Ein Berufungsgericht in Lyon hat den Kardinal und Erzbischof des Bistums Lyon vom Vorwurf der Nichtanzeige sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Zu Prozessende hatte sich neben Barbarins Anwalt auch die Staatsanwaltschaft für einen Freispruch des Klerikers ausgesprochen. Barbarin war im März 2019 in erster Instanz schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Barbarin wurde damals vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch von Jungen durch einen Priester verschwiegen zu haben. Er und fünf weitere Geistliche sollen demnach Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester, der in den Achtzigerjahren gegen mehrere Kinder übergriffig geworden sein soll, nicht weiterverfolgt haben.

Bereits 2016 war diesbezüglich gegen Barbarin ermittelt worden, damals stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren aber nach einigen Monaten ein. Im jüngsten Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft, auch weil die Missbrauchsfälle, die Barbarin verheimlicht haben soll, verjährt sind, auf die Forderung nach einer Strafe verzichtet.

Ein Opferverein hatte das Verfahren angestoßen. Barbarin wehrte sich gegen die Vorwürfe, bot aber nach seiner Verurteilung Papst Franziskus den Rücktritt an. Dennoch kündigten seine Anwälte nach dem ersten Prozess an, in Berufung gehen zu wollen. Das Rücktrittsangebot Barbarins nahm Franziskus damals nicht an: Weil ein Berufungsverfahren noch laufe, gelte die Unschuldsvermutung. Barbarin hatte jedoch die Leitung des Bistums zwischenzeitlich an einen anderen Bischof übergeben.