Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gab Zeiten, da war die Bürgerschaft ein ganz schöner Männerverein – und die sind noch gar nicht so lange her. Von 1978 bis 1982 haben 110 Männer und 10 Frauen die Hamburger im Parlament vertreten. Das hat sich geändert. Wenn morgen die Bürgerschaft zusammenkommt, sind 46 der 121 Sitze im Parlament von Frauen besetzt, die Frauenquote beträgt also 38 Prozent. Allerdings sind 52 Prozent der Hamburger Wahlberechtigten weiblich. Frauen sind als Volksvertreterinnen also immer noch unterrepräsentiert, das gilt ebenso für die Bezirksversammlungen. Das stört die Grünen. Auf einem kleinen Landesparteitag heute in einer Woche will Landeschefin Anna Gallina deswegen über einen Antrag für ein sogenanntes Parité-Gesetz abstimmen lassen. Mit so einem Gesetz würden, wie etwa in Frankreich bereits üblich, die Parteien verpflichtet, ihre Wahllisten abwechselnd mit Frauen und Männern zu besetzen. Was halten Sie von der Idee?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Pressestelle des Senats

Tschentscher in der Wüste

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) war in den vergangenen Tagen mit einer Delegation auf einem Kurztrip in Dubai. Dort traf er Wirtschaftsvertreter und Politiker. Das erkenntnisreiche Fazit der Reise in die Wüste: "Dubai ist eine dynamische Stadt, die ihre Zukunft aktiv gestaltet. Die optimistische Haltung und der positive Blick auf den technologischen Fortschritt sind beeindruckend." Und weil das ziemlich genau das ist, was Tschentscher sich ja auch für Hamburg wünscht, wollen die beiden Städte künftig enger zusammenarbeiten. Ansonsten versuchte Tschentscher, die Airline Emirates von einer Direktverbindung zwischen Hamburg und New York zu überzeugen. Dabei kündigte er an, dass der von der Airline gesponserte HSV seinen möglichen Wiederaufstieg in die Bundesliga gerne auf dem Rathausbalkon feiern darf.

Hamburg baut weniger Wohnungen als genehmigt

Um den Anstieg der Mieten abzufedern, sollen 10.000 neue Wohnungen im Jahr in Hamburg entstehen, deswegen hat der Senat versprochen, jedes Jahr so viele Wohnungen zu genehmigen. Mit Ausnahme des Jahres 2015 ist das seit 2013 immer gelungen. Aber werden die ganzen genehmigten Wohnungen denn auch gebaut? Das hat jetzt die CDU den Senat gefragt, schließlich lasse es sich in Baugenehmigungen schlecht wohnen. Antwort: In den vergangenen Jahren wurden tatsächlich meist 4000 bis 5000 Wohnungen weniger gebaut als genehmigt. Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen mag darin aber noch kein Drama erkennen. Insgesamt ist die Zahl der Wohnungen in der Stadt in den vergangenen Jahren nämlich deutlich gestiegen. Ein Blick in die Statistik zeigt auch: deutlich stärker als in der Regierungszeit der CDU.

Noch eine Bertini-Preisträgerin: Nele Borchert

Durch ein Versehen haben wir gestern eine Bertini-Preisträgerin unterschlagen. Nele Borchert vom Albert-Schweitzer-Gymnasium erstellt Porträts von Menschen, deren Namen auf Stolpersteinen dokumentiert sind. Diese Bilder sprüht sie mit wasserlöslicher Kreide auf den Gehweg neben die Stolpersteine. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Idee und zur Auszeichnung!

