Die durch den Großbrand im Flüchtlingslager Moria obdachlos gewordenen Migranten sollen zunächst auf Schiffen unterkommen. Das kündigte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis nach einem Besuch vor Ort an. Mitarakis war auf die Insel Lesbos gereist, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen.
In der Nacht war das Flüchtlingslager in Flammen aufgegangen und ist dabei vollständig zerstört worden – mehr als 12.000 Menschen haben nun keine Unterkunft mehr. Sie waren vor den Flammen geflohen und wurden inzwischen von der Polizei außerhalb von Ortschaften versammelt.
Die Flüchtlinge werden nun von zwei Landungsschiffen der Kriegsmarine aufgenommen, eine griechische Reederei stellte zusätzlich ein Schiff bereit. Die 400 noch im Lager verbliebenen unbegleiteten Minderjährige sollen Mitarakis zufolge noch am Abend aufs Festland gebracht werden.
Griechische Regierung vermutet Brandstiftung
Die Regierung in Athen geht davon aus, dass einige Migranten die Brände selbst gelegt haben. Zuvor war es zu Unruhen in dem Lager gekommen. Einige Flüchtlinge protestierten gegen die Quarantäneauflagen, nachdem in dem Lager erstmals eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt worden war. Inzwischen wurden 35 Migranten positiv getestet.
Nach Angaben der griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA wollten einige Menschen das Lager verlassen, um sich nicht anzustecken. Einige Infizierte und ihre Kontaktpersonen sollen sich hingegen geweigert haben, das Lager zu verlassen und in Isolation zu gehen.
Im Anschluss an den Ortsbesuch warnte Mitarakis die Migranten vor einer weiteren Missachtung des Gesetzes. "Das werden wir nicht dulden", sagte er.
Moria galt in den vergangenen Jahren als Negativbeispiel für die Grenzpolitik der EU. Das für höchstens 3.000 Einwohner ausgelegte Lager war seit Langem völlig überfüllt. Wegen der hygienischen Zustände vor Ort und der mangelnden Versorgung kam es immer wieder zu Unruhen und Bränden. Hilfsorganisationen warnten mehrmals, dass die Situation eskalieren könnte.
"Moria war ein Schandfleck"
"Moria war menschenunwürdig: vielfach überbelegt, die sanitären Anlagen inakzeptabel, die Unterbringung von Menschen nicht hinnehmbar", sagte Frank Remus, Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Deutschland. "Und es gibt auf anderen Inseln noch andere Camps." Diese seien zwar kleiner, aber "mit den gleichen unerträglichen Bedingungen". Das Lager sei immer noch in europäischer Verantwortung. "Eine schnelle Umverteilung und Asylprüfung kann jetzt in dieser Notlage die einzige Antwort sein", sagte Remus. Diese hätte eigentlich schon vor Jahren kommen müssen. "Viele Flüchtlingscamps auf der Erde sind kaum zumutbar. Aber Moria war ein Schandfleck, und das in Europa."
Hilfsorganisationen und zahlreiche Politiker fordern eine schnelle Aufnahme der obdachlos gewordenen Flüchtlinge in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Nordrhein-Westfalen hat sich inzwischen bereit erklärt, bis zu 1.000 Menschen aufzunehmen.
Der Migrationssprecher der Grünen im Europaparlament, Erik Marquardt, forderte indes von der Bundesregierung insgesamt eine Vorreiterrolle bei der Aufnahme. "Wann, wenn nicht jetzt, soll denn gehandelt werden?", fragte er. Das Aussuchen einzelner Gruppen für die Aufnahme sei unzulässig, die Menschenwürde gelte für alle, sagte Marquardt mit Blick auf die Gruppe der unbegleiteten Minderjährigen, die die Insel nun verlassen dürfen. Auch der Co-Vorsitzende der Grünen Robert Habeck hatte gefordert, Menschen "in größeren Kontingenten" aufzunehmen. SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken forderte ebenfalls eine rasche Aufnahme.
Die durch den Großbrand im Flüchtlingslager Moria obdachlos gewordenen Migranten sollen zunächst auf Schiffen unterkommen. Das kündigte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis nach einem Besuch vor Ort an. Mitarakis war auf die Insel Lesbos gereist, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen.
In der Nacht war das Flüchtlingslager in Flammen aufgegangen und ist dabei vollständig zerstört worden – mehr als 12.000 Menschen haben nun keine Unterkunft mehr. Sie waren vor den Flammen geflohen und wurden inzwischen von der Polizei außerhalb von Ortschaften versammelt.