Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

zum Anfang dieser Woche schnell zwei Hinweise in eigener Sache:

1. Heute Punkt Mitternacht endet die Einsendefrist für unser großes Eis-Battle. Klassen ab der vierten und Gruppen ab 5 Kindern, die noch schnell in einem 30-Sekunden-Clip uns und der Hamburger Welt erklären wollen, warum ihre Lieblingseisdiele die beste ist: Das ist eure letzte Chance, Eisschlemmen satt zu gewinnen! (Übrigens, lieber Leser P.V.: Mag sein, dass man immer so jung ist, wie man sich fühlt – aber mit 34 ist man definitiv kein Kind mehr…)

2. Einer meiner Bekannten hat das Wochenende genutzt, um sein Auto, sein Fahrrad und das Fahrrad seiner überraschten Frau mit kleinen Deutschlandflaggen zu versehen. Daraufhin startete die Frau eine Telefonrunde mit ihren Freundinnen, um zu eruieren, ob sie mit ihrem derart bewimpelten Fahrrad eher positiv oder eher negativ auffallen würde – kurz: Es sind nur noch wenige Tage bis zum Start der Fußball-WM. Und da der Herr namens Trump wenigstens diese noch nicht per Ego-Tweet über den Haufen geworfen hat, hier noch mal unser Aufruf: Machen Sie mit bei unserem WM-Tippspiel: Anmelden kann sich hier ab sofort jede(r) Abonnent und/oder Freundin der ZEIT. Und jede, die das noch nicht ist, kann sich von einem Freund einladen lassen … Tippen kann man/frau allein oder auch im Team (wie das genau geht, lesen Sie hier) unter anderem gegen die Redakteure der ZEIT und der ZEIT:Elbvertiefung. Als Preis für die beste Tipperin oder den besten Tipper winkt eine Kreuzfahrt von Hamburg nach Southampton mit der "Norwegian Cruise Line", das beste Team bekommt eine Spirituosen-Sonderedition ZEIT-Geist (für die geistige Erbauung, die Sie hier zu Recht erwarten), und unter allen Teilnehmern, die mindestens sechs Tipps abgeben, werden wundervolle ZEIT-Kaffee-Editionen der Torrefaktum Kaffeerösterei verlost, die das ZEIT Café bei uns im Redaktionsgebäude betreibt. Mehr dazu hier. Also, ran an den Ball, solange er noch rund ist ...

Melanie Leonhard bleibt Hamburgs SPD-Chefin

Mit knapp 95 Prozent Zustimmung bleibt Melanie Leonhard Landesvorsitzende der Hamburger SPD. Beim ersten ordentlichen Landesparteitag nach dem Weggang von Olaf Scholz votierten 275 Delegierte für Leonhard.13 Mitglieder stimmten am Sonnabend gegen sie, zwei enthielten sich. Gegenkandidaten gab es keine. Die 40 Jahre alte Harburgerin war bereits im März Nachfolgerin von Scholz geworden, der wegen seines Wechsels in die Bundesregierung den Hamburger Parteivorsitz und sein Bürgermeisteramt abgegeben hatte. Auch Scholz war zum Parteitag ins Bürgerhaus Wilhelmsburg gekommen. Um unsere Stadt mache er sich keine Sorgen, sagte der jetzige Finanzminister und Vizekanzler: "Hamburg ist bei der SPD in sehr guten Händen." Im kommenden Jahr stehen die Bezirkswahlen an, die Bürgerschaft wird Anfang 2020 neu gewählt. Eine Umfrage hatte die SPD Hamburg im April bei 36 Prozent gesehen, neun Prozent weniger als bei der Bürgerschaftswahl 2015.

