Immer weniger Menschen stellen in Deutschland einen Antrag auf Asyl. Im vergangenen Jahr habe es 142.509 Asylerstanträge gegeben, teilte das Bundesinnenministerium mit. Damit waren es über 20.000 (14,3 Prozent) weniger als noch im Vorjahr. Die Haupt-Herkunftsländer waren Syrien, Irak und die Türkei.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hob hervor, dass die Anzahl der Asylbewerberinnen und Asylbewerber nun "das dritte Jahr in Folge zurückgegangen" sei. Er werte dies als Erfolg. "Das zeigt, dass die zahlreichen Maßnahmen der letzten Jahre gegen ungesteuerte Zuwanderung wirken", sagte der CSU-Politiker. Dennoch wollten weiterhin viele Menschen nach Deutschland kommen, der Migrationsdruck an den Außengrenzen sei weiterhin hoch. "Deshalb führe ich meine Politik von Humanität und Ordnung der Migration konsequent fort", sagte Seehofer.

In diesem Jahr wurde erstmals eine neue Methodik angewendet: Statt wie bisher alle Asylerstanträge zu zählen, werden die Anträge für in Deutschland geborene Kinder von Schutzsuchenden ausgeklammert. So kommt es, dass das Innenministerium sogar nur von 111.094 Anträgen spricht. Für in Deutschland geborene Kinder unter einem Jahr wurden im vergangenen Jahr 31.415 Asylerstanträge gestellt.

Mehr Menschen kommen zum Studieren oder Arbeiten nach Deutschland

Nicht nur die Zahl der Menschen, die Schutz suchen, geht zurück. Insgesamt gab es 2019 auch weniger Zuwanderung, zeigt der neue Migrationsbericht. Im Jahr 2018 zogen mit rund 1,59 Millionen etwa gleich viele Menschen in die Bundesrepublik wie im Vorjahr, 2016 waren noch 1,87 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, 2015 waren es auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2,1 Millionen gewesen.

2018 verließen den Angaben zufolge 1,19 Millionen Menschen die Bundesrepublik. Damit gab es mit etwa 400.000 Menschen den niedrigsten Wanderungssaldo seit 2013. Zugleich ist festzustellen, dass die Zuwanderung aus humanitären Gründen zurückgegangen ist, während mehr Menschen nach Deutschland kommen, um hier zu studieren oder zu arbeiten. "Auch für freizügigkeitsberechtigte EU-Staatsangehörige ist die Bundesrepublik weiterhin ein attraktives Ziel", erklärte das Innenministerium.

Von den 81,6 Millionen Einwohnern Deutschlands haben 13,5 Millionen eigene Migrationserfahrungen. Im Jahr 2018 lebten etwa zwei Drittel von ihnen seit mindestens zehn Jahren in Deutschland, 49,4 Prozent seit mindestens 20 Jahren und 13,7 Prozent seit 40 Jahren und länger.

Die Bundesregierung erstellt seit einer entsprechenden Aufforderung des Bundestages aus dem Jahr 2000 jährlich einen Migrationsbericht. Er gibt unter Einbeziehung aller Zuwanderergruppen einen umfassenden Überblick über die jährliche Entwicklung der Zu- und Abwanderung.