Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

haben Sie schon gute Vorsätze für kommendes Jahr? Nein? Dann verrate ich Ihnen mal, was sich andere so vornehmen, nämlich weniger Stress zu haben und mehr Zeit für Familie und Sport. So weit das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit. Nichts Neues, sagen Sie? Zugegeben, etwas überraschend ist allenfalls der Befund, dass Jüngere zwischen 14 und 29 Jahren gerne häufiger offline wären: 34 Prozent gaben an, im Jahr 2018 ihr Smartphone weniger nutzen zu wollen. Aber schon anhand der rapide nachlassenden Zahl der Januarjogger kann man Jahr für Jahr sehen, was von den guten Vorsätzen wirklich bleibt. Insofern mögen die Wünsche der DAK-Befragten wirklich nicht neu sein. Aber ehrlich gemeint sind sie doch.

Apropos: Männer, die sich beim Sport dauernd überanstrengen, schaden möglicherweise ihrem Herzen. Forscher am UKE stellten bei einer Untersuchung von 54 männlichen und 29 weiblichen Triathleten fest, dass zehn der Männer Vernarbungen am Herzmuskel hatten. Es handelte es sich um ambitionierte Freizeitsportler von durchschnittlich 43 Jahren, die mindestens zehn Stunden in der Woche trainieren. Von den untersuchten Frauen war keine einzige betroffen. Ursache der Vernarbungen, zitiert die Nachrichtenagentur dpa die Wissenschaftler, könne eine Herzmuskel-Entzündung sein; denkbar sei eine Überlastung des Herzens durch zu viel Sport an der Leistungsgrenze. Und zur Frage, wieso die Herzen der Frauen unversehrt seien: Vielleicht spiele das männliche Hormon Testosteron eine Rolle – das Männer, Sie erinnern sich, auch anfällig für den Männerschnupfen macht. Vielleicht seien Frauen aber auch von Natur aus besser geschützt. Oder sie seien einfach cleverer und verausgabten sich nicht so sehr.

Und zur obligatorischen Weihnachtsstory: Am Mittwochmorgen schwebte ein riesiger Weihnachtsbaum samt Kugeln über Deutschland, sozusagen – die Besatzung eines neuen Airbus A380 flog auf einem Testflug eine sehr ambitionierte Route in Form eines Christbaums. Nein, die Besatzung war nüchtern und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, und Deutsche Flugsicherung und Eurocontrol wussten Bescheid. Hier können Sie sehen, wie das aussah. Aber NICHT mit dem Auto nachmachen!

Wie will die Gesundheitssenatorin Pflegekräfte gewinnen?

Zu viele Patienten, zu wenig Zeit und dann noch der Schichtdienst: Pflegekräfte haben einen harten Job – das weiß auch Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Trotzdem wehrt sie sich im Interview mit den ZEIT:Hamburg-Kollegen Frank Drieschner und Ruth Eisenreich dagegen, "dass dieser Beruf und die Bedingungen immer so absolut schlechtgeredet werden". Die Situation sei nicht durchgängig unzumutbar, sondern in den einzelnen Krankenhäusern und auf den einzelnen Abteilungen sehr unterschiedlich. Viele Pflegekräfte würden ihren Beruf gern ausüben. Politische Maßnahmen wie die Personaluntergrenzen, die ab 2019 in besonders sensiblen Bereichen wie Intensivstationen gelten sollen, begrüßt die Gesundheitssenatorin aber dennoch – und würde sie sogar gerne ausweiten. Wie genau und was Hamburg dabei von Kalifornien lernen kann, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg, am Kiosk oder hier.

Was können die neuen Überwachungskameras am Hauptbahnhof?

