Die Missbrauchsfälle von Lügde und Bergisch Gladbach in Nordrhein-Westfalen hängen mehreren Medienberichten zufolge möglicherweise zusammen. Familienangehörige eines Beschuldigten aus Bergisch Gladbach hätten jahrelang Stellplätze auf einem Campingplatz besessen, der in Lügde im Zentrum der Ermittlungen steht, berichteten die Sender WDR und RTL unter Berufung auf Ermittlerkreise. Auf den möglichen Zusammenhang wiesen demnach Zeugenaussagen hin.

Dem WDR-Bericht zufolge hatte der Großvater des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach von Mitte der Achtziger- bis Mitte der Neunzigerjahre einen Stellplatz im ostwestfälischen Lügde gepachtet. Er soll zudem früher selbst wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein, habe es aus Ermittlerkreisen geheißen. Auch ein Cousin des Beschuldigten habe zwischen 2005 und 2009 in Lügde einen Campingwagen genutzt. Diesen habe er später an den inzwischen verurteilten Haupttäter von Lügde verkauft.

Nordrhein-Westfalen - Aufklärung nach Missbrauchsfällen Laut NRW-Innenminister gibt es bisher keinen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen in Lüdge und Bergisch Gladbach. Man sehe aber erst die „Spitze des Eisbergs“. © Foto: Reuters TV

Konkrete Hinweise auf eine Kooperation der Täter in den beiden Fällen gibt es den Berichten zufolge bislang nicht. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, kennt die Ermittlungskommission den Zusammenhang schon seit geraumer Zeit. Einiges spreche demnach für einen Zufall. Noch sei aber nicht komplett ausgeschlossen, dass die Fälle verbunden sind. Der Kölner Stadtanzeiger berichtete zudem, dass der Großvater des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach bestreite, dass er die Täter von Lügde auf dem Campingplatz persönlich kennengelernt habe.

Der Fall Lügde gilt als einer der größten bekannten Missbrauchsfälle in Deutschland. Im September waren zwei Männer zu hohen Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie hatten Kinder und Jugendliche in mehreren hundert Fällen auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen sexuell missbraucht und das teilweise gefilmt.

Der massenhafte Missbrauch von Kindern in Bergisch Gladbach war durch Mitglieder eines Chatnetzwerkes aufgedeckt worden. Mit der Festnahme eines Verdächtigen im Oktober hatten die Ermittlungen begonnen, inzwischen gab es in dem Fall zehn Festnahmen.