Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke (SPD), hat den Angehörigen der Opfer von Hanau schnelle finanzielle Hilfe zugesichert. "Aus dem Fonds für Härteleistungen können innerhalb von zwei Wochen Soforthilfen ausgezahlt werden", sagte Franke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das seien für Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten 30.000 Euro, für Geschwister 15.000 Euro.

"Das kann das schreckliche Leid des Verlusts der eigenen Eltern oder Kinder nicht lindern", so Franke. Aber zumindest sei es eine Hilfe für die nötigsten Dinge, die in diesem Moment wichtig seien. Franke warnte vor einer zu starken Fixierung der öffentlichen Debatte auf den mutmaßlichen Täter: "Es geht darum, die Perspektive der Opfer einzunehmen und nicht immer nur die des Täters."

Die hessische Landesregierung hat einen zentralen und persönlichen Ansprechpartner für die Opfer und deren Angehörige bestimmt. Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn werde sich vor allem um die persönlichen Anliegen der Betroffenen kümmern und den Kontakt mit den zuständigen Behörden koordinieren, kündigten Ministerpräsident Volker Bouffier und Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (beide CDU) in Wiesbaden an.

Schnelle und unbürokratische Hilfe

Nach der Bluttat sei es für die Opfer und deren Angehörige besonders wichtig, schnell und unbürokratisch Hilfe zu bekommen, betonten die beiden Politiker. Fünfsinn stehe auch in engem Austausch mit den Opferbeauftragten der Stadt Hanau sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland.

Der mutmaßliche Attentäter Tobias R. hatte am Mittwochabend in Hanau aus mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Motiven neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Während seiner Fahrt durch Hanau soll er zwei der Opfer in ihren Autos erschossen haben. Das sagten Behördenvertreter in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages, berichteten die Teilnehmer. Demnach erfuhren die Teilnehmer der Besprechung auch, dass der Attentäter bis 2018 in München zur Untermiete wohnte. Weiter sei ihnen mitgeteilt worden, Tobias R. sei zuletzt arbeitslos gewesen, habe wenig soziale Kontakte gehabt und bei seinen Eltern gewohnt. Dort sollen zwei Schusswaffen gefunden worden sein, eine Sig Sauer und eine Walther-Kleinkaliberwaffe. Der Vater von Tobias R. habe bislang nicht vernommen werden können. Wann genau die Mutter erschossen wurde, sei noch nicht geklärt.

Hanau - "Das kann jetzt überall passieren" Einen Tag nach dem Attentat von Hanau haben wir Stimmen in einer Shisha-Bar und von einer Demonstration gegen rechte Gewalt gesammelt. Ein Beitrag aus dem Videoarchiv © Foto: Sven Wolters / ZEIT Online

Der 43 Jahre alte Deutsche hatte im hessischen Hanau Bars angesteuert und neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze soll nach Erkenntnissen der Polizei auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst getötet haben. Tobias R. hatte im Internet wirre Gedanken, Verschwörungstheorien sowie rassistische Ansichten geäußert.