Papst Franziskus hat den Rücktritt von Kardinal Philippe Barbarin angenommen. Das teilten der Vatikan und die Erzdiözese in Lyon mit. Barbarin war der höchste katholische Kleriker in Frankreich. Ein Priester seines Bistums hatte jahrelang Jungen in seiner Obhut sexuell missbraucht. In einer von der Erzdiözese veröffentlichten Videobotschaft sagte Barbarin, die vergangenen vier Jahre seien "sehr schmerzhaft" gewesen.

In seiner Erklärung sprach Barbarin von den "schrecklichen Taten" des Priesters und dem "großen Leid, das vor allem die Opfer getragen haben". Mit seinem Rücktritt wolle er der Kirche ermöglichen, "ein neues Kapitel aufzuschlagen". Er hoffe, sein Nachfolger könne "eine neue Ära" in dem Bistum einleiten. Die Nachfolge soll binnen zwei bis vier Monaten geregelt werden. Barbarin war 2002 zum Erzbischof von Lyon ernannt worden.

Barbarin war im März 2019 zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden, weil er den Missbrauchsvorwürfen gegen den inzwischen abberufenen Priester Bernard Preynat nicht nachgegangen war. Preynat selbst, der gestand, als Leiter von Pfadfindergruppen und Ferienlagern zeitweise "vier bis fünf Kinder pro Woche" missbraucht zu haben, drohen mindestens acht Jahre Haft. 

Nachdem Barbarin dann Ende Januar in zweiter Instanz freigesprochen wurde, reichte er beim Papst seinen Rücktritt ein. Nach eigener Aussage sah Barbarin für sich keine Perspektive an der Spitze der Erzdiözese. Preynats Opfer hatten sich über den Freispruch Barbarins "sehr enttäuscht" gezeigt. Sie werfen ihm vor, schon 2002 als neuer Erzbischof von den Übergriffen gewusst zu haben. Sie waren erst 2015 durch die Aussage eines der Betroffenen öffentlich geworden. Der Kardinal hatte in dem Prozess persönliche "Irrtümer" eingestanden, aber keine Schuld im juristischen Sinne.

Barbarin wird nun Mitte Mai bei einer Abschiedsmesse in Lyon verabschiedet werden. Vor Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Preynat war er beliebt und galt zwischenzeitlich als möglicher Kandidat für das höchste Kirchenamt. Der aktuelle Amtsinhaber Franziskus sieht im Kampf gegen sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche eine Priorität seiner Amtsführung. Im Dezember verbot er Klerikern, sich bei Fällen von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen auf Geheimhaltung zu berufen.