Bei den deutschen Behörden sind derzeit 1.579 unbegleitete minderjährige Geflüchtete als vermisst gemeldet. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) unter Berufung auf Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) berichtet, handele es sich dabei um 972 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie 607 Kinder bis 13 Jahre. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl deutlich gesunken.
Die meisten der Vermissten stammen aus Afghanistan, Marokko, Algerien, Syrien und Somalia. Auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 wurden noch mehr als 8.900 Kinder und Jugendliche vermisst. Anfang 2018 waren es noch 5.334 unbegleitete Minderjährige, Anfang 2019 dann 3.192 Kinder und Jugendliche.
Grund für den Rückgang ist, dass in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich weniger Asylsuchende nach Deutschland kamen. Viele Jugendliche haben außerdem inzwischen die Volljährigkeit erreicht und werden in der Statistik nicht mehr als minderjährig erfasst.
Aufklärungsquote von durchschnittlich 69 Prozent
Laut BKA-Angaben sind die Gründe für das Verschwinden in den meisten Fällen harmlos. "Vielfach entfernen sich die Kinder nicht planlos, sondern wollen ihre Eltern, Verwandten oder Bekannten in anderen deutschen Städten oder gar im europäischen Ausland aufsuchen", heißt es. Zudem würden Betroffene häufig mehrfach registriert, wenn sie ohne Pass unterwegs seien oder es verschiedene Schreibweisen für ihre Namen gebe.
Das BKA erzielt laut eigenen Angaben eine Aufklärungsquote von durchschnittlich 69 Prozent. Das ist allerdings deutlich niedriger als 2019, als die Aufklärungsquote noch 87,6 Prozent betrug. Für den Präsidenten des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, seien die Behörden in Deutschland verpflichtet, das Schicksal möglichst aller vermissten Kinder aufzuklären.
"Gerade angesichts der aktuellen Corona-Pandemie ist es wichtig, dass die bestehenden Kinderschutz- und Jugendhilfemaßnahmen für unbegleitete Flüchtlingskinder aufrechterhalten bleiben." Durch die insgesamt rückläufigen Zahlen gebe es "Anlass zu vorsichtigem Optimismus", sagte Krüger.