Initiative "Tschüss Kohle" macht ersten Schritt zum Volksentscheid

Und auch für die Sozialdemokraten liegen bis zur Wahl noch konfliktträchtige Themen an. Zum Beispiel die Forderungen der Hamburger Volksinitiative "Tschüss Kohle". Am Freitag übergab die der Senatskanzlei 22.494 Unterschriften für einen zügigen Kohleausstieg. Damit ist der erste Schritt zum Volksentscheid getan, nun wird sich die Bürgerschaft mit dem Gesetzentwurf der Initiative befassen müssen. Der sieht eine Änderung des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes und des Wegerechts vor, will einen Ausstieg aus der Kohleverbrennung für Fernwärme bis 2025 und bei der Stromproduktion bis 2030 erreichen. Dann wäre kein neuer Leitungsbau für Wärme aus Kohleverbrennung mehr möglich; auch die von Vattenfall beantragte Verbindung vom Kohlekraftwerk Moorburg zum Fernwärmenetz bliebe verwehrt. "Hamburg steht jetzt vor der Entscheidung: Klimaschutz oder noch viel zu lange Kohle verbrennen", so Wiebke Hansen, Sprecherin der Initiative. Die Stadt müsse ihren Teil zum Klimawandel beitragen, baldmöglichst ein entsprechendes Gesetz beschließen. Alternativ droht "Tschüss Kohle" mit einem Volksbegehren im Spätsommer 2019 und einem Volksentscheid 2020.

Taugt St. Pauli zum Unesco-Kulturerbe?

Was als Spinnerei der Projektgruppe "Große Freiheit am Tag des offenen Denkmals" begann, entwickelt eine Eigendynamik: St. Pauli diskutiert über seine Chancen, sich zum immateriellen Unesco-Kulturerbe zu mausern. So verrückt die Vision im ersten Moment klinge, so ernsthaft sei ihr Hintergrund, erklärt Julia Staron von der Initiative "#Kulturerbe-St. Pauli". Die Gruppe wolle den Stadtteil von einer anderen Seite als der rot- und zwielichtigen zeigen: "Als kreativen Kraftort, als Ort unglaublicher und historisch über 400 Jahre gewachsener kultureller Vielfalt." St. Pauli könnte sich damit einreihen in bereits anerkannte Güter wie deutsche Genossenschaften, indisches Yoga oder die kubanische Rumba – "lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen werden", erklärt die Unesco. Dazu zählen etwa Tanz, Theater, Musik, Bräuche. Was aber kann, was weiß St. Pauli? Welche "kulturelle Ausdrucksform" gilt es hier zu bewahren? Das wollen Staron und ihre Mitstreiter ab heute mithilfe einer ersten "Phase der Bürgerbeteiligung" klären. Der alles entscheidende Punkt: Was ist denn eigentlich dieses St. Pauli? Passend zum Anlass diskutieren die Aktiven im Silbersack; die Kultkneipe allein gilt manchem schon als höchstes Kulturerbe, auch in flüssiger Form.

Was denken Sie? Soll St. Pauli – oder nicht? Stimmen Sie hier ab: "St. Pauli als immaterielles Unesco-Kulturerbe – Schnapsidee oder Chance?"

Zum Silbersack, Silbersackstraße 9, 14.30 Uhr; Fragebogen für Anwohner und Fans des Stadtteils online.

"Der HSV muss wirtschaftlich kleinere Brötchen backen"

Mal heißt es, er sei der größte Freund des HSV, dann wiederum äußert Investor Klaus-Michael Kühne harsche Kritik an dem Fußballclub. Trotzdem stellt der Milliardär jetzt weiteres Geld in Aussicht, will seine Beteiligung an der HSV Fußball AG um bis zu zehn Prozent aufzustocken. Vorstandschef Bernd Hoffmann erteilte der Anfrage gegenüber NDR 90,3 gestern bereits eine Absage. Wie aber kommt das Hin und Her bei Fans an? Mirko Voß, Vorstandsmitglied des ältesten Fanclubs Rothosen, beobachtet das Geschehen kritisch.

