Vier wegen Gruppenvergewaltigung und Mord an einer jungen Frau in Neu-Delhi verurteilte Männer sollen hingerichtet werden. Ein Gericht in Neu-Delhi legte fest, dass die Todesurteile am 22. Januar vollstreckt werden, wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete. Die Männer sollen am Morgen gehängt werden. Der Oberste Gerichtshof hatte im Dezember den letzten Berufungsantrag eines der Männer abgelehnt.

Die Eltern der getöteten jungen Frau hatten zuletzt darauf gedrungen, die Todesurteile zu vollstrecken. Die damals 23-jährige Physiotherapie-Studentin war im Dezember 2012 zusammen mit einem Freund vom Kino auf dem Weg nach Hause, als sechs Männer sie in einen Bus lockten. Sie schlugen den Mann mit einem Metallstab, vergewaltigten die Frau und fügten ihr mit dem Stab schwere innere Verletzungen zu. Die Studentin und ihr Freund wurden nackt am Straßenrand zurückgelassen. Zwei Wochen später starb sie an den Verletzungen.

Vier der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Ein weiterer Vergewaltiger wurde vor Beginn seines Prozesses tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Der sechste Angeklagte war zum Zeitpunkt des Angriffs minderjährig. Er wurde zu drei Jahren in einer Erziehungsanstalt verurteilt.

Landesweite Proteste gegen Gewalt an Frauen

"Dieses Urteil wird den Glauben der Menschen an die Justiz bestärken", sagte die Mutter der getöteten jungen Frau. Die zum Tode Verurteilten könnten noch versuchen, ihre Hinrichtung mit einer Petition an das Oberste Gericht zu stoppen. Sollte ihr Gesuch abgelehnt werden, bestehe die Möglichkeit, direkt Indiens Staatsoberhaupt Ram Nath Kovind um Gnade zu bitten.

Die Vergewaltigung im Dezember 2012 hatte landesweite Proteste ausgelöst. Hunderttausende waren gegen Gewalt gegen Frauen auf die Straße gegangen. Zwar hat es seitdem einige Gesetzesänderungen gegeben – unter anderem sieht die Strafgesetzgebung mittlerweile längere Haftstrafen für Vergewaltiger vor, zudem wurden Strafen für Voyeurismus, Stalking und Frauenhandel eingeführt. Außerdem können Sexualstraftäter bereits ab 16 Jahren strenger bestraft werden. Dennoch werfen Aktivistinnen und Aktivisten der Regierung vor, nicht genug gegen die steigende Zahl von Gewaltverbrechen gegen Frauen zu tun.

Noch immer kommt es in Indien immer wieder zu Gruppenvergewaltigungen, häufig mit Todesfolge. Im Dezember protestierten erneut Tausende, nachdem vier Männer eine 27-jährige Tierärztin vergewaltigt und ermordet haben sollen. Die Verdächtigten wurden von der Polizei erschossen, während sie offenbar versuchten, zu fliehen.