Wie hieß es damals in der Werbung: Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Das stimmt wohl ganz besonders für die Nordseeinsel Sylt, denn nirgendwo in Deutschland wird mehr Geld für Immobilien ausgegeben als in Kampen. Hier ist die deutsche Geldaristokratie unter sich. Krethi und Plethi kommen nur als Pauschalurlauber nach Wenningstedt und Westerland – und drücken sich an den Fenstern der schicken Boutiquen in Kampen die Nase platt. Doch es gibt auch Gemeinsames: Luft, Salz, Jod und Wellen sind für alle. Und was ist mit Golf?

Man sollte denken, Golf auf Sylt gehört als vermeintlicher Sport der Besserbetuchten schon lange zum feinen Leben dazu, aber das ist ein Irrtum. Lange Jahre war Sylt für Golfer kein wirklich attraktives Ziel. An Côte d’Azur und Costa del Sol wurden schon reihenweise Plätze gebaut, als auf Sylt noch niemand an Golf dachte.

Fast niemand zumindest, denn die British Royal Air Force legte unmittelbar neben ihrer Kaserne und Landepiste bereits im Jahre 1953 einen Sechs- Loch-Golfplatz an, um sich den langweiligen Militärdienst zu versüßen. Als die Besatzer abzogen, wurde die Anlage der Bundeswehr übergeben, die sie mehr schlecht als recht pflegte. Golfer, die damals auf den Platz wollten, mussten am Kasernentor ihren Pass hinterlegen. Der begeisterte Hobbygolfer Axel Springer nutzte die Anlage, aber dann entschloss er sich, seinen eigenen Golfplatz in Morsum zu bauen. Der Platz der Briten geriet fast in Vergessenheit.

Das änderte sich 1980, als der spätere Kapitän zur See Eduard Wismeth als Kommandeur der Marinefl iegerlehrgruppe nach Sylt kam: Auf seine Initiative wird der Marine Golf-Club Sylt ins Leben gerufen und für die Sylter geöffnet, als Betreuungseinrichtung der Bundesmarine. Erst 1988 kauft der Club das Gelände vom Bundesvermögensamt. Und im Sommer 2004 folgt die Entscheidung, den 18-Loch-Platz von Grund auf neu zu bauen. Der Golf-Boom hat Sylt jetzt endgültig erreicht – mit ungebremster Wucht: Gleich zwei große Resorts sollen in den nächsten Jahren auf der Insel entstehen. Die Bauarbeiten am Marine Golfclub sind gerade beendet, da schieben die Bagger in Hörnum die nächsten Links-Dünen in Position. Sylt macht sich bereit, eine große Golfdestination zu werden.

Als Architekt für den Marine Golfclub wurde der Schotte Kenneth J. Moodie verpfl ichtet, ein ausgewiesener Kenner der küstentypischen "Links"- Kurse. Eine Menge Erde wurde bewegt: Seit August letzten Jahres sind die ersten neun Löcher bespielbar, am 6. August dieses Jahres ist die Eröffnung der Zweiten Neun geplant. Wer auf den Platz geht, erlebt Küstengolf nach schottischem Vorbild. Der Platz wirkt weder neu noch künstlich, sondern lässt glauben, hier seien Schafherden schon vor hundert Jahren heimisch gewesen. Und lang ist er: Mit den 6300 Metern wird mancher Clubgolfer seine Probleme bekommen. Die typische Brise wird obendrein dafür sorgen, dass die Bälle vom Winde verweht werden. Trotzdem, ein klasse Kurs, eine Bereicherung für den ganzen Norden.