Oliver Hollenstein © Maria Feck

Guten Morgen,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Zuschriften! Weit mehr als 100 Leserinnen und Leser haben uns gestern zum neuen Layout geschrieben, die Reaktionen reichten von großer Begeisterung bis zu vollständiger Ablehnung. Wir nehmen uns alle zu Herzen und werden an den Kritikpunkten arbeiten, versprochen! Was uns heute, nach einschlägigen Gesprächen in der Redaktion und mit unseren Nachbarn, aber ebenso interessiert: Wie schaffen Sie es, Ihren Weihnachtsbaum zu den Sammelstellen zu bringen, ohne Wohnung, Treppenhaus und Gehweg vollzunadeln (und sich selbst die Hände zu zerkratzen)? Vom Balkon schmeißen? In eine Wolldecke wickeln? In der Wohnung zersägen? Meine Kollegin Sigrid Neudecker ist überzeugt, dass jemand von Ihnen längst eine geniale Lösung für das Problem hat. Schreiben Sie uns, wir sind gespannt!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Maria Fleck

Grüne könnten SPD retten

In etwas mehr als einem Jahr wird in Hamburg gewählt – und nun gibt es mal wieder eine der in Hamburg seltenen Umfragen. Demnach könnte die rot-grüne Koalition weiterregieren, allerdings mit deutlich geänderten Vorzeichen. Während die SPD der Prognose zufolge von 45,6 Prozent bei der letzten Bürgerschaftswahl 2015 auf 30 Prozent abstürzen würde, könnten die Grünen ihren Stimmenanteil auf 24 Prozent fast verdoppeln. Kein Wunder also, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sich zuletzt betont grün gab. Ein noch größeres Problem als die SPD hat allerdings die CDU: Obwohl sie um viele Themen mächtig Wirbel macht, sieht die Umfrage, für die das Institut Forsa im Auftrag des "Hamburger Abendblatts" 1000 Hamburger befragt hat, die Partei sogar unter dem miserablen Ergebnis von 2016. Was den bürgerlichen Parteien fehlt, analysiert unser Politikredakteur Frank Drieschner hier.

Geldsegen für Kitas zum Jahresanfang

Gute Nachrichten für die über 1000 Kitas: Sie können sich in diesem Jahr über 11 Millionen Euro freuen. Den Geldsegen verdanken sie dem neuen "Gute-Kita-Gesetz", mit dem der Bund in den nächsten vier Jahren insgesamt 5,5 Milliarden Euro an die Länder verteilen will. Hamburg bekommt insgesamt 121 Millionen. Was sich 2019 für die Hamburger noch alles ändert, hat Annika Lasarzik aufgeschrieben. Kleiner Spoiler: Nicht alles ist gut.

In einem Satz

Beachvolleyballerin Kira Walkenhorst hat sich laut "Bild" aufgrund gesundheitlicher Probleme entschieden, ihre Karriere zu beenden, die neue Partnerin von Laura Ludwig wird die frühere Hallen-Nationalspielerin Margareta Kozuch +++ Der BUND Hamburg hat beim Oberverwaltungsgericht Klage gegen den Ausbau des Flughafens eingelegt +++ An der Lombardsbrücke wurden in der Binnenalster zwei Flakgranaten gefunden und gesprengt

Was heute auf der Agenda steht

Der Deutsche Wetterdienst rechnet am Vormittag mit schweren bis orkanartigen Böen an der Nordseeküste, Sturmtief "Benjamin" könnte auch den Elbpegel auf etwa einen Meter über dem normalen Hochwasser ansteigen lassen +++ Vor dem Zivilgericht wird der Fall eines heute 45-Jährigen verhandelt, der 230.000 Euro von der Stadt fordert, weil er vor zehn Jahren auf dem Schanzenfest von einem Polizisten verprügelt worden sein soll +++ Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) will im Rathaus erklären, mit welcher Strategie die Stadt dem demografischen Wandel begegnen möchte

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Polizist

"Jedes Polizeirevier hat seine Stammgäste, die regelmäßig vorbeikommen und eigentlich nur etwas Gesellschaft wollen. Der Mann mit dem Cowboyhut, der Heldentaten aus seiner Vergangenheit schildert, oder die rausgeputzte Frau, die immer erzählt, warum Tom den Jerry jagt. Manche berichten von Verschwörungstheorien, andere nur davon, was sie gerade eingekauft haben. Früher habe ich solche Leute unter Protest rausgeworfen, oft standen sie wenig später wieder da. Heute höre ich einfach fünf Minuten zu und mache mir Notizen. Das geht schneller."

An dieser Stelle finden Sie nun täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

"Wir wollten den Spieß einmal umdrehen"

© privat

Zeugnisverteilung, aber diesmal andersherum. Zum Ende des Jahres überreichten Hamburgs Schülervertreter Bildungssenator Ties Rabe seine Zensuren. Kurz gesagt: Besonders gut abgeschnitten hat Rabe nicht. Landesschulsprecher Liam Zergdjenah erklärt, wo der Senator noch dringend Nachhilfe benötigt.