190 neue Videokameras sollen seit drei Wochen am Hauptbahnhof für mehr Sicherheit sorgen, mit Full HD – und in doppelt so großer Zahl wie bisher. Big Brother bei der Bahn also? Mitnichten, sagt uns Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. "Die alten Kameras waren überholt." Und auch für die größere Anzahl hat Meyer-Lovis eine verblüffend einfache Erklärung: "Die alten Geräte waren sogenannte Dome-Kameras und ließen sich um 360 Grad drehen, die neuen können das nicht." Dennoch hat die neue Technik samt allen neu verlegten Kabeln (19 Kilometer!) insgesamt stolze 1,7 Millionen Euro gekostet. Dafür können die Bahnmitarbeiter in der Zentrale jetzt noch genauer sehen, wie viele Menschen im Fahrstuhl feststecken oder warum es auf einem Gleis zum Tumult kommt. Die Bundespolizei hat außerdem die Möglichkeit, das Videomaterial bis zu 30 Tage zu speichern. "Die Kameras tragen aufgrund der hervorragenden Bildqualität wesentlich dazu bei, Straftaten durch die Identifikation des Täters oder den Nachweis der Tathandlung aufzuklären", so Normen Großmann, Leiter der Bundespolizeiinspektion Hamburg. Außerdem könne das System auch potenzielle Straftäter abschrecken. Daran glaubt Nils Zurawski, der sich als Kriminologe an der Uni Hamburg mit Überwachung beschäftigt, nicht: "Eine präventive Wirkung lässt sich schlecht messen. Selbst wenn nächstes Jahr weniger passiert, wissen wir nicht, ob das an den Kameras liegt." Und dass im Moment die Zahl der Straftaten am Bahnhof bereits rückläufig ist, liegt an etwas anderem: Es sind mehr Polizisten unterwegs.

Jetzt klappt's auch mit der Brücke

Ein umständliches Kapitel im Hamburger Verkehrsbuch wird heute endgültig zugeklappt – und zwar (bitte beachten Sie das Wortspiel und auch die folgenden!) im wahrsten Sinne des Wortes. Denn am Nachmittag soll auch die Retheklappbrücke für die Bahn in Wilhelmsburg endlich in Betrieb genommen werden. (Auf die Bauverzögerungen im Bereich einiger Jahre und die branchenübliche Kostensteigerung von 95 auf 174 Millionen Euro gehen wir an dieser Stelle nicht weiter ein.) Das eigentliche Verkehrshindernis an dieser Stelle ist schon seit Juli vergangenen Jahres beseitigt. Damals wurde die baugleiche Klappbrücke nebenan für Autos freigegeben. Bis dahin teilten sich Bahn und Autos die in die Jahre gekommene Hubbrücke von 1934, mit der Folge, dass die Brücke rund 40-mal am Tag für den Autoverkehr gesperrt war, nämlich immer dann, wenn ein Zug im Anmarsch war. (Selten haben Autofahrer die Bahn so gehasst.) Nun ist alles gut: Die erste Bahnfahrt über die größte Doppelklappbrücke Europas mit ihren 104 Metern Spannweite findet heute gegen 13.30 Uhr statt. Wie der Betreiber, die Hamburg Port Authority (HPA), mitteilte, wird dann ein Sonderzug über die Schienen rollen (so das klappt, seitens der Bahn). Ein Verkehrshindernis gibt es übrigens auch künftig weiterhin: Kommt ein Schiff, müssen Züge und Autos warten, bis die Brücke aufklappt. Und wieder zu. Und so weiter.

Sag mir, wo die Bäume sind

2018 werden in Hamburg erstmals wieder mehr Bäume gepflanzt als gefällt. Im laufenden Jahr wird es noch ein Minus von rund 280 Bäumen geben, was jedoch bereits als großer Fortschritt zu werten ist. Davor betrug die Differenz immer bis zu 2000 Bäume – Jahr für Jahr. Im Prinzip muss jeder gefällte Baum und jede bebaute Grünfläche ersetzt werden, doch vor dieser Verpflichtung kann man sich durch eine Ausgleichszahlung drücken. (So musste die Holsten-Brauerei für ihren Neubau auf einer artenreichen Trockenwiese in Hausbruch dem Vernehmen nach einen sechsstelligen Betrag abdrücken.) Oder man ergreift "Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen", die, so das Bundesnaturschutzgesetz blumig, einen "funktionalen und räumlichen Bezug zu den zu kompensierenden Beeinträchtigungen haben". Dieser Bezug liegt für die Stadt Hamburg manchmal auch jenseits ihrer Grenzen. Von den knapp 1000 Hektar Grünfläche, die in den vergangenen 20 Jahren Autobahnen oder anderen Neubauten zum Opfer fielen, wurden 26 Prozent in Neu Wulmstorf, in der Hörner Au, in Besenhorst, Klein Hansdorf, Hoisbüttel und der Haselau kompensiert. Pflanzen wir, wenn das so weitergeht, irgendwann Wälder in Dänemark? Nein, erklärt Björn Marzahn von der Umweltbehörde, Vorgabe sei, "dass die Kompensation vorrangig innerhalb Hamburgs zu erfolgen hat". Straßenbäume würden zu 90 Prozent an derselben Stelle neu gepflanzt, es sei denn, dort verläuft nun eine Busspur – oder der Baum hat zuvor die Verkehrssicherheit beeinträchtigt.

