäftigt" seien, sehe er William nicht mehr so oft wie früher. Die britische Boulevardpresse hatte zuvor ausführlich über eine angebliche Entfremdung der Brüder berichtet und gemutmaßt, Schuld sei ein Konflikt zwischen Meghan und Williams Frau Kate.

Auch eine angeblich wachsende Distanz zwischen dem Paar und dem Königshaus hatte für Gerüchte gesorgt. So hatte die britische Presse mit Aufmerksamkeit registriert, dass die beiden Weihnachten nicht gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der königlichen Familie feierten, sondern mit ihrem Sohn bei Meghans Mutter in Kanada. Auffällig war auch, dass bei der traditionellen Weihnachtsansprache der Queen ein Foto der beiden auf dem Tisch fehlte, an dem Elisabeth II. ihre Rede hielt.

Prinz Harry hatte die Schauspielerin Meghan, geborene Markle, im Mai 2018 geheiratet. Ein Jahr später kam ihr Sohn Archie zur Welt.

Der frühere Pressesprecher des Buckingham-Palasts, Dickie Arbiter, sagte der BBC, dass der "massive Presseangriff" bei der Geburt ihres Sohnes möglicherweise eine Rolle bei der Entscheidung gespielt habe. Er verglich den Rückzug der beiden mit der Abdankung des früheren britischen Königs Eduard VIII. im Jahr 1936. Dieser hatte auf den Thron verzichtet, um die zweifach geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten zu können. "Das ist der einzige Präzedenzfall, aber in der Neuzeit gab es nichts Vergleichbares", sagte Arbiter. Auch könne er nicht wissen, ob es funktioniere, Teilzeitmitglied der königlichen Familie zu sein.