Sud-Ouest aus Bordeaux vergleicht die Krawalle in Großbritannien mit Ereignissen im eigenen Land: "Wie 2005 in Frankreich hat ein einziger Funke einen Flächenbrand ausgelöst, der nur darauf wartete, sich auf einem höchst entflammbaren Terrain auszubreiten. Dem der aufgegebenen Vorstädte, der sich selbst überlassenen Bewohner, der schlecht oder gar nicht integrierten Einwanderer, der Jugendlichen ohne Hoffnung." Die Probleme seien überall in Europa mehr oder weniger die gleichen. Die französische Tageszeitung bezeichnet es aber als "puren Zufall", dass die Gewalt zum Zeitpunkt einer weltweiten Finanzkrise ausgebrochen sei.

Auch die spanische Zeitung El Mundo beschreibt einen gesellschaftlichen Konflikt hinter der Randale: "Die Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und soziale Ungleichheit bildeten ein Pulverfass, das nun explodiert ist." Zu rechtfertigen seien die Plünderungen aber nicht: Die Bilder der Gewalt erinnern die Zeitung aus Madrid "nicht an soziale Forderungen oder Proteste, sondern an kriminelle Vergehen." Die britische Regierung müsse zwar ihre Politik ändern und sich mehr um die benachteiligten Gruppen kümmern – aber nicht unter dem Druck des Vandalismus.

Das Flensburger Tageblatt hat wenig Sinn für solche Erklärungsversuche: "Die Mehrheit der Krawallmacher missbraucht den politischen Protest der Minderheit, um Geschäfte zu plündern und sich persönlich zu bereichern. Ganz gewöhnliche Kriminelle, Trittbrettfahrer, nutzen die Gunst der Stunde und erdreisten sich auch noch, ihre Straftaten als Akt gesellschaftlichen Aufbegehrens adeln zu lassen." Der Polizei wirft die Zeitung vor, sie komme immer einen Schritt zu spät. Das sei kein ermutigendes Zeichen für die Olympischen Spiele 2012 in London.

Hinter der glitzernden Fassade

Eine "breitere, tiefer sitzende Malaise" in einer Gesellschaft mit großen Klassengegensätzen stellt die Süddeutsche Zeitung fest: "Wer sagt, dass die Krawalle überraschend ausgebrochen seien, lügt oder verleugnet die Realität. Denn hinter der glitzernden Fassade, die Großbritannien präsentiert, haben sich so viel Unmut, Ressentiments und Zorn angestaut, dass es nur eines Funkens bedurfte, um eine Explosion auszulösen." Die Botschaft für die britische Unterklasse könne eindeutiger nicht sein: "Einmal arm, immer arm", schreibt die Münchner Zeitung. Das mache aber aus den Unruhestiftern von Tottenham und Peckham keine soziale oder gar revolutionäre Bewegung.

Die Berliner Morgenpost rechnet mit dem "Hooliganismus der Verlierer" ab und kritisiert den "politischen Resonanzboden", den linke Kommentatoren den Ausschreitungen gäben. "Schnell war man sich einig, dass es sich bei dem zusammengetwitterten Mob um die marginalisierten Opfer der kaltherzigen Sparpolitik der Tories und Libdems handelt." Die Randalierer seien jedoch "Menschen ohne Werte", die sich daran gewöhnt hätten, Geld vom Staat zu bekommen. Die Morgenpost nimmt die ganze Jugend Europas in den Blick: "Ihr lautsprecherischer Teil motzt, heult und demonstriert in den Hauptstädten und formuliert in jedes Mikrofon, das man ihm entgegenhält, denkbar pathetisch Ansprüche."