Auf das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby in Halle ist nach Angaben des Politikers geschossen worden. Diaby veröffentlichte auf Twitter ein Foto, auf dem drei Einschusslöcher in der Scheibe seines Bügerbüros zu sehen sind. Das Büro befindet sich in der Kleinen Ulrichstraße in Halle.  

Polizei und Staatsschutz ermitteln, sagte ein Sprecher dem MDR. Projektile habe die Polizei nicht gefunden. Man habe auch an zwei weiteren Gebäuden in der Kleinen Ulrichstraße Rückstände eines möglichen Beschusses festgestellt, teilte die Polizei demnach mit. Wodurch die Sachbeschädigungen verursacht wurden, kann die Polizei laut MDR noch nicht sagen.

"Am Mittwochmorgen wurden an meinem Bürgerbüro Einschusslöcher bemerkt. Eine Büroscheibe mit meinem Konterfei weist mehrere Einschusslöcher auf", schreibt Diaby auf Twitter. Dem MDR sagte er, die Hintergründe seien noch nicht klar. "Deshalb kann ich mich dazu noch nicht näher äußern."

Nach Information des Spiegels geht die Polizei davon aus, dass die Täter möglicherweise eine sogenannte Softair-Waffe benutzt haben. Diese verschießen durch Druckluft kleine Kugeln aus Kunststoff oder anderen Materialien.

"Einfach unfassbar. Widerlich und feige"

Die Mitarbeiter reagierten nach Angaben des MDR schockiert, besonders da die Schusslöcher auf Kopfhöhe eines am Schreibtisch sitzenden Menschen zu finden seien. Der Angriff sei zwischen 16.30 Uhr am Dienstag und 9 Uhr am Mittwoch passiert. Ein Mitarbeiter Diabys sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir haben heute Morgen festgestellt, dass in einer ungefähr drei Meter hohen und vier Meter breiten Scheibe fünf größere Löcher waren."

Bereits 2015 wurde im Bürgerbüro des Parlamentariers die Schaufensterscheibe eingeworfen. Der 58-Jährige hatte zudem im Oktober in einem Interview mit ZEIT ONLINE berichtet, dass er immer wieder Rassismus ausgesetzt sei.

Außenminister Heiko Maas reagierte empört. "Einfach unfassbar. Widerlich und feige. Volle Unterstützung, auch für das gesamte Team", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Wir werden weiter an Eurer Seite für eine freie, tolerante und vielfältige Demokratie eintreten. Jetzt erst recht."

Diaby ist seit 2013 SPD-Bundestagsabgeordneter für Halle (Saale). Er ist Integrationsbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion.

In der Stadt Halle hatte im Oktober ein schwer bewaffneter Mann versucht, während der Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in eine Synagoge in Halle einzudringen. Als er damit scheiterte, erschoss er zuerst eine zufällig vorbeikommende Frau und dann einen Mann in einem naheliegenden Dönerladen. Der Täter hat den Angriff gestanden und ein antisemitisches und rechtsextremes Motiv eingeräumt. Der Bundestagsabgeordnete Diaby rief damals die demokratischen Kräfte auf, sich gegen Hass zur Wehr zu setzen.