Mexiko - Heftige Auseinandersetzungen an der Grenze Rund 1.000 Migranten haben den Grenzfluss zwischen Guatemala und Mexiko durchquert. Daraufhin wurden sie von der mexikanischen Nationalgarde mit Tränengas gestoppt. © Foto: Andres Martinez Casares/Reuters

An der Südgrenze Mexikos ist es erneut zu Zusammenstößen von Migrantinnen und Migranten mit Sicherheitskräften gekommen. Nachdem rund 1.000 Flüchtlinge aus Mittelamerika am Donnerstag den Grenzfluss Suchiate überquert und einige Kilometer auf mexikanischer Seite gelaufen waren, versperrten ihnen Soldaten der mexikanischen Nationalgarde den Weg. Hierauf kam es zu Steinwürfen durch Migranten und dem Einsatz von Tränengas durch die Soldaten.

Sicherheitsminister Alfonso Durazo Montaño rechtfertigte den Einsatz. Er sei verantwortungsvoll und kontrolliert erfolgt, sagte Durazo laut El Universal am Donnerstagabend. Sollte es zu einzelnen Verstößen gegen die Menschenrechte gekommen sein, seien dies isolierte Vorgänge, die nicht der vorgegebenen Linie entsprächen. Die Nationale Kommission für Menschenrechte (CNDH) kündigte eine Untersuchung der ersten Zusammenstöße an der Grenze zu Wochenbeginn an.

Bereits am vergangenen Montag hatte es Zusammenstöße gegeben, als rund 500 Menschen das niedrig stehende Wasser des Grenzflusses durchquert hatten. Die meisten wurden festgenommen, einige wenige tauchten in Mexiko unter.

Wie Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard am Dienstag mitteilte, entschieden sich etwa 1.400 Mittelamerikaner, Asyl oder eine andere Aufenthaltsgenehmigung in Mexiko zu beantragen. Weitere rund 1.000 Migranten hätten um eine Rückführung in ihre Heimat gebeten. Der geschäftsführende US-Heimatschutzminister Chad Wolf teilte mit, dass Dutzende Beamte des Ministeriums die Behörden in Mittelamerika unterstützen. Dadurch seien Hunderte Personen festgenommen und in ihre Heimat zurückgeschickt worden. Sollten Flüchtlinge die US-Grenze erreichen, würden sie schnell "entfernt".

Die Flüchtlinge gehörten zum Großteil einer Gruppe von 3.500 Menschen an, die vergangene Woche aus Honduras aufgebrochen war, um vor Gewalt und Armut zu fliehen. Gemäß einer Vereinbarung mit den USA verwehrt Mexiko jedoch Migranten die Durchreise zur US-Grenze.

Mexikos Präsident will bessere Behandlung von Migranten

Zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 waren mehrere Flüchtlingsgruppen bis zur Südgrenze der USA gelangt. US-Präsident Donald Trump nutzte das Thema vor den Kongresswahlen 2018, um seine Anhängerinnen und Anhänger zu mobilisieren. Er will die illegale Einwanderung in die USA unter anderem durch eine Mauer an der Grenze mit Mexiko stoppen. So drohte er dem südlichen Nachbarland mit Strafzöllen, wenn es nicht mehr unternehme, um die Migration einzudämmen. Daraufhin kam es im vergangenen Juni zu einer Vereinbarung der beiden Staaten, wonach Mexiko Tausende Soldaten seiner Nationalgarde an den Grenzen einsetzte. Die Zahl der illegalen Grenzübertritte in die USA sank seitdem deutlich.

Später unterschrieben die USA auch mit den Ländern des "Nördlichen Dreiecks" Mittelamerikas – Guatemala, Honduras und El Salvador – Migrationsabkommen. Demnach können Migranten, die die USA erreichen, in diese Länder zurückgeschickt werden, wenn sie sie auf ihrem Weg nach Norden betreten, dort aber kein Asyl beantragt haben. Der Großteil derjenigen, die in den USA beim illegalen Übertritt der Grenze mit Mexiko festgesetzt werden, stammt aus diesen Ländern, die zu den Staaten mit den weltweit höchsten Gewaltraten gehören.

Mexikos linkspopulistischer Präsident Andrés Manuel López Obrador, der seit Dezember 2018 regiert, hatte im Wahlkampf eine bessere Behandlung von Migranten versprochen. Seine Regierung will mit Investitionen in die Länder des "Nördlichen Dreiecks" Arbeitsplätze schaffen und damit die Fluchtursachen bekämpfen. Kritiker meinen allerdings, dass sich durch die Umsetzung der Vereinbarung mit den USA Mexiko selbst in Trumps Mauer verwandele.