Speicherstadt für Sofa-Surfer

In der Speicherstadt gibt es ab sofort freies WLAN! Zu verdanken haben wir dies einer neuen App, die gestern von der Behörde für Kultur und Medien vorgestellt wurde: "Speicherstadt digital". Während eines Rundgangs im Unesco-Weltkulturerbe soll man übers Handy Hintergrundinformationen, historische Bilder und sogar Hörspiele abrufen können. Ein erster Test zeigt allerdings, dass man all dies besser schon vorab zu Hause machen sollte. Die Texte sind sehr informativ, aber oft zu lang, um sie kurz (und konzentriert) vor einem Speicher stehend zu lesen. Die vom NDR produzierten "dramaturgisch gestalteten" Hörspiele sind von unterschiedlicher Originalität (muss jeder Speicherstadt-Arbeiter unbedingt Hein heißen?). Nur für die Augmented-Reality-Angebote sollte man tatsächlich vor Ort sein. In diesem Modus werden historische Aufnahmen über die Kamera des Smartphones oder Tablets in die reale Umgebung integriert. Auf den idealen Standpunkt weist angeblich das Handy hin, wenngleich man hierfür besser immer eine aufgeweckte Zehnjährige zur Hand haben sollte, die erklären kann, was ein "Sweetspot" ist. Bis März 2018 lässt sich im Dialoghaus zusätzlich erleben, wie es sich vor 100 Jahren in der Speicherstadt gearbeitet hat: In einer Virtual-Reality-Ausstellung kann man selbst Kohle schaufeln, Waren verladen oder beeindruckend detailgetreu nachgebaute virtuelle Maschinen bedienen.

Die kostenlose VR-Ausstellung wird bis 31.3.2018 im Foyer des Dialoghauses, Alter Wandrahm 4, präsentiert. Um Wartezeiten zu vermeiden, können Termine auf http://www.speicherstadt-digital.de oder unter Tel. 040-309 634 0 vorab gebucht werden

Lesevertiefung

Drei Buchempfehlungen fürs Wochenende ...

 

Kinderbuch Der Maulwurf fragt sich: Warum habe ich keine Freunde? Grübelnd rollt er einen Schneeball durch die kalte Winternacht vor sich her, der größer und größer wird – bis er Hilferufe aus der Schneekugel hört. Ein poetisches und wunderschön illustriertes Bilderbuch.
Sang-Keun Kim: Wenn du Sorgen hast, rolle einen Schneeball. Aus dem Koreanischen von Andreas Schirmer. Beltz & Gelberg, 13,95 Euro

Sachbuch Eindrücke und Begegnungen des Autors Niklas Maak und der Künstlerin Leanne Shapton in Manhattan, die nicht nur Stadtgeschichte dokumentieren, sondern zugleich unsere Gegenwart. Ein besonderer Stadtspaziergang jenseits touristischer Pfade, von der Südspitze bis zur Nordspitze an der 220th Street.
Niklas Maak, Leanne Shapton: Durch Manhattan. Carl Hanser Verlag, 25 Euro

Erzählungen Geprägt von einem präzisen Blick auf die Innen- und Außenwelt seiner Protagonisten, versammelt dieser Band 17 Erzählungen des britischen Schriftstellers und Übersetzers und ermöglicht erstmals einen Zugang zu seinem erzählerischen Werk in deutscher Sprache. Großartig!
David Constantine: Wie es ist und war. Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Kunstmann, 24 Euro

ausgewählt von Anja Wenzel, Schweitzer Fachinformationen Boysen & Mauke oHG, Mitte

 

FairSchenken

Türchen 11

Summ, summ, summ. Unter dem Weihnachtsbaum schwirrt ein Schwarm, aber nicht leibhaftig: Mit einer Bienen-Patenschaft haben Sie DAS Präsent für Honig- und Naturliebhaber gefunden. Der Beschenkte bekommt regelmäßig Informationen und Fotos seines hanseatischen Volks, außerdem ein Zertifikat der Patenschaft. Dazu dieser schmackhafte Name: Golden Girls Honey. Unwiderstehlich! Das Projekt umsorgt Bienen von der Schwarmkontrolle über die Honigernte bis zur Behandlung mit Medikamenten. Der Beitrag fließt in den Erhalt der Großstadt-Bienen.

