Die US-Streitkräfte haben 2019 so viele Angriffe in Afghanistan geflogen wie nie zuvor im vergangenen Jahrzehnt. Die US-Luftwaffe warf nach eigenen Angaben insgesamt 7.423 Bomben auf Ziele in dem Land ab. Die Zahl liegt auch deutlich höher als während der Afghanistan-Offensive unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2009. Damals setzte die Luftwaffe 4.147 Bomben ein.

Die Angriffe haben den Angaben zufolge seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten deutlich zugenommen. Frühere Beschränkungen für Angriffe, durch die zivile Opfer in Afghanistan verhindert werden sollten, hat das Weiße Haus aufgehoben.

In der Folge stieg die Zahl der Zivilisten, die bei Angriffen der USA und ihrer Verbündeten getötet wurden, an. 717 Zivilistinnen und Zivilisten starben allein im ersten Halbjahr 2019 bei den Angriffen. Das bedeutet einen Anstieg um 31 Prozent im Vorjahresvergleich.

Die USA und die radikalislamische Miliz der Taliban verhandeln derzeit über einen möglichen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Im Gegenzug verlangen die USA eine Garantie von den Taliban, die Gewalt zu beenden und keinerlei terroristischen Gruppen Schutz und Zuflucht zu bieten.

Die Taliban hatten der US-Regierung zuletzt nach eigenen Angaben eine kurze Waffenruhe vorgeschlagen. Die Gewalt im Land hält allerdings an. Bei einem Überfall der Taliban in Nordafghanistan wurden zu Wochenbeginn mindestens zwölf Polizisten getötet. Mindestens sechs weitere seien bei dem Angriff auf eine Polizeistation in der Provinzhauptstadt Pol-e Chomri verletzt worden, sagte der Provinzrat Samiuddin Nasir am Dienstag. Die Polizeikräfte hätten stundenlang gekämpft, angeforderte Verstärkung sei aber nicht eingetroffen.

Die Sicherheitssituation in der Provinz Baghlan hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Mehrere Gebiete seien davon bedroht, von den Islamisten erobert zu werden, sagten lokale Behördenvertreter.