Orkantief Sabine - Sturm erreicht Deutschland Deutschland ist am Sonntag und Montag von Orkantief Sabine betroffen. Im Flug- und Bahnverkehr gibt es Ausfälle. Große Städte in NRW lassen den Schulunterricht ausfallen. © Foto: Fabian Bimmer/Reuters

Die Deutsche Bahn will am Sonntag den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs Sabine nach und nach bundesweit einstellen. Man habe sich entschieden, "beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen", teilte der Konzern mit. Am Sonntagvormittag war bereits der Fernverkehr zur Nordseeküste in Niedersachsen unterbrochen worden. Betroffene sollen im Rahmen ihrer Fahrgastrechte Hotelgutscheine und Taxigutscheine erhalten. In größeren Bahnhöfen sollen zudem sogenannte Übernachtungszüge bereitgestellt werden, sagte ein Sprecher.

In Nordrhein-Westfalen fahren nach Angaben der Bahn auch keine Regionalzüge mehr. In anderen Bundesländern gebe es ebenfalls erhebliche Behinderungen im Regionalverkehr. Mehrere Strecken seien gesperrt worden und verminderte Höchstgeschwindigkeiten führten zu längeren Fahrzeiten, teilte die Bahn mit. Der Schwerpunkt der Störungen liege im Nordwesten und Westen Deutschlands.

Zuvor hatte die Bahn mitgeteilt, sich auf das Sturmtief vorbereitet zu haben. "Wir haben alle Bereitschaften mobilisiert und in jeder Region doppelt verstärkt", hatte ein Sprecher gesagt. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen.

Am Sonntagnachmittag hatte Sabine die norddeutsche Küste erreicht. Verbreitet wurden Sturmböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde und einzelne Orkanböen bis zu 110 Kilometern pro Stunde erreicht, sagte Felix Herz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bis zum Abend sollte sich der Sturm bis auf das Festland schieben.

Der DWD hat für weite Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterwarnstufe herausgegeben. In Teilen des Schwarzwaldes gilt sogar die höchste der insgesamt vier Warnstufen.

Das Sturmtief werde die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen, teilte der DWD mit. Auf den Straßen sei dann Vorsicht geboten. Begleitet werde der befürchtete Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern, hieß es. In der Nacht zum Montag werden Windgeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde erwartet. Sabine ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie Kyrill (2007) oder Lothar (1999) werde Sabine allerdings nicht.

Flughäfen und Fähren

Die Airline Eurowings hat fast alle Flüge für die Dauer des Sturmtiefs abgesagt. Man streiche die Verbindungen von den Flughäfen Hamburg, Berlin, Hannover, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Stuttgart, teilte die Lufthansa-Tochter mit. Lediglich von München und Stuttgart aus gebe es noch vereinzelt Flüge. Fluggäste könnten ihre Buchungen kostenfrei umbuchen. Eurowings strebt an, den Flugbetrieb am Montag wieder aufzunehmen.

Am Berliner Flughafen Tegel sind einige Abflüge gestrichen worden. Betroffen sind unter anderem Verbindungen am Sonntagnachmittag und Abend nach London, Brüssel, Düsseldorf und Köln/Bonn, wie der Flughafen mitteilte. Fluggäste werden gebeten, sich bei den Fluggesellschaften und auf der Website der Berliner Flughäfen zu informieren. Abhängig von der Windstärke würden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. "Ab 45 Knoten muss alles fest angebunden werden, beispielsweise Treppen zu den Flugzeugen und Container."

Am Flughafen in Frankfurt wurden laut Fraport rund 100 Starts und Landungen annulliert. Das sind etwa acht Prozent der geplanten 1.200 Flüge. Die Zahl der Flugausfälle dürfte am Sonntagnachmittag aber steigen, wenn Orkanböen in der Stadt erwartet würden. Passagier wurden gebeten, ausreichend Zeit für die Anreise einzuplanen und sich möglichst früh vor Abflug am Check-in-Schalter einzufinden.

Am Flughafen in München sind durch das Orkantief bereits rund 80 Starts und Landungen ausgefallen. Die gestrichenen Abflüge seien meist mit Flugrichtung nach Norden geplant gewesen, sagte ein Sprecher. Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Flughafenbetriebs sagte er: "Es wird definitiv Ausfälle und Verspätungen geben." Da ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit Arbeiten auf dem Flugfeld eingestellt werden müssen, könnte der Betrieb dort durch den Sturm zeitweise zum Erliegen kommen.

Auch von Düsseldorf und Köln/Bonn sind etliche Flüge annulliert worden. Beide Standorte forderten ihre Passagiere am Sonntag auf, sich bei ihren Airlines darüber zu informieren, ob ihr Flug planmäßig abhebe. 

