Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser, 

mein Kollege Florian Zinnecker ist neulich umgezogen. Kurz nach dem Einzug erzählte ihm eine Nachbarin im Treppenhaus, dass bis vor einiger Zeit in der Gegend wirklich oft eingebrochen worden sei. Ein paar Tage später fand er einen Zettel von der Polizei im Briefkasten, darauf Tipps, wie man seine Wohnung vor Einbrechern schützt. Nun berichtet er regelmäßig von zwielichtigen Gestalten und anonymen Transportern, die er in seiner Nachbarschaft beobachtet. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Einbrecher dermaßen auffällig unauffällig agieren, habe mich aber gestern selbst dabei erwischt, wie ich mich fragte, ob der Lieferwagen an meiner Straßenecke wirklich nur zufällig dort steht. Unsicherheit steckt eben an. Heute stellt die Polizei die neue Kriminalitätsstatistik vor, sie hat vorab schon diverse Erfolgsmeldungen daraus lanciert. Doch Kriminalisten wissen: Wie Menschen die öffentliche Sicherheit in einer Stadt empfinden, hat nicht nur mit der Zahl der registrierten Kriminalfälle zu tun. Wie sicher fühlen Sie sich in Hamburg? Und können Sie sagen, woran Sie dieses Gefühl festmachen?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

Gestank zieht über Stadt, Feuerwehr rät Fenster und Türen geschlossen zu halten

Am späten Mittwochabend hat sich über Teilen der Stadt ein fieser Geruch ausgebreitet. Die Feuerwehr löste eine Katastrophenwarnung aus, nachdem beim Notruf vermehrt Anrufe mit Meldungen über den beißenden Geruch eingegangen waren. Betroffen waren vor allem die Stadtteile St Georg, Uhlenhorst, Eilbek und Wandsbek. Die Ursache des Gestanks konnte zunächst nicht lokalisiert werden. Die Feuerwehr rät, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Bereits vor einer Woche war ein strenger Gasgeruch durch Hamburg gezogen. Ursache war ein Gasaustritt in einem Betrieb im Hafen.

© Bodo Marks/dpa

Sieben verletzte Hafenarbeiter nach mysteriösem Zwischenfall

Am Anfang war da nur ein beißender Geruch. Am Ende mussten sieben Hafenarbeiter ins Krankenhaus, und die Notaufnahme der Asklepios Klinik Altona musste geschlossen werden. In der Kantine der HHLA am Burchardkai ist es gestern Morgen zu einem mysteriösen Vorfall gekommen. Zunächst klagten zwei Frauen und ein Mann in der Kantine über Atemwegsreizungen und starke Kopfschmerzen. Sie wurden mit zwei Rettungswagen in die Klinik in Altona eingeliefert. Dort angekommen, spürte auch einer der Retter die Symptome, am Burchardkai meldeten sich ebenfalls weitere betroffene Personen. Daraufhin wurde die Notaufnahme vorsorglich geschlossen, die Zufahrt mit Flatterband abgesperrt. Die Feuerwehr baute Geräte auf, um viele Patienten schnell dekontaminieren zu können. Am Ende war der Vorfall doch harmloser als zunächst gedacht: Alle Patienten konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Was die Symptome ausgelöst hat, konnten die Experten der Feuerwehr allerdings nicht herausfinden. Offenbar war der Stoff zu flüchtig.

Investitionen in Straßen machen sich bezahlt

Die Hamburger Straßen werden besser. Im vergangenen Jahr hat die Verkehrsbehörde den baulichen Zustand der Hauptstraßen im Schnitt mit der Note 2,5 bewertet, im Jahr zuvor lag die Durchschnittsnote bei 2,78. Auch bei den kleineren Straßen, die in die Zuständigkeit der Bezirke fallen, verbesserte sich der Zustand, die Note betrug im Schnitt 2,59. Das zeigt: Die vielen Baustellen machen sich bezahlt. Seit 2016 investiert die Stadt jährlich mehr in ihr Straßennetz, als durch den fortschreitenden Verfall unsanierter Straßenabschnitte an Wert verloren geht. 2018 gab das Land etwa 120 Millionen Euro für die Straßensanierung aus, etwa fünfmal so viel wie zu Zeiten der CDU-Regierungen, als der Rechnungshof immer wieder die geringen Aufwendungen für die Instandhaltung des Straßennetzes rügte. Auf den verbesserten Straßen kommen die Autofahrer übrigens auch besser voran, das konnte die ZEIT:Hamburg kürzlich mittels GPS-Daten aus Fahrzeugen zeigen.

                                                                                          Frank Drieschner

© Axel Heimken/dpa

Was ist los am Tierheim in der Süderstraße?

