Nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Berlin-Kreuzberg hat die Polizei einen dritten Tatverdächtigen festgenommen. Die Festnahme sei durch Intensivfahnder des Landeskriminalamts Berlin erfolgt, teilte die Polizei mit. Zwei weitere Tatverdächtige waren bereits in den vergangenen Tagen festgenommen worden. Alle drei Männer sind den Angaben zufolge 22 Jahre alt.

Die Ermittlungen zu der mutmaßlichen Vergewaltigung dauern unterdessen an. Der Fall soll sich am 21. Juni im Görlitzer Park ereignet haben. Mehrere Männer sollen dort eine 27-jährige Frau vergewaltigt sowie ihren gleichaltrigen Freund verletzt haben. Beide Opfer sollen auch bestohlen worden sein.

Park bekannt für Drogenhandel

Der Park ist seit Jahren vor allem für Drogenhandel bekannt. Regelmäßig kommt es dort zu weiteren Delikten wie Diebstahl und Bedrohungen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kündigte nach dem Bekanntwerden der mutmaßlichen Vergewaltigung an, Gegenmaßnahmen einzuleiten. "Die Lage im Görlitzer Park ist nicht akzeptabel", sagte er am vergangenen Sonntag dem Tagesspiegel. "So, wie die Situation dort ist, darf es nicht bleiben." Anfang September soll ein Spitzentreffen zum Thema Sicherheit stattfinden, bei dem es auch um die Situation im Görlitzer Park gehen soll.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik schlug vor, den Park einzuzäunen und nachts zu schließen. Sie sagte zugleich, dass die Polizei das Problem nicht allein lösen könne. Bereits jetzt setze die Polizei im Görlitzer Park unter anderem Funkwagen, Streifen, eine mobile Wache, Zivilkräfte, Hundertschaften und Diensthunde ein. Dabei gehe es meist um Drogenkriminalität, Sexualdelikte seien "vor Ort eher die Ausnahme".

Polizei verweist auf Traumatisierung von Opfern

Zu Kritik an ihrer Kommunikationsstrategie zu dem Fall teilte die Polizei mit, es würde selbstverständlich eine Warnung herausgegeben, sollte es Anhaltspunkte dafür geben, dass die mutmaßliche Vergewaltigung einer Serie zuzuordnen sei. Dies sei aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht der Fall.

Die Polizei verwies auch auf die potenzielle schwere Traumatisierung der Geschädigten. "Die Entscheidung der Betroffenen, auszusagen, soll von diesen eigenständig und unbeeinflusst getroffen werden." Durch frühzeitige Berichterstattung und die Bekanntgabe von Hintergründen und Details aus den Ermittlungsverfahren bestehe die Gefahr, dass die Opfer in ihrem Aussageverhalten beeinflusst oder gar derart verschreckt würden, dass sie gar keine Angaben mehr tätigen wollen.