Auch etliche Fährverbindungen zu den Nordseeinseln wurden eingestellt.

Orkantief Sabine - Bahn ist auf Sturm vorbereitet Mit mobilen Räumtrupps bereitet sich die Bahn auf mögliche Schäden durch Orkantief Sabine vor. Sie empfiehlt Reisenden, auf Fahrten am Sonntag und Montag zu verzichten. © Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Kitas und Schulen

In Köln bleiben am Montag alle 260 städtischen Schulen und die 226 städtischen Kindergärten geschlossen. Auch den Kitas in freier Trägerschaft empfahl die Stadt, die Einrichtungen vorsichtshalber nicht zu öffnen. In Aachen bleiben die Schulen am Montag ebenfalls zu.

Sportveranstaltungen

Das ausverkaufte Bundesliga-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, das am Sonntag um 15.30 Uhr stattfinden sollte, wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. "Wir hatten um 5.45 eine Telefonkonferenz mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Deutschen Wetterdienst und haben dann nach intensiven Beratungen uns dagegen entschieden, noch länger zu warten und das Spiel in Abstimmung mit der Deutschen Fußball Liga abgesagt", sagte Borussias Mediendirektor Markus Aretz. "Während der Spielzeit wäre es wahrscheinlich ruhig geblieben, aber bei der Abreise der vielen Besucher bestand dann halt Gefahr."

Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. Sabine sorgte am Sonntag dann für weitere Absagen von Fußballspielen: So wurde auch die für 14 Uhr angesetzte Nachholpartie der Frauenbundesliga zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln gestrichen. Darüber hinaus reagierte auch der Fußballverband Niederrhein auf die Warnungen. Der zuständige Ausschuss sagte alle Partien auf Verbands- und Kreisebene ab. Auch ein Bundesliga-Gastspiel im Basketball, Bonn gegen Ulm, fällt aus.

Großbritannien und Irland

Das Orkantief, das in anderen europäischen Ländern nicht Sabine, sondern Ciara heißt, hat auch dort zu ersten Schäden, Ausfällen und Verzögerungen im Bahn- und Flugverkehr geführt. In Großbritannien und Irland fegte es mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde über das Land. Der britische Wetterdienst warnte vor umherfliegenden Trümmerteilen und Gefahr durch hohe Wellen. Drei Menschen wurden verletzt, als im schottischen Perth am Samstagabend das Dach eines Pubs einstürzte. Etwa 10.000 Haushalte hatten keinen Strom. In Irland kam es zu Überschwemmungen, wie der irische Rundfunk RTÉ berichtete.

Zahlreiche Zugverbindungen und Flüge im ganzen Land wurden gestrichen. Die britische Eisenbahngesellschaft riet Fahrgästen wegen des Sturms von nicht unaufschiebbaren Zugreisen vorerst ab. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Die britische Fluggesellschaft British Airways bot Reisenden von oder nach den Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick oder London City an, ihre Flüge umzubuchen. Auch die Fluggesellschaft Virgin Atlantic setzte mehrere Flüge von Heathrow aus.

Queen Elizabeth II. sagte am Sonntag ihren Kirchgang im ostenglischen Sandringham aus Sicherheitsgründen ab, wie eine Sprecherin des Buckingham-Palasts sagte. Sie betonte aber, es sei in erster Linie um die Sicherheit der Schaulustigen gegangen – diese sammeln sich stets vor der Kirche, um die Königin zu sehen.

Mehrere Veranstaltungen wurden ebenfalls abgesagt. In London fiel etwa ein Zehnkilometerlauf mit erwarteten 25.000 Teilnehmern aus, zahlreiche Parks wurden geschlossen. In der westirischen Stadt Galway wurde eine Veranstaltung zur europäischen Kulturhauptstadt 2020 bereits am Samstagabend abgesagt.

Frankreich

In Frankreich erwarteten die Wetterdienste, dass vor allem der Norden und der Nordwesten des Landes vor starken Böen erfasst würden. In den Vogesen wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde erwartet. Die Behörden rieten davon ab, in Wälder zu gehen und Autos unter Bäumen zu parken.

Niederlande

Auch am Amsterdamer Flughafen Schiphol – einem von Europas größten Flughäfen – kam es zu Unterbrechungen des normalen Betriebs. Dort wurden Windstärken von bis zu 100 Kilometern pro Stunde gemessen. Diese dürften sich am Sonntagnachmittag auf bis zu 140 Kilometer in der Stunde erhöhen. Die Behörden empfahlen den Menschen, wegen der Gefahr von Überflutungen und herabstürzenden Ästen ihre Häuser nicht zu verlassen. Profifußballspiele und die meisten Sportveranstaltungen unter freiem Himmel in den Niederlanden finden nicht statt.