Kathrin Fromm © Gretje Treiber

Guten Morgen,

es gibt Tage, da passiert so viel in der Stadt, dass es auch für zwei Newsletter reichen würde. So ein Tag war gestern. Weil wir Ihnen natürlich keine Nachrichten vorenthalten wollen, hier ein kurzer Überblick, was sonst noch war, bevor Sie dann weiter unten – wie gewohnt – die anderen Meldungen lesen:

Ein neuer Biotopverbund soll die Grünflächen der Stadt sichern und vernetzen, das hat der Senat beschlossen. Der Verbund soll sich auf rund 23 Prozent der Stadt erstrecken und alle Naturschutzgebiete sowie einige Landschaftsschutzgebiete umfassen. Auf diesen Flächen darf künftig nur noch gebaut werden, wenn Senat und Bürgerschaft zustimmen.

Bei der Handelskammer hat es weitere Rücktritte gegeben. Nach dem Präses Tobias Bergmann am Sonnabend haben auch vier seiner sechs Stellvertreter ihren Rückzug angekündigt. In einer Sondersitzung des Plenums am 24. Januar soll eine neue Spitze gewählt werden. Die vier ehemaligen Stellvertreter kündigten dazu an: "Wir behalten uns vor, erneut als Vizepräses oder Präses zu kandidieren."

In Eimsbüttel ist eine mutmaßliche IS-Anhängerin festgenommen worden. Der 40-Jährigen wird vorgeworfen, Pläne für einen großen Terroranschlag in Deutschland unterstützt zu haben. Sie soll sich unter anderem dazu bereit erklärt haben, einen Attentäter bei sich aufzunehmen und zu heiraten. Die Frau soll spätestens heute dem Haftrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden.

Außerdem läuft seit gestern die dreitägige Generaldebatte über den Doppelhaushalt 2019/20 in der Bürgerschaft. Bis morgen Abend soll alles unter Dach und Fach sein. Der Senat plant Ausgaben von mehr als 31 Milliarden Euro. Die Opposition findet das entweder zu viel, falsch verteilt oder beides – und nutzt die Generaldebatte zur Generalabrechnung. Insgesamt haben die Fraktionen rund 220 Änderungsanträge zum Haushalt vorgelegt. 55 davon kommen von SPD und Grünen, haben also die besten Chancen, umgesetzt zu werden.

Und weiter geht’s mit noch mehr Nachrichten ...

Airlines und Umweltschützer vereint gegen Flughafen-Ausbau

Der Hamburger Flughafen wächst. Der Airport will in den nächsten Jahren 384 Millionen Euro investieren und unter anderem neue Gates und eine neue Gepäckanlage bauen. Kritik dafür kommt nicht nur von Umweltschützern und Fluglärmgegnern – sondern auch von den Airlines. Im "Hamburger Abendblatt" hatte Ralf Teckentrup, Chef der Fluglinie Condor und Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften, den Ausbau bemängelt. Der Flughafen baue zu viel Infrastruktur in einer Zeit auf, in der diese Kapazitäten noch gar nicht gebraucht würden. Für die Airliner wohl aber das tatsächliche Übel: Das Fliegen würde teurer werden – um 55 Cent pro Passagier. Auch die Umweltschutzorganisation BUND forderte, das Bauvorhaben müsse umgehend gestoppt werden. Aber damit nicht genug: Flughafenchef Michael Eggenschwiler solle abdanken. Er habe versucht, mit Einzelgenehmigungen für mehrere Ausbauschritte ein gesetzlich vorgeschriebenes Planfeststellungsverfahren zu umgehen. Das sei rechtlich nicht haltbar. Kurz: Die Aufregung ist groß! Eggenschwiler selbst verteidigte gestern die Pläne. Schon heute sei es zu eng in den Warteräumen und Terminals für die jährlich 17 Millionen Passagiere. In den kommenden Jahren rechnet er mit etwas mehr als zwei Prozent Zuwachs jährlich, das wären jedes Jahr 350.000 bis 400.000 Passagiere mehr. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Fluggäste um mehr als 37 Prozent gestiegen. Gemotzt wird also viel, geflogen noch mehr – trotz aller Öko-Debatten.

