Das im Iran abgestürzte ukrainische Passagierflugzeug hat unmittelbar vor dem Unglück gebrannt. Das geht aus einem vorläufigen Bericht der iranischen Luftverkehrsbehörde hervor. Darin wird auf entsprechende Aussagen von Augenzeugen am Boden verwiesen. Außerdem hätten das Feuer Augenzeugen in einem anderen Flugzeug gesehen, das in großer Höhe in der Nähe der Unglücksmaschine unterwegs gewesen sei.

Der Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami sieht durch diese Angaben die ursprüngliche These der Behörden bestätigt, wonach ein technischer Defekt der Grund für den Absturz ist. "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen und dies führte zum Absturz", sagte er der Nachrichtenagentur Isna. Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder eine Terroroperation seien alle falsch, so der Minister. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami nicht.

Die Ukraine hingegen schließt einen Treffer durch eine Rakete zumindest nicht aus. Olexij Danilow vom ukrainischen Sicherheitsrat sagte ukrainischen Medien, die Beamten hätten mehrere Arbeitshypothesen für den Crash, darunter einen Raketenangriff. "Ein Angriff mit einer Rakete, möglicherweise einem Tor-Raketensystem, ist unter den wichtigsten (Theorien), da im Internet Informationen zu Teilen einer Rakete aufgetaucht sind, die in der Nähe der Absturzstelle gefunden wurden", sagte er. Ukrainische Ermittler, die im Iran eingetroffen seien, warteten noch auf eine Genehmigung iranischer Behörden, die Absturzstelle zu untersuchen und nach Raketenteilen zu suchen, sagte er. 

Tor ist ein in Russland gefertigtes Raketensystem. Russland lieferte dem Iran 2007 insgesamt 29 Geräte vom Typ Tor-M1. Sie waren Bestandteil eines 2005 unterzeichneten Vertrags.

Die Maschine von Ukraine International Airlines war am vergangenen Mittwoch kurz nach dem Abflug aus etwa 2.400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand abgestürzt. Sie war auf dem Weg vom Imam-Chomeini-Flughafen in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Nach Angaben beider Länder saßen 176 Menschen in dem Flieger, alle Insassen kamen ums Leben.

Dem Bericht der iranischen Ermittler zufolge hatte die Maschine vor dem Absturz ein technisches Problem – einen Notruf setzte die Crew allerdings nicht ab. Es habe keine Funkverbindung mit dem Piloten gegeben, die auf eine ungewöhnliche Situation hingedeutet hätte, heißt es. Am Ende habe die Besatzung versucht, das Flugzeug zurück zum Flughafen zu steuern.

Selenskyj warnt vor Spekulationen

Weiteren Aufschluss über die Absturzursache versprechen sich die Ermittler von den Daten des Flugschreibers und des Voice Recorders, der Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Diese, so gab die Luftverkehrsbehörde bekannt, seien in ihrem Besitz. Die Geräte seien aber beschädigt.

An der Untersuchung der Unglücksursache beteiligen sich auch Spezialisten aus der Ukraine. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj sollen sie zur Absturzstelle fliegen und sich dort ein eigenes Bild der Lage machen. Selenskyj hatte ebenfalls vor Spekulationen gewarnt. Ungeprüfte Informationen sollten nicht weitergegeben werden, sagte er.