Elbvertiefung: Herr Voß, ein Geldsegen ist doch immer was Feines. Freuen Sie sich über den Wunsch von Herrn Kühne, noch mehr in den HSV zu investieren?
Mirko Voß:
 Nein, das Grundverhalten von Herrn Kühne stößt bei den meisten von uns schlecht auf. Er knüpft seine Millionen schließlich an Bedingungen, mischt sich als Investor zu viel in die Vereinspolitik ein.

EV: Zum Beispiel?

Voß: Er will bei der Auswahl der Spieler mitreden, dabei müssten das Fachleute entscheiden. Als Kühne damals etwa für viel Geld van der Vaart zurückgeholt hat, hat das dem Verein sportlich nichts gebracht.

EV: Falls Herr Kühne seine Beteiligung auf mindestens 25 Prozent erhöht, hätte er noch mehr Gelegenheit zum Mitmischen – eine Sperrminorität würde ihn in maßgebliche Entscheidungen einbinden.

Voß: Genau das wollen wir nicht, vollkommen in der Hand eines Wirtschaftsexperten sein. Bisher hat das viele Geld allein ja auch nicht geholfen. Erst sind wir auf der Stelle getreten, jetzt sogar abgestiegen. Und wenn der Investor irgendwann keine Lust mehr hat, bricht alles zusammen – das darf nicht passieren.

EV: Fußball funktioniert heutzutage nur leider nicht ohne das große Geld. Was würden Sie Ihrem Verein raten?

Voß: Es müssen mal wirtschaftlich ein bisschen kleinere Brötchen gebacken werden, das können andere Clubs wie Augsburg auch. Außerdem ist das Stadion in zwei Jahren abgezahlt, dann sieht die wirtschaftliche Lage schon anders aus. Aktuell haben wir einen guten Kader, mit dem wir den Aufstieg schaffen können. Das ist um jeden Preis wichtig, aber mit den richtigen Leuten.

EV: Nicht mit Herrn Kühne? Er sagt von sich selbst, er sei von Kindesbeinen an Fan des HSV.

Voß: Das nehme ich ihm nicht ab. Er ist viel zu weit weg von Hamburg, lebt in der Schweiz. Da kriegt er doch überhaupt nicht mit, was hier tagtäglich passiert.

Kanja starb an tödlichem Virus

2012 trauerte Hagenbecks Tierpark um die Totgeburt von Elefantendame Salvana, 2017 verhungerte deren Baby Püppi, vermutlich wegen eines gebrochenen Kiefers. Jetzt steht auch die Todesursache des Hamburger Elefanten-Jungbullen Kanja fest, der am vergangenen Mittwoch völlig überraschend zusammengebrochen und verstorben war: Er litt an einem tödlichen Herpesvirus. Die Obduktion habe ergeben, dass der erst zweieinhalb Jahre alte Elefant am hochaggressiven Virus EEHV-1 erkrankt war, teilte der Tierpark mit. Wenn diese Form des Herpes bei Elefanten ausbräche, schädige er innerhalb kürzester Zeit die inneren Organe derart, dass das Herz-Kreislauf-System der Tiere versage. Seit 1988 seien in europäischen Zoos etwa 30 Elefanten an Herpes gestorben.

Mittagstisch

Das große Miteinander

 

Der Dielenboden zeugt von langen Feiernächten, kein Wunder, hat doch das Frau Möller seit 35 Jahren täglich quasi rund um die Uhr geöffnet, nur in den Morgenstunden schließt es kurz. Holztische aller Couleur, Deko, die man urig nennen könnte oder angestaubt, der ganze Raum wirkt angeschrammelt – wie etwas, das gerne und häufig genutzt wird. Die Service-Crew ist fröhlich, das Publikum bunt zusammengewürfelt: Während am Tresen schon das erste frisch gezapfte Bier des Tages genossen wird, sitzen draußen an Bierbänken in der Sonne späte Frühstücker; dazu gesellen sich Familien mit Kindern, Touristen aus aller Welt, Anwohner und Angestellte aus den nahen Büros. Zu Essen gibt es eigentlich alles – von Salat über (Bio-)Bratkartoffeln, Nudelgerichte, Aufläufe, Labskaus, Suppe oder Burger (alle Gerichte um die 7 Euro), dazu kommen Tagesangebote. Der Burger "New York" (7,90 Euro) mit Rinderhacksteak, Spiegelei, Speck und Salatbeilage sowie einem Haufen eleganter, knuspriger Pommes ist simpel und macht satt. Ein seltener Ort der Gemeinschaftlichkeit.