Was geht

Big Bang: Was ist eigentlich der Ursprung unserer Welt? Wie sieht die Zukunft des Universums aus? Und was sagt das Universalgenie Albert Einstein dazu? Einen Streifzug durch die Geschichte samt Ausblick liefert Karsten Büßer vom Forschungszentrum Desy im Programm "Einstein und der Urknall – Geschichte und Zukunft unseres Universums".

Planetarium Hamburg, Linnéring 1, 19.30 Uhr, 11 Euro

Geistliche Klänge: Beim Adventskonzert der Schola Gregoriana des Mariendoms gibt es – natürlich – gregorianische Gesänge zu hören. Dazu spricht der emeritierte Erzbischof Werner Thissen geistliche Worte. Und bald brennt die dritte Kerze am Adventskranz.

St. Marien-Dom, Am Mariendom 7, 20 Uhr, Eintritt frei

Was kommt

Feliz Navidad: Handgemachte Produkte zum Sehen, Schmecken und Kaufen gibt es beim Lateinamerikanischen Weihnachtsbasar. Für alle, die noch auf Geschenkesuche sind. Und am Abend soll das weihnachtliche Treiben dann in eine Party mit Live-Musik übergehen. Olé!

cantina fux & ganz, Bodenstedtstraße 16, Sa, 11–24 Uhr, und So, 11–18 Uhr

Kult-Kino: Wenn Heinz Rühmann als "Pfeiffer mit drei f" über die Leinwand flimmert, wissen alle Fans der "Feuerzangenbowle", was zu tun ist. Deshalb haben sie auch einen Wecker, eine Taschenlampe und Wunderkerzen dabei. Für Neueinsteiger gilt: Ausrüstung bitte mitbringen, der Rest wird erklärt.

Die Halle, Stockmeyerstraße 43, Sa, 19 Uhr, 7 Euro

Fest-Klassiker:Charles Dickens' Erzählung vom kaltherzigen Geschäftsmann Ebenezer Scrooge, der durch die Besuche einiger Geister sein Leben ändert, gehört vor den Feiertagen dazu. Die Thalia-Theater-Schauspieler Victoria Trauttmansdorff, Jörg Pohl und Wolf-Dietrich Sprenger lesen "A Christmas Carol – Ein Weihnachtslied", Jonas Landerschier begleitet sie musikalisch am Flügel.

Thalia Theater, Alstertor, Sa, 20 Uhr, ab 9 Euro

Jazz-Ladys: Wenn gleich drei Hamburger Jazzsängerinnen – Beate Kynast, Sylvia Lee und Stella Mohn – zusammen auf der Bühne stehen, muss das einen besonderen Anlass haben. Und den gibt es: "Celebrating Ella Fitzgerald" heißt der Abend für die "First Lady of Song", die in diesem Jahr 100. Geburtstag gefeiert hätte. Das swingt!

Birdland, Gärtnerstraße 122, Sa, 21 Uhr, 14 Euro

Konzert mit Herz: Das große Benefizkonzert für das Straßenmagazin Hinz&Kunzt trägt den Titel "Drei Chöre, ein Jazz-Duo und jede Menge Weihnachten". Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Es treten auf: der Kammerchor St. Pauli, der St. Pauli Projektchor, das Ensemble globalvocal und das Jazz-Duo San Glaser und Arnd Geise.

St. Pauli Kirche, Pinnasberg 80, So, 19 Uhr, Eintritt frei, Spenden erwünscht

Hamburger Schnack

Zwei Frauen mittleren Alters unterhalten sich über den Stand ihrer Weihnachtseinkäufe. Die eine erklärt, nicht ohne Stolz, sie sei in diesem Jahr schon wirklich ziemlich weit. Die andere seufzt darauf: "Oh, bei mir fehlt immer noch sooo viel!" Nach zwei Sekunden Denkpause entert ein Lächeln ihr Gesicht: "Obwohl: Gestern in der Mittagspause habe ich vier Leute erledigt. Das ging zack, zack!"

 

Gehört von Joachim Schühlein

Meine Stadt

Es wettleuchtet nicht nur weihnachtlich in der Stadt. Hamburg feiert seit Dienstagabend auch Chanukka, das jüdische Lichterfest. © Armin Stroiakovski

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Am Montag begrüßt Sie an dieser Stelle Sigrid Neudecker.

Ihr Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.