Elbvertiefung: Sie haben dem Schulsenator am Ende des Jahres Zeugnisse überreicht. Wollten sich Hamburgs Schüler damit im Gegenzug einmal an ihrem obersten Lehrer rächen?

Liam Zergdjenah: Genau, wir wollten einmal den Spieß umdrehen. Das war die Vollversammlung der Schülervertreter, ein einzigartiges Format, das wir dazu nutzen wollten, zu fragen, wie die Schüler Hamburgs Bildungswesen sehen. Die 160 Schülersprecher haben Zeugnisse ausgefüllt und auf diese Weise Herrn Rabe bewertet. Dabei sind ganz interessante Zahlen rausgekommen, aber auch Forderungen. Die Grunderkenntnis war: Hamburgs Bildungspolitik ist nicht so toll, wie die Schulbehörde das immer darstellt.

EV: Das ist jetzt aber nicht wirklich überraschend.

Zergdjenah: Herr Rabe sieht das anders. Er war selbst eine Stunde dabei und hat sich den Fragen der Schülervertreter gestellt. Seine Behörde weicht ja gern aus und stellt sich im Vergleich mit anderen Bundesländern immer ganz toll dar. Da kommt dann als Standardargumentation, dass Hamburg ganz weit vorne ist bei der Digitalisierung, dass die Klassen nicht überfüllt sind, wir keinen Lehrermangel haben und alles besser ist als in anderen Bundesländern. Die Zeugnisse haben jedoch gezeigt, dass die Schüler hier noch Verbesserungspotenzial sehen.

EV: Sie haben Schulsenator Rabe im Fach "Vorbereitung aufs Leben" eine 3,5 gegeben. Ist das nicht ein bisschen hart?

Zergdjenah: Aber es stimmt! Der Spruch "Wofür brauche ich das eigentlich?" fiel nicht nur in der Vollversammlung, sondern der fällt auch mal im Unterricht, und zwar nicht nur in Hamburg. Senator Rabe hat darauf sinngemäß geantwortet, dass irgendwann jeder sagt: "Das habe ich dann doch gebraucht." In Wirklichkeit traut sich die Schulbehörde nicht an die Curricula ran. Es scheint jedenfalls so. Stattdessen wird die Zahl der Klassenarbeiten erhöht und die qualitative Beschulung im Punkt "Vorbereitung aufs Leben" außen vor gelassen.

Was der Bildungssenator am dringendsten ändern sollte, um noch das Klassenziel zu erreichen, lesen Sie im kompletten Interview auf ZEIT ONLINE.

Ein Idol kehrt zurück

Der FC St. Pauli hat einen neuen Helden: Als "Fußballgott" verehren Fans in ganz Deutschland den Torjäger Alexander Meier, der seine Karriere beim Kiez-Club begann und nun, mit 36 Jahren, wieder dorthin zurückkehrt. Hätte sich sein Stürmerkollege Henk Veerman nicht das Kreuzband gerissen, wäre es nicht zu der Verpflichtung gekommen. Meier ist für Fußball-Verhältnisse alt, er hat seine besten Zeiten hinter sich. Aber der FC St. Pauli steht überraschend auf Rang drei, das Team ist eingespielt, und wer weiß, vielleicht hat der langsam gewordene Meier das Toreschießen ja wirklich nicht verlernt. Das Risiko ist gering – und die Anhänger können nun im Kampf um den Aufstieg auf Hilfe von ganz oben hoffen.

Kilian Trotier

Was macht Hamburg zu Ihrer Heimat, Anna Depenbusch?

© Anja Zander

"St. Pauli ist fest mit meinem Heimatgefühl verbunden. Hier bin ich musikalisch groß geworden und spüre tiefe Wurzeln. Der Hafen ist mein komprimiertes Sinnbild für Heim- und Fernweh. Die Kontraste zwischen Elbphilharmonie und Hafenklang-Club sind mein kreatives Spannungsfeld. Hier komme ich mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Hamburg bewegt sich, und das bewegt mich."

Anna Depenbusch, geboren 1977 in Hamburg, ist Liedermacherin

Herrmanns Helden: Hufschmied Torsten Becker

© Julius Schrank

100.000 Pferde gibt es im Großraum Hamburg, aber nur zwei Hufschmiede, die auch bei der Innung gemeldet sind. Torsten Becker ist einer von ihnen. Ein lässiger Job, im Einklang mit der Natur und sogar der Marktlage – sollte so jemand nicht ziemlich zufrieden sein? Nicht nur. Hufschmied Becker denkt ans Aufhören. Unser Reporter Moritz Herrmann hat ihn besucht. Seinen Text lesen Sie hier

