Angesichts erstarkenden Antisemitismus' hat der Zentralrat der Juden die Menschen in Deutschland zum Einsatz für jüdisches Leben aufgerufen. In Deutschland und Europa gebe es eine "Explosion des Antisemitismus", kritisierte der Vizevorsitzende des Zentralrats, Abraham Lehrer. Vielen Deutschen seien die Juden hierzulande fremd. Mit einem Aktionsjahr 2021 soll das jüdische Leben in Deutschland wieder sichtbar werden.   

"Nur ganz wenige wissen, was Juden sind und was jüdisches Leben ist", sagte Lehrer. Der Vizevorsitzende des Zentralrats bemängelte Unwissenheit, Desinteresse, Vorbehalte und handfeste Anfeindungen, denen Jüdinnen und Juden ausgesetzt seien. Zwar gebe es keine Auswanderungswelle, "aber dass jüdische Menschen ab und zu darüber nachdenken, ist klar", sagte Lehrer.

Das bundesweite Aktionsjahr solle zeigen, was jüdisches Leben ausmache, und dazu beitragen, dass dieses Leben auch in Zukunft möglich sei. Man könne und wolle die Schoah nicht vergessen, aber den Blick darüber hinaus richten: "Was ist der kulturelle, was ist der Wissenschaftsbeitrag, was ist der religiöse Beitrag, den jüdische Menschen für dieses Land geleistet haben", fügte der Lehrer an.

Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland soll sichtbar werden

Die Veranstalter wollen nach eigenen Angaben die Vielfalt des modernen, jüdischen Lebens sichtbar machen und Berührungsängste abbauen. "Wer etwas kennt, ist weniger empfänglich für Gerüchte und Vorurteile, für Verschwörungstheorien und Hass", sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Weit verbreiteten Zerrbildern solle eine klare Botschaft entgegengestellt werden.

"Die Juden sind auch Deutschland", sagte Klein. Die Geschichte der Juden sei auch in Europa verortet und mit Deutschland fest verbunden. Die Gesellschaft in Deutschland brauche jetzt eine neue gesellschaftliche Solidarität mit Jüdinnen und Juden – und zwar nicht nur auf politischer Ebene, sondern "tief hinein in Gruppen, Vereine und bürgerschaftlichen Organisationen".

Die jüdische Gemeinde in Deutschland umfasst rund 100.000 Mitglieder. Anlass für das Aktionsjahr 2021 ist die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland vor 1.700 Jahren: Im Jahr 321 wies Kaiser Konstantin die Kölner in einem Edikt an, Juden im Stadtrat zuzulassen.