Prominente Unterstützer von Julian Assange haben Außenministerin Annalena Baerbock aufgefordert, sich bei ihrem anstehenden USA-Besuch für die Freilassung des WikiLeaks-Gründers auszusprechen. "Wir erwarten, dass Sie als Mitglied der Bundesregierung bei Ihren bevorstehenden Gesprächen in Washington etwa mit Ihrem Amtskollegen Antony Blinken den Fall Assange zur Sprache bringen und sich deutlich für ein Ende der Verfolgung von Assange einsetzen", schreiben die Unterzeichner eines von Enthüllungsjournalist Günter Wallraff initiierten offenen Briefes an die Grünenpolitikerin, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. 

Zu den Unterzeichnern gehören etwa Baerbocks Vorgänger Sigmar Gabriel (SPD), die Schriftsteller Daniel Kehlmann und Navid Kermani, der Regisseur und Oscarpreisträger Volker Schlöndorff, Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und mehrere Chefredakteure. Sie fordern Baerbock auf, sich der Forderung anderer Regierungen nach einer Freilassung von Assange anzuschließen.

Die Berliner Zeitung veröffentlichte den Brief online, ihr Chefredakteur Tomasz Kurianowicz gehört ebenfalls zu den Unterzeichnern. Diese erinnerten Baerbock in dem Schreiben an Äußerungen aus dem September 2021, kurz vor der Bundestagswahl. Als Grünenchefin und Spitzenkandidatin hatte sich Baerbock damals den Einschätzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und dem Appell des UN-Sondergesandten Nils Melzer angeschlossen und die sofortige Freilassung von Assange gefordert.

Mehrere frühere Bundespolitiker unter den Unterzeichnern

Laut der Veröffentlichung der Berliner Zeitung gehören auch die ehemaligen Bundesminister Gerhart Baum (FDP) und Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), der frühere SPD-Chef Norbert Walter-Borjans, der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) und der Europaparlamentarier Martin Sonneborn (Die Partei) zu den Unterzeichnern.

Die USA versuchen seit Jahren, die Auslieferung des gebürtigen Australiers Assange aus Großbritannien zu erreichen. Die rechtlichen Möglichkeiten für Assange, sich dagegen zu wehren, sind weitgehend erschöpft. Die US-Justiz will ihm wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft.

Dem 52-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Unterstützer sehen in Assange einen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht brachte.