In einem Satz

Nur nach Berlin zieht es mehr Studienanfänger als nach Hamburg, das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor +++ Vor dem Kreuzfahrtterminal Altona ist ein mit Schweröl beladenes Bunkerschiff leckgeschlagen, das Öl konnte abgepumpt werden +++ Bei Aushubarbeiten im Hafen sind Arbeiter in Finkenwerder auf eine 500 Kilo schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen, sie musste entschärft werden

Was heute auf der Agenda steht

Die Umwelt- und die Gesundheitsbehörde informieren über die Ergebnisse der Untersuchungen der Dioxinfunde in der Boberger Niederung +++ Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) stellt eine in den nächsten Wochen geplante Kundenbefragung zur Zufriedenheit mit der Hamburger Verwaltung vor +++ Zum Jubiläum der Universität wird das Rathaus heute Abend mit dem Schriftzug "Von allen für alle – 100 Jahre Uni Hamburg" angestrahlt +++ Der FC St. Pauli spielt in Darmstadt

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Rohrreiniger

"Neulich rief eine Dame an, sie benötigte für ihre Schmutzwasserleitungen die jahresübliche Reinigung. Dafür müssen Sie aber hoffentlich nicht die Rohre im Keller abbauen, sagte sie. Ich wunderte mich, wir sollten schließlich nicht zum Austausch kommen. Da erzählte die Kundin, dass die letzte Reinigungsfirma die komplette Rohrleitung in ihrem Keller abgebaut, sie randvoll mit stinkendem Abwasser durch das Haus in den Garten getragen und dort mit dem Gartenschlauch ausgespült hatte. Dieses Vorgehen habe ihr überhaupt nicht zugesagt, dieses Mal wolle sie das bitte anders haben! Ich konnte ihr glaubhaft versichern, dass Rohrreinigung normalerweise ohne so eine Sauerei funktioniert."

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Die neuen Hamburg-Seiten der ZEIT:

Näher an die Menschen

In zwei neuen Formaten der monatlichen ZEIT:Hamburg schreiben wir über die Menschen der Stadt. Zum einen ganz prominent auf der Titelseite. Jeden Monat werden wir eine Person porträtieren, die uns als Redaktion ganz besonders aufgefallen ist. Zum anderen haben wir das Konzept für eine zweigeteilte Seite entwickelt: Wir stellen in kurzen Texten vier Menschen vor, die etwas "bewegt haben", und vier Menschen, die etwas "bewegen können". Wer in diesem Monat dabei ist, erfahren Sie übermorgen.

© Lucas Wahl

Herrmanns Helden:

Flüchtlingsbetreuerin Alexandra Wiegert

Am Anfang, in jenem historisch gewordenen Sommer 2015, als ziemlich viele Deutsche kuscheltierschwenkend die sogenannte Willkommenskultur für sich entdeckten, wollten alle helfen. Jetzt sind fast alle weg, und geblieben sind die, die es wirklich ernst meinen. Alexandra Wiegert, 30, etwa. Sie betreut für das Rauhe Haus traumatisierte Flüchtlinge, Traumapädagogik heißt das offiziell, weil sie es nicht Therapie nennen dürfen. Unser Reporter Moritz Herrmann hat Wiegert begleitet. Seinen Text lesen Sie hier.

WER WIR SIND

© Maria Feck

Ich bin Jonna Mitschinski, 32, und schon seit ihrer Entwicklungsphase bei der Elbvertiefung. Als Bildredakteurin darf ich aus all Ihren schönen Fotoeinsendungen auswählen. Bei der ZEIT bin ich außerdem Textredakteurin für die digitalen Ausgaben, arbeite am Instagram-Auftritt und in der Bildredaktion der Printausgabe. Ich habe an der Uni Hamburg Amerikanistik und Biologie studiert und wollte damit überallhin, nur nicht in den Journalismus. Wie schön, wenn man im Leben eines Besseren belehrt wird. Ich lebe in Barmbek und Versailles, Frankreich, baue in meiner Freizeit Requisiten aus Filmen nach, spiele Videospiele, mag Dinosaurier, Schottland und "Mission: Impossible".

