Sie steckt in Honig, sie süßt vom Apfel bis zur Zitrone alle Sorten Obst - und Fruktose ist auch in vielen Gemüsesorten enthalten, in Rüben zum Beispiel. Ein Naturprodukt also. Ein Molekül Fruktose und ein Molekül Glukose verknüpfen sich zur sogenannten Saccharose, das ist der weiße Haushaltszucker. © ZEIT online

Reiner Fruchtzucker allerdings findet sich tatsächlich in vielen Nahrungsmitteln, in denen er gar nichts zu suchen hätte: in Puddings, Joghurts, Softdrinks oder Kaugummi, zum Beispiel. Vordergründig erscheint das gesund und wird auch so verkauft. Fruktose lässt zum Beispiel den Blutzucker nicht so schnell ansteigen wie Glukose, sie steckt daher seit vielen Jahren schon in Produkten für Diabetiker. Fruchtzucker schmeckt dazu noch deutlich süßer als normaler Zucker - er spart also eine Menge Kalorien. Kein Wunder, dass Fruktose als Ersatz für Kristallzucker in den USA mittlerweile rund 10 Prozent des täglichen Energiebedarfs deckt.

Was die meisten nicht wissen: Die Süße aus der Frucht ist in erster Linie für die Lebensmittelindustrie gesund, und nicht für den Verbraucher. Mit Maisstärkesirup gemixt, lässt sich Fruktose zum Beispiel in Tankwagen transportieren und erleichtert die industrielle Verarbeitung. Außerdem ist sie ein heißer Kandidat, um den Absatz zu steigern. Mit Fruchtzucker gesüßtes Eis zum Beispiel macht nur zögerlich satt, sodass der Konsument deutlich mehr davon verputzt, als seinem Körper lieb ist.

Und das kann durchaus unangenehme Folgen haben. Zwar klingt "mit reiner Fruchtsüße" gar nicht nach Bauchweh und Durchfall, aber der menschliche Körper ist nicht darauf eingestellt, größere Mengen Fruktose zu verarbeiten. Wir speichern und verarbeiten Kohlenhydrate - also Zucker -­ in erster Linie in Form von Glukose. Fruchtzucker muss erst chemisch umgestrickt werden, bevor der Stoffwechsel ihn abbauen kann. Glukose wird im Darm sehr schnell, Fruktose dagegen nur sehr langsam resorbiert. Je mehr von dem langsamen Zucker aber in unserem Verdauungstrakt auf den Transport ins Blut wartet, desto mehr Wasser wird als Verdünnung in den Darm gezogen. Das Ergebnis ist mitunter heftiger Durchfall. Hinzu kommen Bakterien der natürlichen Darmflora, die viel mehr mit der fruchtigen Süße anfangen können und dabei eine Menge Gas produzieren.

Aber ist das nun eine Unverträglichkeit ­ oder gar Krankheit? In den allermeisten Fällen: Nein. Zwar wittern immer mehr Menschen hinter ihrem Bauchgrummeln eine sogenannte Fruktoseunverträglichkeit, medizinisch Fruktosemalabsorption genannt. Der Grund für Beschwerden wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen ist in der Regel aber die zu große Menge an Fruktose, die wir mittlerweile zu uns nehmen - eben weil sich der Zuckerersatzstoff in einer wachsenden Zahl von Fertigprodukten versteckt, und das nicht zu knapp. Mit jedem Gramm Fruktose wächst das Risiko für die entsprechenden Beschwerden. Wer glaubt, dass er sensibel auf den Fruchtzucker reagiert, sollte anstelle des Spezialisten für Fruktosemalabsorption lieber nach versteckter Fruktose in Speisekammer und Kühlschrank fahnden, auf alle mit Fruchtzucker versetzte Mixturen eine Weile verzichten und als Alternative auch nicht unbedingt drei Äpfel auf einmal essen.

Außerdem sollte man Nahrungsmittel meiden, die Sorbit oder andere sogenannte Zuckeralkohole enthalten, wie Mannitol, Isomalt und Xylit, weil sie die Aufnahme von Fruktose zusätzlich stören. Wer sich für besonders sensibel hält, kann auch ein paar Obstsorten ausklammern: Äpfel, Birnen, Aprikosen, Wassermelone und Mangos enthalten besonders viel Fruktose. Das heißt aber nicht, dass man überhaupt kein Obst mehr essen sollte, denn es gibt einen Kniff dabei: Reine Glukose ­ Traubenzucker also - erleichtert die Aufnahme von Fruktose im Darm. Entscheidend ist deshalb nicht die absolute Menge an Fruktose, die eine Frucht enthält, sondern ihr Verhältnis von Glukose zu Fruktose. Ist es kleiner als eins, sollte man vorsichtig sein. Ist es größer als eins, kann man das Obst mit gutem Gewissen essen. Papayas, Kaktusfeigen, Marillen oder Litschis haben zum Beispiel ein sehr hohes Verhältnis von Trauben- zu Furchtzucker.

In manchen Fällen helfen alle Maßnahmen trotzdem nicht, und dann besteht tatsächlich der Verdacht, dass eine Malabsorption hinter den Beschwerden steckt.