Die Polizei Sachsen hat ihre Einschätzung zu den mutmaßlich von linken Gewalttätern verübten Anschlägen der vergangenen Monate aktualisiert. Wenige Tage nach der Randale im Leipziger Stadtteil Connewitz kommt die für Gefahrenabwehr zuständige Behörde zu dem Schluss, dass die Gewalttaten als Terrorismus bezeichnet werden können. Bisher sprachen sie von linksextremistischer Gewalt, vergangenes Jahr richtete das Landeskriminalamt eine eigene Sonderkommission dafür ein.

Ein Sprecher des Kriminalamtes wies darauf hin, dass die Ermittlungen zu den Vorfällen der jüngsten Zeit noch nicht abgeschlossen sind. "Was die Schädigung von Sachen betrifft, könnte man von Linksterrorismus sprechen", sagte er auf Nachfrage. Er bezog sich insbesondere auf die Anschläge, die bislang unbekannte Täter in Leipzig auf mehrere Baukräne verübt hatten. Bauunternehmer könnten um ihre Einrichtungen fürchten, sagte er. In Leipzig hatten zudem mutmaßlich linke Täter die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung verprügelt. In einem Bekennerschreiben hieß es, die Frau sei verantwortlich für den Bau von Eigentumswohnungen in Connewitz. Die Echtheit solcher Schreiben lasse sich jedoch kaum überprüfen, sagte der Sprecher. "Was die Schäden von Personen betrifft, stehen wir an der Schwelle zum Linksterrorismus", sagte er. Das Verbreiten von Angst kann als ein Merkmal von Terror gelten.

Laut einem Bericht des Spiegels hat das Landeskriminalamt aus diesen Gründen das interne Lagebild angepasst. Leipzig sei laut dem Dokument ein "absoluter Brennpunkt" linker Übergriffe in Sachsen und mit mehr als 300 Straftaten im vergangenen Jahr der "Hotspot der linksautonomen Szene", die Szene stehe an der Schwelle zum Terrorismus. Der Stadtteil Connewitz ist von vielen politisch links eingestellten Menschen bewohnt. Wiederholt gab es dort Randale zwischen linken Gewaltbereiten und der Polizei, zuletzt in der Silvesternacht an einer Straßenkreuzung, wobei ein Polizist am Ohr verletzt wurde. 

Wie der Spiegel aus dem Lagebericht zitiert, wurden in Sachsen bereits 2018 bundesweit die meisten linksextremistisch motivierten Brandstiftungen verübt, die Mehrzahl davon in Leipzig. Ermittlerinnen und Ermittler beklagen demnach in ihrer Analyse auch Schwierigkeiten bei der Aufklärung dieser Taten: Die Täterinnen und Täter verhielten sich in hohem Maße konspirativ und vermieden jegliche Spuren. Telefone würden kaum benutzt. Falls sie doch zum Einsatz kämen, verfügten sie über aktuelle Anonymisierungstechniken.

Sobald sich bei polizeilichen Ermittlungen Anzeichen verdichten, dass eine Gewalttat terroristischen Hintergrund haben könnte, zieht üblicherweise der Generalbundesanwalt in Karlsruhe die Ermittlungen an sich. In Sachsen geschah dies zuletzt nach Auffliegen der rechtsextremistischen Gruppe Freital, die als Bürgerwehr gestartet war und schließlich Sprengstoffanschläge auf Flüchtlinge verübte. Zudem läuft seit 2019 in Dresden der Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen der Gruppe Revolution Chemnitz, angeklagt von der Bundesanwaltschaft.