Rausgehen, mit Routinen brechen, einfach mal was anderes machen: So könnte man Christo Foersters Idee knapp zusammenfassen. In seinem Buch "Mikroabenteuer" beschreibt der Motivationstrainer, wie wir mit kleinen Fluchten aus dem Alltagstrott das Leben aufregender gestalten können. Sollen wir jetzt alle den nächsten Berggipfel erklimmen? Und warum braucht es überhaupt einen neuen Namen dafür, das Gewohnte hinter sich zu lassen?

ZEIT ONLINE: Denkt man an Abenteuer, denkt man an unbekannte Welten und große Entdecker. Doch was bitte sind Mikroabenteuer?

Christo Foerster: Da geht es vor allem darum, aus der eigenen Komfortzone zu kommen, Herausforderungen anzunehmen und diese in der direkten Umgebung zu suchen. Das zu entdecken, was vor den eigenen Füßen liegt. Dafür braucht man kein großes Budget oder viel Urlaub, auch die Destination ist nicht so wichtig.

ZEIT ONLINE: In anderen Worten: Man geht vor die Haustür und schaut sich um. Das soll Spaß machen?

Foerster: Tatsächlich ist es so, dass man alles, was man sich von einem großen Abenteuer erwartet und an ihm schätzt, auch im Kleinen finden kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass in der Idee des Mikroabenteuers noch etwas viel Wertvolleres liegt als im großen Abenteuer – nämlich, den Alltag neu zu denken. Das Mikroabenteuer lässt sich auch in eine volle Arbeitswoche integrieren. Was in Hamburg zum Beispiel immer geht: aufs Wasser, die Flüsse erkunden! Wir sind einmal viele Stunden lang den Alsterlauf abgefahren. Das geht mit Stand-up-Paddling-Board, Kanu oder Kajak.

ZEIT ONLINE: Sie selbst sind schon mal spontan über Nacht von Hamburg nach Berlin geradelt – das war eher eine größere Aktion. Wo fängt ein Mikroabenteuer an und wann wird’s Makro?

Foerster: Was ein kleines, ein großes oder überhaupt ein Abenteuer ist, lässt sich unmöglich definieren. Das beginnt bei jedem Einzelnen woanders. Ich habe für mich persönlich aber ein paar Regeln aufgestellt. Ich schlafe immer draußen, ohne Zelt. Ich benutze weder Auto noch Flugzeug. Und ein Mikroabenteuer dauert für mich mindestens 8 und maximal 72 Stunden. Außerdem ist die Herausforderung wichtig. Das heißt nicht, dass es immer höher, schneller, weiter gehen muss, denn so läuft es ja oft schon im Alltag. Eine Herausforderung kann es auch sein, sich 24 Stunden im 100-Meter-Radius aufzuhalten und alles ganz intensiv wahrzunehmen.

Christo Foerster ist Diplom-Sportwissenschaftler, Motivationstrainer und Autor des Buchs "Mikroabenteuer". © Torsten Kollmer

ZEIT ONLINE: Diese Abenteuer sind also auch für Anfänger ohne Kondition geeignet, ohne Campingequipment?

Foerster: Gerade für Anfänger oder Menschen, die gern draußen sind, aber so etwas lange nicht mehr gemacht haben, sind Mikroabenteuer spannend. Zum Einstieg kann man doch einfach mal draußen übernachten, ohne Zelt. Dafür muss man auf keinen Berggipfel steigen. Das geht auch im eigenen Garten.

ZEIT ONLINE: Damit wird das Rad aber nicht unbedingt neu erfunden ...

Foerster: Es übernachtet kaum einer einfach mal so im Freien, obwohl das einen ganz besonderen Zauber hat. Aber ja, erfahrene Outdoorsportler schmunzeln vielleicht darüber und fragen sich, warum man solchen Aktivitäten jetzt einen neuen Namen geben muss. Ich verstehe das, habe aber bei mir selbst gesehen, dass diese Idee extrem motivieren kann.

ZEIT ONLINE: Motivation ist ein gutes Stichwort. Auf dem Sofa oder dem Balkon ist es ja auch sehr gemütlich. Wie gelingt der erste Schritt?

Foerster: Wenn das Sofa auf der Prioritätenliste höher steht als der Wunsch nach einem Abenteuer draußen, wird es schwierig. Hinbekommen kann man es trotzdem, indem man sich inspirieren lässt, sich mit anderen unterhält. Zur ersten Tour muss man sich vielleicht ein Stück weit disziplinieren – gerade wenn das Wetter erst einmal nicht so toll scheint. Aber auch dann kann die Erfahrung großartig werden. Denn dann ist es leer an den Orten, die bei gutem Wetter oft überfüllt sind. Außerdem gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Diese alte Weisheit stimmt.