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kaffeepause:

Café und Kuchen im Schloss

Im Jahre 1420 eroberten die Hansestädte Lübeck und Hamburg gemeinsam Bergedorf und die Dörfer der Vierlande, fortan wurde das wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaute Schloss von Bergedorf Amtssitz der beiderstädtischen Verwaltung. Eine Prinzessin ist also schon lange nicht mehr vorbeigekommen, was schade ist, denn sie könnte das Schlosscafé im Bauch der – für ein Schloss – kleinen von einem Wassergraben umgebenen Vierflügelanlage besuchen. Hier gibt es in zwei hübsch und gediegen eingerichteten Räumen mit Holztäfelungen an den Wänden die Möglichkeit, auf einem der mit Samt bezogenen Stühle oder einer der Bänke Platz zu nehmen. Empfehlen würde man in jedem Fall den Apfelkuchen aus der hauseigenen Bäckerei. Das Stück ist nicht nur groß, die Kombination aus saftigen, säuerlichen Früchten und knusprig-buttrigen Streuseln wunderbar. Auch Käsekuchen und der schokoladig-dichte Brownie überzeugen (um die 3 Euro). Mit einem Herzen im Milchschaum kommt der sehr gute Cappuccino (3,20 Euro). Und falls die Prinzessin noch zu klein ist für Kaffee, könnte sie einen nicht so süßen Kakao trinken, mit leckerer Milch vom Hamfelder Hof (3,20 Euro).

Bergedorf, Schlosscafé Bergedorf, Bergedorfer Schloßstraße 4, Di–Do 11–17 Uhr, Fr/Sa 9–18 Uhr, So 11–18 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Europa für Mozart: 60 Musiker aus ganz Europa spielen Mozart. Nur Mozart! Unter Robin Ticciati, dem jungen Chefdirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, trumpft das Chamber Orchestra of Europe heute unter anderem auf mit Arien aus "Le nozze di Figaro", "Don Giovanni" und "La clemenza di Tito".

Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 19 Uhr Einführung Kleiner Saal, 20 Uhr Konzert, ab 12 Euro

Kriminelles Hören: Als Kommissarin Wandsbek und Claas Bahrenfeld zum Tatort kommen, können sie es kaum fassen; eine berühmte Schauspielerin aus Bahrenfelds Lieblingsserie wurde angegriffen. Sie engagiert ihn als Bodyguard. Doch sein Glück währt nicht lange: Der Attentäter will erneut zuschlagen. Live-Hörspiel: "Die Krimi-Komplizen – Tod vor der Kamera".

Nachtasyl, Alstertor, 20 Uhr, 5 Euro

Peace-Panic-Punk: Punkrock und Ernst, wie passt das zusammen? Auf ihrem dritten Album zeigen Neck Deeps eine Abkehr von der Leichtigkeit früherer Tage: "The Peace And The Panic" erzählt vor allem von der Trauer um die Väter von Sänger Ben Barlow und Bassist Fil Thorpe-Evans.

Markthalle, Klosterwall 11, 20 Uhr, VVK 18 Euro

Hamburger Schnack

Eine Kreuzung morgens in Lohbrügge. Es ist bereits hell – die Straßenlaternen sind aus, kein Radfahrer ist mehr mit Licht unterwegs. Neben mir an der roten Ampel ein Mann auf einem Rad, dick eingepackt gegen die Kälte, mit Helm und leuchtend gelber Sicherheitsweste. Er unterhält sich mit mir über das Wetter in fließendem Hochdeutsch. Ein Fußgänger, der die Straße quert, bleibt stehen und ruft ihm in breitem Hamburgisch zu: »Mach ma Licht an! Man sieht dich ja ga nich!« Der Mann auf dem Rad ruft zurück: »Dann mussu ma die Augen aufmachen. Dann siessu mich auch!«

 

Gehört von Birte Baldauf

Meine Stadt

Beim Umbau der U-Bahn-Haltestelle Landungsbrücken werden die Buchstaben hoffentlich gut sortiert © Kirsten Petersen

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Moritz Herrmann unterwegs mit Flüchtlingsbetreuerin Alexandra Wiegert