In Österreich ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen eines Corona-Infektionsfalls im Wintersportort Ischgl. Dort soll ein Gastronom den positiven Test einer Mitarbeiterin nicht den Gesundheitsbehörden gemeldet und so die Ausbreitung der Pandemie mitverantwortet haben. Wie die Nachrichtenagentur APA berichtet, gehen die Ermittler dem Verdacht der fahrlässigen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten nach.

Auslöser der Ermittlungen ist ein Bericht des ZDF. Demnach war der Infektionsfall bereits Ende Februar bekannt geworden. Der Lokalbetreiber meldete demnach aber weder den positiven Fall noch dessen Kontaktpersonen an die Gesundheitsbehörden. Laut der APA leitete das Land Tirol inzwischen eine Anfrage des ZDF an die Gemeinde Ischgl zu dem Fall an die Staatsanwaltschaft Innsbruck weiter.

Um welchen Betrieb es sich handelt und ob tatsächlich Meldepflichten verletzt wurden, sei unklar, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie habe deshalb das Landeskriminalamt mit den Ermittlungen beauftragt. Ein Verstoß gegen eine Meldepflicht könnte strafrechtlich relevant sein, "wenn der Verstoß geeignet war, eine Ansteckungsgefahr herbeizuführen", hieß es.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, könne noch etwas Zeit vergehen, bis erste Ergebnisse vorlägen. Die Ermittlungen vor Ort gestalteten sich aufgrund der Corona-Krise "etwas schwierig", sagte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr der APA.

Landesregierung will unabhängige Expertenkommission

In den vergangenen Tagen waren Tirol und insbesondere die Tourismusbranche vor Ort massiv in die Kritik geraten. So soll der Skibetrieb nicht schnell genug gestoppt worden sein und so die Ausbreitung des Coronavirus verstärkt haben. Am 13. März wurde dann über Ischgl und weiteren Orten in Tirol eine Quarantäne verhängt. In der Folge kam es zu chaotischen Zuständen bei der fluchtartigen Abreise zahlreicher internationaler Gäste. Erst am 15. März fand die Skisaison dann ihr vorzeitiges Ende.

Der Tiroler Landeschef Günther Platter (ÖVP) hatte betont, Regierung und Behörden hätten das Menschenmögliche getan, um die Bevölkerung zu schützen. In so einer Lage würden aber alle Beteiligten auch stets dazulernen. Inzwischen einigte sich die Tiroler Landesregierung aus ÖVP und Grünen auf eine unabhängige Expertenkommission. So sollten alle Vorwürfe transparent aufgearbeitet werden, zitiert die APA den Tiroler ÖVP-Fraktionschef Jakob Wolf.

In Österreich gibt es laut der Statistiken der Johns-Hopkins-Universität – dort werden alle offiziell gemeldeten Infektionsfälle weltweit zusammengetragen – fast 4.800 bestätigte Infektionen, 25 Menschen starben an den Folgen der Erkrankung. Bundeskanzler Sebastian Kurz dämpfte die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Pandemie. "Wir werden nach Ostern in einer Phase sein, die der heutigen mehr ähnelt als dem Normalzustand", sagte Kurz laut APA bei einer Pressekonferenz in Wien. Über eine mögliche Beibehaltung der Ausgangsbeschränkungen und sonstige Maßnahmen wie Schulschließungen werde die Regierung erst Ende der Woche entscheiden. Ziel sei es grundsätzlich, die Maßnahmen ab 14. April schrittweise wieder zurückzunehmen. "Die Betonung liegt auf Ziel und auf schrittweise", unterstrich Kurz.