Der IS hatte im Sommer 2014 einen Genozid an den Jesiden verübt. 5.000 Männer und Jungen wurden getötet, 7.000 Frauen und Kinder verschleppt und versklavt. 3.000 von ihnen werden noch immer vermisst. Wie die Terroristen mit Jesiden umgegangen sind, hat unter anderem der Prozess gegen Rückkehrerin Jennifer W. in München gezeigt. Auch sie soll laut Anklage eine fünfjährige Jesidin als Sklavin gehalten haben. An einem heißen Tag im Sommer 2015, davon ist die Bundesanwaltschaft überzeugt, kettete der Mann der Angeklagten das Mädchen in der prallen Sonne im Hof fest. Das Kind starb. W. hat bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Insgesamt sollen über 200 Jesidinnen gegenüber deutschen Strafverfolgern Aussagen über ihr Martyrium gemacht haben.
Bereits am Mittwoch hatte sich Nurten J. vor Gericht geäußert. Unter Tränen verliest sie in Düsseldorf ein Schriftstück, mit dem sie zu erklären versucht, warum sie sich überhaupt dem IS anschließen wollte. Mobbing in der Schule wegen ihres Übergewichts, ein jähzorniger Vater, der keine Fremden in seinem Haus duldete und die Mutter beschimpfte. Versagen in der Schule, Kiffen, Alkohol, Mutter geworden, mangelnder Selbstwert, Flucht in den Glauben, Hoffnung auf Anerkennung und ein besseres Leben. "Es ist eine typisch gebrochene Biografie, wie sie viele der IS-Anhängerinnen mitbringen", wird ihr Anwalt Martin Heising später sagen. Von der Ideologie des IS will J. nicht viel gewusst haben. "Ich schäme mich, aus egoistischen Gründen dem IS geglaubt zu haben", sagt sie vor Gericht.
Eine gänzlich andere Wahrnehmung
Vom Verhältnis zu Dana P. hat sie offenbar eine gänzlich andere Wahrnehmung. Dass sie eine Sklavin gewesen sein könnte, habe die Angeklagte zwar geahnt. Sie habe auch erfahren, dass der IS wohl die Sklaverei eingeführt habe. "Ich habe mich damals nicht damit beschäftigt, ich war sehr naiv", sagt sie. P. sei ihr auch nicht wie eine Sklavin vorgekommen. Über die Zeit sei ihr Verhalten immer "natürlicher" geworden. Sie habe sie außerdem nie zu etwas aufgefordert.
Bemerkenswert ist, wie wenig die Angeklagte über ihre Zeit beim IS berichtet. Welche Aufgaben etwa ihr Mann Ismael S., ein polizeibekannter Salafist aus Husum, beim IS hatte, habe sie nie erfahren. Auch die Waffen, die es laut Anklage in ihrem Haus gab, bleiben unerwähnt. Vielmehr erzählt J. detailliert über die Mühen ihrer Flucht von einem Ort zum anderen, von Kälte, Not, Angst vor Luftangriffen, unzumutbaren hygienischen Zuständen, von der Sorge um ihre Kinder. Auch hier zeichnen die Schilderungen von Dana P. ein etwas anderes Bild. Der Mann der Angeklagten sei ein hochrangiger Geistlicher gewesen, der sogar Kontakte zum damaligen IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi gepflegt habe. Auch der Umgang mit den Kindern war angeblich weit weniger fürsorglich. Die älteste Tochter, damals etwa fünf Jahre alt, sei häufig zornig gewesen und habe oft geweint. Ihre einzige Ablenkung war demnach ein Notebook, auf dem das Mädchen IS-Propagandavideos geschaut habe: Koranlesungen, Waffenausbildung, Sprengungen und sogar Enthauptungen.
Ihre drei Kinder darf Nurten J. seit der Inhaftierung nicht mehr sehen, sie sind in der Obhut des Jugendamts. Nur telefonieren sei hin und wieder möglich, sagt ihr Anwalt. Dana P. indes hat zu ihrem kleinen Bruder keinen Kontakt mehr. Irgendwann hätten ihn IS-Terroristen ihr weggenommen, sagt ihre Anwältin. "Niemand weiß, wo er ist."
*Name von der Redaktion geändert
Der IS hatte im Sommer 2014 einen Genozid an den Jesiden verübt. 5.000 Männer und Jungen wurden getötet, 7.000 Frauen und Kinder verschleppt und versklavt. 3.000 von ihnen werden noch immer vermisst. Wie die Terroristen mit Jesiden umgegangen sind, hat unter anderem der Prozess gegen Rückkehrerin Jennifer W. in München gezeigt. Auch sie soll laut Anklage eine fünfjährige Jesidin als Sklavin gehalten haben. An einem heißen Tag im Sommer 2015, davon ist die Bundesanwaltschaft überzeugt, kettete der Mann der Angeklagten das Mädchen in der prallen Sonne im Hof fest. Das Kind starb. W. hat bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Insgesamt sollen über 200 Jesidinnen gegenüber deutschen Strafverfolgern Aussagen über ihr Martyrium gemacht haben.