Am Ende sind es vier Jahre und sieben Monate geworden. Viereinhalb Jahre Gefängnis für eine Tat, die der Vorsitzende Richter "teuflisch" nannte – der Täter aber als verzweifelten Akt.

Armin B., 56 Jahre alt, hat seiner Frau Salzsäure ins Gesicht geschüttet. Sie hatte Glück, dass Kollegen im Hamburger Jobcenter Wandsbek schnell reagierten und die Säure abwuschen. So konnten schlimme Entstellungen verhindert werden. Das ist auch zum Glück von Armin B. geworden. Wäre seine Frau, 46 Jahre alt, dauerhaft entstellt, wäre seine Strafe sehr viel höher ausgefallen.

In Hannover beispielsweise wurde im vorigen August ein 33-jähriger Mann zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, der seiner Ex-Freundin mit Salzsäure schwerste Gesichtsverletzungen zugefügt hat.

Doch noch etwas unterscheidet die beiden Fälle gravierend. Der Täter in Hannover hatte aufrichtige Reue gezeigt. Er hatte das Urteil sofort angenommen. Auf Rechtsmittel verzichtete er mit den Worten: "Ich möchte keine Revision einlegen, in anderen Ländern hätte ich die Todesstrafe erhalten." Nichts anderes als die lange Haftstrafe, fügte er hinzu, habe er verdient.

Armin B. streitet Verantwortung ab

Solche Worte waren von Armin B. nicht zu hören. Er hat die Tat gestanden und verleugnet zugleich. Er hat zwar gesagt, es tue ihm leid. Zugleich hat er aber immer wieder versucht, seiner Frau die Schuld an allem zu geben, was geschah. So ist die Strafe, die Dauer der Haft, nur ein Teil des Urteils, das Armin B. sich an diesem Nachmittag vom vorsitzenden Richter der Großen Strafkammer 22 anhören muss. Ebenso schwer wiegt das moralische Urteil, das der über ihn spricht. "Sie haben sich mit der Tat noch gar nicht richtig auseinandergesetzt," hält er dem Angeklagten vor. "Sie tun sich nur selber leid."

Der Einsicht, dass er alleine die Verantwortung für das grauenhafte Verbrechen trägt, hat sich Armin B. im Prozess bis zuletzt verweigert. Das ist ein typisches Muster in Fällen, in denen Männer ihre Frauen nach einer Trennung misshandeln oder gar töten. Die Demütigung, die sie darin sehen, soll alles rechtfertigen, was danach geschieht. So war es bei Mohamad B., der seine Frau mit heißem Öl überschüttete, weil er einen Liebhaber vermutete. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich mich von ihr nicht demütigen lasse," sagte er in seinem Prozess. Und so war es auch bei Gökhan K., der seine Frau niederstach, weil er eine Affäre vermutete.

Und so auch bei Armin B. Seine Aussage war von einem steten "Ja, aber" durchzogen. Aus jedem Satz sprach Selbstmitleid. Seine Frau hatte sich im Februar 2016 von ihm getrennt. Die Ehe war seit Jahren schwierig. Dann lernte sie einen neuen Mann kennen, einen Arzt. Armin B., im Prozess ganz der biedere Kaufmann, rastete nach der Trennung immer wieder aus. Er drohte seiner Frau, er werde ihrem Neuen "die Eier abschneiden und ins Maul stopfen". An ihre Schlafzimmerwand schrieb er: "Für Sonjas neuen Ficker." An jenem Novembermorgen dann fuhr er zu ihrem Büro im Jobcenter, zog ein Glas säurehaltiges Putzmittel aus der Jacke und kippte es ihr ins Gesicht.