Wer wir sind

Oliver Hollenstein © Maria Feck

Ich bin Oliver Hollenstein, 33 Jahre alt, und koordiniere im Hamburg-Team die aktuelle Berichterstattung für die "Elbvertiefung" und ZEIT ONLINE. Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Nordhessen, habe Wirtschaftssoziologie, Wirtschaft und Psychologie in Jena studiert. Bevor ich zur ZEIT kam, habe ich für die Nachrichtenagentur dpa in Erfurt und London über Politik geschrieben und war Wirtschaftsreporter der "Süddeutschen Zeitung" in München. Seit der Gründung des Hamburg-Teils vor fünf Jahren beschäftige ich mich mit Politik und Wirtschaft in Hamburg, besonders mit den Themen Bildung, Finanzen, Digitalisierung und Standortpolitik. Ich bin verheiratet, lebe in Altona, spiele Bass, Gitarre und Keyboard in einer Hip-Hop-Band und verbringe meine Freizeit oft bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Was Sie heute erleben können

Kaffeepause

Nicht die feine englische Art

Schon beim Betreten des Cafés drängt sich der Eindruck auf, hier laufe etwas schief. An mehreren Tischen sitzen keine Gäste mehr, das schmutzige Geschirr steht aber noch da. Das Lühmanns besteht aus mehreren kleinen Zimmern und einer verglasten Veranda, das Mobiliar ist antik, die Dielen knarzen unter den Füßen. Das Deckchen auf dem dunklen Holztisch, an dem man Platz nimmt, ist ebenfalls schmutzig, bleibt aber liegen, auch nachdem die Bedienung die Bestellung aufgenommen hat. In unsortierter Reihenfolge kommt der Kuchen der Begleitung, dann der Kakao, später ein Saft und dann, als der Kuchen schon aufgegessen ist, folgen erst die Scones mit englischem Tee im Kännchen (9,50 Euro). Tasse und Milch gelangen gar nicht mehr an den Tisch, sodass man schließlich aufsteht und sich selbst versorgt. Keine Frage: Die angebotenen Kuchen wie der knusprig-feine Schokomandel- oder der saftig-leckere Blaubeerquarkkuchen sind von hoher Qualität, bei dem außergewöhnlich hohen Preis von 5 Euro pro Stück wünschte man sich aber auch einen sauberen Tisch und eine aufmerksame Bedienung.

Lühmanns Teestube; Blankenese, Blankeneser Landstraße 29, Mo–Sa 9–20 Uhr, So 10–20 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Cum-Ex: Oliver Schröm wurde im Herbst mit Recherchen über Cum-Ex-Deals bekannt. Der Redakteur berichtete über Vermögende und Banken, die Deutschlands Steuerkasse um mehr als 30 Milliarden Euro erleichterten. "Nicht der Steuerraub mit Cum-Ex wird verfolgt, sondern der aufklärende Journalist", prangert nun die Linkspartei an. Diskussion mit Oliver Schröm: "Journalismus ist kein Verbrechen – Steuerraub schon!"

Hamburger Rathaus, Kaisersaal, Rathausmarkt 1, 19–21 Uhr, Eintritt frei

Was bleibt

Brahms statt Brötchen: Wer braucht schon Lunch, wenn er sich an der Musik laben darf? In der musikalischen Mittagspause singen, trommeln und zupfen Studierende der Hochschule für Musik und Theater ihr aktuelles Repertoire, üben den öffentlichen Auftritt und füllen den Bauch ihrer Gäste mit Klang.

Hochschule für Musik und Theater, Orchesterstudio, Harvestehuder Weg 12, jeden Dienstag, 12.30 Uhr, Eintritt frei

Gnadenbrot für Weihnachtsbäume: Jedes Jahr wiederholt sich das Drama; Weihnachtsbäume, die noch alle Nadeln in der Krone und rüstige Wurzelballen haben, landen auf dem Müll. Kaum ein Hamburger hat einen eigenen Garten zum Einpflanzen. Nun naht Rettung: Der Botanische Sondergarten sammelt gut erhaltene Bäumchen, abgeblühte Christrosen, Narzissen- und Hyazinthenzwiebeln. Pflanzenfreunde mit Garten können sie kostenfrei abholen. Achtung: Rittersterne werden nur in Zimmerkultur vermittelt.

Botanischer Sondergarten Wandsbek, Walddörferstraße 273, bis zum 14.5., Mo–Do 7–15 Uhr, Fr 7–14 Uhr

Hamburger Schnack

Noch vor Weihnachten traf ich einen Jungen aus der Nachbarschaft, Grundschüler seines Zeichens. Wir unterhielten uns interessant über die bevorstehenden Weihnachtsferien, das Fest und Geschenkewünsche. Aber, so erläuterte er mir, es gebe keinen Weihnachtsmann! Ich kommentierte diese Aussage mit einem unentschiedenen "Hm". – "Doch", fügte der kleine Nachbar nachdrücklich nickend hinzu, "es gibt wirklich keinen! Ich habe Google gefragt!"

Gehört von Annalene Vetter

Meine Stadt

Der Protest geht weiter am Puvogelbrunnen auf dem Wandsbeker Marktplatz © Karin Kosbü