Für den Bau einer Bombe mit dem biologischen Kampfstoff Rizin in Köln ist ein 31-jähriger Islamist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den Tunesier Sief Allah H. der Herstellung einer biologischen Waffe und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat schuldig. Mit dem Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Bundesanwaltschaft. Sie hatte zehn Jahre gefordert, die Verteidiger eine Strafe von maximal acht Jahren.

Der Mann hatte den Bau einer Bombe zugegeben, aber bestritten, einen Anschlag geplant zu haben.

Zuvor war das Verfahren gegen die deutsche Ehefrau von H. abgetrennt worden. Das Gericht warf ihren Verteidigern Prozessverschleppung vor. Die Angeklagte hatte eine 140 Seiten starke Aussage angekündigt. Das Paar soll gemeinsam an der Bombe gebaut haben, festgenommen wurde es im Juni 2018. 

Gift an einem Hamster ausprobiert

"Zum ersten Mal standen Angeklagte in Deutschland vor Gericht, die einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff vorbereitet haben", sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft. Der 31-Jährige habe im dicht besiedelten Köln-Chorweiler und in der Nähe seiner eigenen Kinder einen Anschlag mit einer biologischen Waffe vorbereitet.

Der Tunesier habe das Gift an einem Hamster ausprobiert und Testsprengungen auf einer Grünfläche unternommen. Er habe einen Treueeid auf den damaligen IS-Anführer geleistet und sich von IS-Hintermännern beim Bau der Bombe anleiten lassen. Zuvor habe er vergeblich versucht, sich in Syrien am Dschihad zu beteiligen. Das Ehepaar habe Tausende Rizinussamen gekauft und daraus das hochgiftige Rizin gewonnen.

Außerdem hätten sie 250 Stahlkugeln beschafft und Sprengstoff hergestellt. Diverse Zünder seien im Bau gewesen, als die Polizei zugriff. Die Anschlagsvorbereitungen seien weit fortgeschritten gewesen. Die Streubombe hätte eine möglichst große Zahl Menschen in einem geschlossenen Raum töten sollen, so die Bundesanwaltschaft.

Es wäre der erste Anschlag mit einer ABC-Waffe gewesen

Der nun Verurteilte hatte zuvor die Bombenbau-Aktivitäten zugegeben, aber bestritten, einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Er habe sich lediglich Fertigkeiten für seine geplante Zeit beim IS aneignen wollen. Inzwischen lehne er alle terroristischen Gruppen ab, sagte er, bemerkte aber zugleich: "Der Dschihad ist nicht barbarisch, er ist im Islam eine Pflicht." Seine Verteidiger räumten ein: "Er hat sich sicherlich schuldig gemacht, das streiten wir nicht ab."

Ein ausländischer Geheimdienst hatte den deutschen Ermittlern einen Hinweis gegeben. Der Dienst hatte wegen der Onlinekäufe der großen Mengen Rizinus Verdacht geschöpft. Das Bundesamt für Verfassungsschutz liegt nicht weit von den Wohnungen des Paares entfernt, in denen die Utensilien entdeckt wurden. Es wäre der erste Terroranschlag mit einer sogenannten ABC-Waffe in Deutschland gewesen.