 

St. Georg, Frau Möller, Lange Reihe 96, Mo–Fr geöffnet ab 11.30 Uhr; Sa, So ab 11 Uhr

 

Elisabeth Knoblauch

Was geht

China lesen: Die chinesische Literatur der Gegenwart brilliert vor allem mit Dichtern, zum Beispiel Wang Jiaxin. Sein Übersetzer Wolfgang Kubin bezeichnet ihn als Poet des Menschen; in einfacher Sprache schreibt der Wahlpekinger über das Los der Chinesen in einer sich stetig verändernden Welt. Lesetour: "Wang Jiaxin und Wolfgang Kubin – Dichter und Übersetzer".

Zentralbibliothek, Hühnerposten 1, 18.30 Uhr, 8 Euro, Anmeldung online

Gipfelsturm mit Krebs: Hunderte von Brustkrebs Betroffene steigen auf das 4162 Meter hohe Breithorn bei Zermatt. Mit Herausforderungen und Grenzerfahrungen kennen die Frauen sich aus. Sie erzählen von der Neuentdeckung eigener Ressourcen und von Solidarität, aber auch von Ohnmacht und Ausgrenzung. "Rope of Solidarity", ein Dokumentarfilm der Altonale, der voller Enthusiasmus vom Leben erzählt. Zu Gast: Filmemacherin Gabriele Schärer.

Café Bergtags, Große Bergstraße 160, 19.30 Uhr, Spenden erbeten

Was kommt

Über den Berg: Gipfel sind nur was für Profis? Von wegen: Beim "Klettersteig-Workshop für Flachlandtiroler" wuchtet Expertin Sonja Röhricht Hamburger über den Berg. Sie hilft bei der Auswahl und Planung erster Touren, bei der richtigen Ausrüstung und mit praktischen Übungen am Mini-Klettersteig.

Nordwandhalle, Am Inselpark 20, 13.+27.6., 18.30–22.30 Uhr, 54 Euro

Syrische Vielfalt: Syrien bedeutet nicht nur Krieg und Zerstörung, sondern auch Kultur und Menschlichkeit. Der "Raum für Syrien" zeigt die Vielfalt des Landes unter anderem mit Workshops des Illustrators Fares Garabet, dem Theaterstück "Inside Out – Grenze?" und dem Dialog "Hewar" (Lina Atfah und Aref Hamza).

Fabrik, Barnerstraße 36, Sa, VVK 22 Euro;

11–14 Uhr, Anmeldung unter info@saliba.de; Theater 16.15 Uhr; Dialog 18–20 Uhr

Malle in Hamburg: Schatzi, schenk mir ein Foto – oder doch lieber ein Bett im Kornfeld? Bei "Hamburg Olé" treffen sich Entertainer von Mickie Krause über Jürgen Drews bis Michael Wendler und Michelle. Malle is’ (zum Glück?) nur ein Mal im Jahr!

Trabrennbahn Bahrenfeld, Luruper Chaussee 30, VVK 25,90 Euro

Hamburger Schnack

Im großen Saal der Elbphilharmonie: Zwischen zwei Sätzen eines Konzerts fängt ein Teil des Publikums an zu klatschen. Abonnentin herablassend tuschelnd zur Begleitung: "Das sind die, die mit dem Bus angekarrt werden!"

 

Gehört von Raphaela von Dechend

Meine Stadt

In der Buchhandlung Cohen+Dobernigg sind Ihre Daten gut aufgehoben © Daniela Dobernigg

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.