Frühere HSH Nordbank streicht Hunderte Stellen

Die HSH Nordbank, künftig Hamburg Commercial Bank, baut nach der Übernahme durch US-Investoren massiv Stellen ab. Von 1600 Arbeitsplätzen, die nach den bislang vereinbarten Plänen im Sommer noch übrig sein sollten, fallen nochmals mehr als 600 weg, teilte die Bank gestern auf Betriebsversammlungen in Kiel und Hamburg mit. Am Ende werde man noch rund 930 Mitarbeiter beschäftigen, umgerechnet auf Vollzeitstellen. In Hamburg sollen künftig noch 640 bis 670 Mitarbeiter tätig sein, bislang waren es 950. Den Standort Kiel trifft es noch härter. Dort bleiben nur rund 200 von derzeit fast 700 Stellen übrig. Der Stellenabbau zieht sich durch alle Bereiche und Ebenen der Bank. Er sei wesentlich darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Aufgaben wegfallen und schlicht nicht mehr erledigt werden müssten, wie zum Beispiel das Management der komplizierten Ländergarantie und zahlreicher abgegebener Schiffskredite. Zudem trennt sich die Bank von einer Reihe von Geschäften, zum Beispiel der Vermögensverwaltung. Lediglich 215 der Stellen würden gestrichen, um die Effizienz zu steigern. Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete den Personalabbau als "Desaster". Der Sprecher des Landesbezirks Nord, Frank Schischefsky, forderte eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die betroffenen Mitarbeiter, an der sich die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein ebenso beteiligen sollten wie die Investoren und die Bank selbst.

Gedenkort im Stadthaus soll einen Mitarbeiter bekommen

Wie kann Hamburg angemessen umgehen mit der Vergangenheit des Stadthauses als Polizei- und Gestapo-Zentrale während der Nazi-Zeit? Die Debatte um die Erinnerungskultur dort schwelt schon seit Längerem. Ein Hauptstreitpunkt ist, ob überhaupt genügend Platz da ist (wir berichteten). Die ganze Gemengelage hat kürzlich auch der ehemalige Polizeipräsident Wolfgang Kopitzsch – einer der Kritiker – den Kollegen von ZEIT:Hamburg in einem Interview dargelegt. Gestern gab es auf jeden Fall Neuigkeiten von der rot-grünen Regierungskoalition, die sich dafür einsetzen will, eine Stelle für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu schaffen. Dieser soll unter anderem Führungen und Veranstaltungen organisieren und die Ausstellung weiterentwickeln. Allerdings wird der Mitarbeiter voraussichtlich nicht direkt im Stadthaus sitzen, sondern eher in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. "Mit unserem Antrag greifen wir einen Vorschlag aus dem Beirat für den Geschichtsort Stadthaus auf", betont Isabella Vértes-Schütter, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Die Kritiker begrüßen das auch: "Die Schaffung einer wissenschaftlichen Stelle ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung", sagte uns Uwe Leps vom Förderkreis Stadthaus. Allerdings gibt es für ihn und seine Mitstreiter weiterhin ein großes Aber. Ein wesentlicher Fortschritt wäre es, wenn die Kulturbehörde in "ernsthafte Verhandlungen" mit dem Investor Quantum eintreten würde – "über die Einrichtung eines Lernortes, der diesen Namen auch verdient", so Leps. Durch einen Mitarbeiter lässt sich der Konflikt um die Größe der Gedenkstätte eben nicht so einfach beigelegen.

Weggewischt: Aus für "Schotty"

Es hat sich ausgefeudelt für den "Tatortreiniger"! "Schotty" alias Bjarne Mädel hängt seinen weißen Overall an den Haken. Dienstag und Mittwoch kommender Woche werden die letzten vier Folgen ausgestrahlt, danach soll es das wirklich gewesen sein – nach knapp sieben Jahren. Drehbuchautorin Ingrid Lausund, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Mizzi Meyer, will nicht mehr und bleibt konsequent. Der Grund ist banal und hat einmal nichts mit Zahlen zu tun, vielmehr sei es immer schwerer geworden, neue Geschichten zu finden. "Es ist gut, jetzt aufzuhören, wo wir noch alle traurig darüber sind", erklärt sie. Und so hat auch der NDR nicht verhindern können, dass es sich für den Virtuosen an der Blutlache ausphilosophiert hat – obschon man, versichert Spielfilmchef Christian Granderath, viel versucht habe. Auch Hauptdarsteller Bjarne Mädel hätte "gern noch die ein oder andere Sauerei weggemacht", verglich das Ende gar mit einem Abschied von einem guten Freund: "Bei Schotty ist es so, als wäre jemand gestorben, den ich persönlich gut kenne und den ich jetzt verlieren muss." Unsere Kollegin Sigrid Neudecker hat einen ganz persönlichen Nachruf zum Abgang von Tatortreiniger Heiko Schotte aus der deutschen Fernsehlandschaft verfasst, nachzulesen auf den Hamburg-Seiten der neuen ZEIT, die es ab Donnerstag am Kiosk und digital gibt.

Eine volle Dröhnung "Tatortreiniger" gibt es noch einmal ab morgen, wenn alte Folgen wiederholt werden. Die letzte Staffel wird dann am 18. und 19. Dezember beim NDR ausgestrahlt, jeweils ab 22 Uhr.

