Die italienischen Behörden haben das Seenotrettungsschiff Ocean Viking nach fünf Monaten im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien wieder freigegeben. Die Festsetzung des Schiffs sei nach der dritten Inspektion durch die italienische Küstenwache beendet worden, teilte die betreibende Organisation SOS Méditerranée mit. Demnach wurde die Ocean Viking von den Behörden als konform mit den Schiffssicherheitsvorschriften eingestuft. Damit könne man endlich wieder Rettungseinsätze im Mittelmeer unternehmen, teilte die NGO mit.
Am 22. Juli hatten die Behörden das Schiff mit der Forderung festgehalten, es umfassend nachzurüsten. Daraufhin hatten die Retterinnen und Retter im Hafen der sizilianischen Stadt Augusta die geforderten Veränderungen an der Ocean Viking vorgenommen. Demnach gibt es nun zum Beispiel mehr Notfallrettungsinseln auf dem Schiff.
Laut den italienischen Behörden verstieß die Ocean Viking bei ihrer Festsetzung gegen die Sicherheitsbestimmungen. So sei sie nicht dauerhaft für die Beförderung einer großen Zahl von Menschen ausgelegt gewesen. Nach Ansicht der Hilfsorganisation ist dies aber auch nicht nötig, weil das Schiff nur kurzfristig viele Menschen an Bord habe, je nachdem, wann es auf wie viele Schiffbrüchige trifft.
SOS Méditerranée betrachtet Festsetzung als "behördliche Schikane"
Bei
der Festsetzung im Juli hatten die Behörden zudem Verstöße von
Umweltschutzbestimmungen beanstandet. Die Betreiberorganisation
sprach damals von "behördlicher Schikane" und einer "zynischen
Maßnahme zur Verhinderung ihrer lebensrettenden Einsätze". Zuvor
hatte die Ocean Viking
Anfang Juli 180 gerettete Bootsflüchtlinge nach Porto Empedocle
gebracht, die dort eine zweiwöchige Quarantäne auf der
Passagierfähre Moby Zaza
verbringen sollten. Alle
Flüchtlinge sind dabei
negativ auf das Coronavirus
getestet worden. Davor hatte das Schiff wochenlang im Mittelmeer gelegen – mehrere Gerettete versuchten, Suizid zu begehen.
Die Ocean Viking soll nun in Richtung der französischen Hafenstadt Marseille auslaufen. Dort müssen die mehr als 20 Crewmitglieder zehn Tage in Quarantäne und ihre Vorräte auffüllen. Zudem gingen ein medizinisches Team und eine Rettungscrew mit an Bord. Im Januar wollen die Seenotretterinnen nach eigenen Angaben Richtung zentrales Mittelmeer aufbrechen und ihre Rettungseinsätze wieder aufnehmen.