Eine kleine Tablette täglich und wir sind von allen Lastern befreit. Keine Schokolade mehr vor dem Fernseher, keine Fluppe mehr in der Pause - und nicht mal mehr das Verlangen danach! Soviel scheint zumindest die neue Arznei Rimonabant zu versprechen. Seit September ist sie unter dem Namen Acomplia auf dem europäischen Markt erhältlich.

Mit dem neuen Schlankmacher soll zunächst einmal das Bedürfnis nach ständigem Futtern schwinden. Mit Acomplia schmelzen aber nicht nur Pfunde und Bauchumfang, auch Blutzucker und –fette verbessern sich - angeblich. Rimonabant könnte sich damit nicht bur als bloße Diätpille, sondern gar als medizinischer Schutz vor Herz- und Gefäßkrankheiten auf dem Markt durchsetzen. Die nicht ganz unberechtigte Hoffnung des Herstellers Sanofi-Aventis lautet deshalb: Acomplia erweist der Volksgesundheit einen großen Dienst - und bringt dem weltweit drittgrößten Pharmariesen Milliarden ein.

Was aber ist nun so besonders an Rimonabant? Anders als Orlistat (Xenical®), das die Aufnahme von Nahrungsfett im Darm behindert, oder Sibutramin (Reductil®), welches ähnlich einem Antidepressivum wirkt, greift Rimonabant in das so genannte Belohnungssystem unseres Gehirns ein. Dieses System ist erst seit Anfang der 90iger Jahre bekannt, als man die berauschende und Appetit steigernde Wirkung von Tetrahydrocannabinol (THC) aus Haschisch und Marihuana untersuchte. Inzwischen weiß man, dass nicht nur Hanf, sondern auch unser Körper solche Stoffe produziert.

Diese so genannten Endocannabinoide nehmen Einfluss darauf, wie viel wir essen, kontrollieren die Energiebilanz und den Fettstoffwechsel - und regulieren so, neben vielen anderen Faktoren , auch das Körpergewicht. Dreh- und Angelpunkt der Steuerung sind bestimmte Rezeptoren im Gehirn und im Fett- und Muskelgewebe. Sie werden von körpereigenen Endocannabinoiden aktiviert, dämpfen dann die körperliche Aktivität - und machen uns entspannt und hungrig.

Auch THC kann diese Rezeptoren besetzen - wer schon einmal gekifft hat, kennt die Folge: Fressflash. Wissenschaftler vermuten, dass der Kontrollkreis bei Übergewichtigen und auch bei bestimmten Suchterkrankungen permanent aktiviert ist, und irgendwann sogar völlig entgleist. Dem Körper wird deshalb dauerhaft Appetit oder Lust auf eine Droge, zum Beispiel Nikotin, signalisiert.

Acomplia soll dem ein Ende setzen. Der Wirkstoff ist ein so genannter Antagonist: Er lagert sich an die Rezeptoren, aktiviert sie aber nicht. Die körpereigenen Cannabinoide bleiben außen vor, das Verlangen nach dem Stoff Nahrung oder Nikotin wird gehemmt. Außerdem soll Acomplia bewirken, dass Fettzellen weniger schädliche Substanzen produzieren und Muskelzellen mehr Zucker aufnehmen, was sich dann positiv auf die Blutwerte auswirkt.

Mehrere solide Studien haben belegt, dass das funktioniert: Sowohl eine europäische Untersuchung an 1507 Patienten, als auch die die Zulassungsstudien mit insgesamt 6600 Probanden zeigten, dass übergewichtige Patienten mit Rimonabant mehr Gewicht verlieren als ohne - und zwar bis zu zehn Prozent ihres Startgewichts. Gleichzeitig verbessern sich auch nachweislich die Werte für Blutfette und Insulin .