Was macht Hamburg zu Ihrer Heimat, Ingo C. Peters?

Ingo C. Peters © Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg

"Die Innovation und Weltoffenheit der Hansestadt, verbunden mit ihrer Geschichte und ihren noch heute gültigen, traditionellen Werten, ist einzigartig. Ich bin glücklich, in Hamburg aufgewachsen zu sein, und habe mich damals wie heute sehr über meine Rückkehr an die Binnenalster gefreut. Das nordische Flair, der Charme der Stadt selbst sowie Alster und Elbe machen Hamburg für mich persönlich zu der schönsten Stadt der Welt. Sowohl beim Joggen um die Alster als auch auf dem Segelboot bin ich – ebenso wie im Vier Jahreszeiten – einfach zu Hause."

Ingo C. Peters, 56, leitet seit mehr als 20 Jahren das Hotel Vier Jahreszeiten.

Mittagstisch

Feurige Tacos

Noch eine Serviette, bitte! Am besten, Sie lassen sich gleich zu Beginn zeigen, wie man die kleinen, prall gefüllten Teigfladen isst – zur Not steht Besteck zum Aufsammeln der Einzelteile bereit. Der Kalifornier Chris und seine Freundin Livia haben im Oktober das Pop-up-Restaurant Tacos Happn in einer Eisdiele eröffnet, die jetzt mit Kakteen-Motiven und bunten Lichterketten dekoriert ist. Die leckeren kleinen Fladen aus Maismehl werden frisch mit Füllungen von "slow cooked" Schweineschulter, Rind oder Sojaschnetzel und scharf-aromatischen Zutaten wie hausgemachter Tomatensalsa gefüllt. Aber Vorsicht, sollten Sie versuchen, die Schärfe mit dem Mango-Ananas-Smoothie zu löschen: Der enthält ebenfalls Chili. Sogar das Popcorn, welches auf den Tischen in dem winzigen Lokal steht, ist feurig gewürzt. Im Menü gibt es zwei Tacos für 7,70 Euro und drei für 10,80 Euro, jeweils inklusive eines kleinen Getränks. Wirklich gelungen ist dieser erste Gastro-Versuch für die beiden Betreiber mit einer Passion für Essen!

Tacos Happn Pop-up Store; Karolinenviertel, Marktstraße 25, Mo–Fr, 12 bis ca. 16 Uhr, Sa ab 14 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

O du schunkelige: Glühwein, Lagerfeuer, Lalelu. Wahre Weihnachtsidylle schlägt heute in die Zinnschmelze ein: Beim "Feierabendsingen – die Weihnachtsedition" trällern Gäste mit Gesangslehrerin Susanne Etmanski. Das öffentliche Musizieren verabschiedet sich anschließend bis zum Frühjahr in die Winterpause.

Zinnschmelze, Bert Kaempfert Platz / Museum der Arbeit, 18–19 Uhr, Spenden erbeten

Freund Schmidt:Helmut Schmidt und Kurt A. Körber waren Freunde, nutzten ihre Beziehung aber auch geschäftlich. Körber etwa bekam mit Schmidt ein "Zugpferd" für stifterische Initiativen, der Politiker wiederum griff im eigenen Wahlkreis auf Körbers Hilfe zurück. Josef Schmid konzentriert sich im öffentlichen Vortrag auf diese Wechselwirkung: "Eine wirkliche Freundschaft? Der Politiker Helmut Schmidt und der Unternehmer und Stifter Kurt A. Körber".

Universitätsbibliothek, Vortragsraum, 1. Etage, Von-Melle-Park 3, 18–20.30 Uhr

Mucke für die Seele: Nach Ausflügen gen Pop, Disco und Rock konzentriert sich die Band Mamas Gun aus London nun ganz auf ihr Ursprungs-Genre. "Golden Days" heißt die neue Scheibe, geflossen aus der Feder von Gründer, Sänger, Komponist und Produzent Andy Platts. Die Platte beschwört "seelische" Zeiten herauf: Soul, Soul, Soul!

Molotow, Nobistor 14, 19 Uhr, 19 Euro

Hamburger Schnack

Ein Junge blickt auf ein Foto, das eine Mannschaft des HSV aus den Achtzigerjahren zeigt. "Es ist so schade, dass ich nicht früher geboren wurde", sagt er betrübt und fügt hinzu: "Da hat der HSV noch hier am Rothenbaum trainiert und war noch erfolgreich."

Gehört von Sabine Wiebers

Meine Stadt

Lichterketten kann ja jeder. Am Schlump dekoriert man dieses Jahr stattdessen mit Taubenkette. © Gabriele Hasler

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihre Kathrin Fromm

 

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