"Ich hätte nichts dagegen, wenn die Ausländer von unseren Jungs aufs Maul bekommen", sagt Erika, die sich längst in Rage geredet hat. Die 70-Jährige hat eben Blumen geholt. Sie will sie gleich ans Grab ihres Mannes bringen. Seit 40 Jahren lebt sie in einem Wohnblock in Obersprucke, einem Stadtteil im Westen der brandenburgischen Stadt Guben. Auf die Frage nach ihrem Nachnamen antwortet Erika nur: "Ne, ne, ne, dann liest das einer von den Ausländern und erkennt mich."
Erika hat mitbekommen, dass Der Dritte Weg, eine rechtsextreme Kleinpartei, in dieser Nacht von Samstag auf Sonntag nach Migranten suchen will. Als Ort des Geschehens wählten die Rechtsextremen Guben, eine Stadt mit knapp 17.000 Einwohnern, die direkt an der deutsch-polnischen Grenze liegt. "Hunderte illegale Grenzübertritte in Brandenburg? Auf zum Grenzgang!", heißt es in dem Aufruf. Und weiter: "Asylflut stoppen!" Wer mitmachen wolle, brauche wetterfeste dunkle Kleidung, eine Stirnlampe und, wenn vorhanden, ein Nachtsichtgerät.