Der Plan, eine siebenstellige Summe einzutreiben, klingt ehrgeizig. Für Investoren gibt es das vage Versprechen künftiger Beteiligung ohne Mitspracherecht und ab 2.000 Euro eine Gratisbox. Andererseits hat die Firma vor zwei Jahren schon einmal belegt, dass sie weiß, wie ihre Klientel tickt. Als Mayas größere, teurere, also weniger individuelle Vorgängerin Carla mit dem eigenen Betriebssystem Soul an den Start ging, erzielte Protonet stolze 200.000 Euro – in 49 Minuten! Europäischer Temporekord, versteht sich.

Es war das Startsignal eines Herstellers, der vom Produkt über Coolness bis zum Geld Zeichen setzt. Das lebende Beispiel heißt Nina, lässt sich wie alle hier duzen und hat einen verblüffend analogen Beruf: Goldschmiedin. Während ringsum das Fieber vorm Funding-Start steigt, schraubt sie Prototypen des Miniservers zusammen. Von Hand, in Deutschland. Und das in der Branche. Bis auf die Festplatte werde das gesamte Hightechprodukt in Fahrradentfernung hergestellt, was bei ihm "local gesourced" heißt: Made in Hamburg. In der asiatisch dominierten Hardwarewelt klingt das, als baue er auf dem Gänsemarkt Reis an.

Ein "geiles Produkt" bauen

Dafür hat der exmatrikulierte Physikstudent Jelveh mit seinem Kollegen Christopher Blum vor vier Jahren einen sicheren Job beim Social Network Xing gekündigt und den Schritt ins "Startup" gewagt. Es war ein Wagnis, geboren aus gehöriger Naivität. "Wir dachten, ein geiles Produkt zu bauen reicht, dann kommen die Leute von allein". Doch erst mal musste sich das stetig wachsende Team durch einen Parcours aus ungeputzten Klinken und Fördertöpfen schlagen, den einen Traum im Blick: Datenhoheit auch für all jene, "die keine Ahnung von IT haben".

Totale Unabhängigkeit, räumt PR-Chef Reimers ein, werde es zwar nie geben. Ebenso wenig wie vollends hackresistente Tools oder Personalserver zum Schnäppchenpreis. Aber im Lichte des NSA-Skandals sei dieses Gerät für 1.200 Euro eben ein guter Anfang. Und echte Startupper wollen ohnehin mehr, als sich irgendwann mal spürbar mehr Gehalt auszuzahlen als den eigenen Praktikanten. Jerveh, der optisch besser ins Hipstercafé parterre passt als auf die Chefetage darüber, sagt es so: "Wir wollen eine Legacy hinterlassen." Ein Erbe, das auch funktioniert, spezifiziert Thomas, der mit 28 Jahren und Nerdbrille schon eher in sein Metier passt. "Damit nicht nur wir und unsere Müdder an uns glauben." Damit theoretisch jeder sein eigener Administrator sein könne. Dafür sei Maya das Einfallstor in einen Riesenmarkt mit dem Motto "Reclaim your Data". Träumen können sie ja schon mal.