Das Tierheim in der Süderstraße ist das zweitgrößte seiner Art in ganz Deutschland. 1300 Tiere werden dort versorgt, Tiere, die von ihren Vorbesitzern oftmals ausgesetzt, gequält, vernachlässigt wurden. Die Tierschützer haben also enorm viel zu tun – in jedem Fall Wichtigeres, als sich öffentlich mit der Stadt anzulegen und einen handfesten Streit vom Zaun zu brechen. Doch ein solcher brodelt im Hintergrund offenbar schon lange. Nun wendet sich das Tierheim an die Öffentlichkeit und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bezirk Mitte, genauer: gegen das Veterinäramt – und wählt dabei ungewohnt scharfe Worte. Von "Willkür" ist die Rede, von "überzogenen Kontrollen" und "Schikane". Was ist passiert? Annika Lasarzik ist der Sache nachgegangen.

In einem Satz

Die Hamburger Industrie steht dem von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) angeregten Bündnis für den Klimaschutz offen gegenüber +++ Die Polizei hat am Dienstagabend in der Wilhelmsburger Fährstraße mit 50 Beamten einen Kulturverein durchsucht, der als Treffpunkt von Einbrecherbanden gilt +++ Die EU-Kommission hat dem Kupferkonzern Aurubis den Verkauf seines Segments Flachwalzprodukte an die Ulmer Wieland-Werke untersagt, weil sie dadurch eine Einschränkung des Wettbewerbs fürchtet  +++ Hamburg steht ein stürmisches Wochenende mit möglicherweise sogar Orkanböen bevor, heißt es vom Deutschen Wetterdienst +++ Der Elbtunnel wird am übernächsten Samstag, in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar, für einen Testbetrieb der neuen Schaltzentrale komplett gesperrt

Was heute auf der Agenda steht

Innensenator Andy Grote (SPD) und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer stellen die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 vor +++ Schulsenator Ties Rabe (SPD) zieht eine Zwischenbilanz bei der Ausbildung von Migranten +++ Die Stadtreinigung lädt zum Abfallwirtschaftsgipfel ins Grand Elysée Hotel +++ In der Ballinstadt wird über die Entwicklung des neuen Stadtteils Grasbrook diskutiert +++ Bei einem Charity-Event im Palazzo servieren Promis zugunsten des Altonaer Kinderkrankenhauses ein Menü von Cornelia Poletto

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Polizist

Beim Schlagermove und ähnlichen Veranstaltungen will keiner gerne arbeiten. Nach ein paar Stunden sind alle betrunken und hormongesteuert. Frauen, egal welchen Alters, graben einen an. Die geben dir dann einen Klaps auf den Po und fragen: Na, wie lange musst du noch arbeiten? Auch auf Partys, wenn wir wegen Ruhestörung gerufen werden, fragen die Leute gerne mal an der Tür: Seid ihr die Stripper oder echte Polizisten? Die Stripper-Frage ist so ein Running Gag auf unserem Revier.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Tristar Media/Getty Images

Fatih Akin träumt von einer Serie über St. Pauli

Heute beginnt die Berlinale, im Wettbewerb läuft dort auch Fatih Akins Film "Der Goldene Handschuh", zwei Wochen vor dem offiziellen Kinostart. Akin erzählt darin die Geschichte des Frauenmörders Fritz Honka, die in St. Pauli spielt – ohne daraus einen Hamburg-Film zu machen. "Man hätte den Stoff und das Viertel sehr leicht als etwas Folkloristisches darbieten können. Aber ich finde Folklore reaktionär", schreibt der Regisseur in einem Gastbeitrag für die ZEIT:Hamburg. Mehr interessierten ihn "die Menschlichkeit, der Horror, die Gewalt, der Alkohol, der Alkoholismus. Das ist doch viel spannender als so eine Heidi-Kabel-Nummer." Der Film war noch nicht fertig geschnitten, als sich unser Kulturredakteur Florian Zinnecker mit Akin zum Gespräch traf. Allerdings nicht im "Handschuh", der nicht zuletzt durch den Roman von Heinz Strunk berühmt gewordenen Kneipe im Hamburger Berg. Weil man dort nicht gut in Ruhe reden kann, fand das Treffen im Hinterzimmer einer Bar in der Innenstadt statt. Dort schwärmte Akin bei Mineralwasser und Espresso von den Kneipen auf St. Pauli, aus seiner Sicht: die letzte Bastion einer Subkultur. Und er erzählte von seinem Traum, eine aufwendig ausgestattete Serie im Stil von "Babylon Berlin" über das alte St. Pauli zu drehen.

© Daniel Bockwoldt/dpa

Diese Literaturtalente sollten Sie sich merken

15 junge Autoren, 3 Bühnen, ein Abend: Bei der HAM.LIT, der Langen Nacht der jungen Literatur und Musik, lesen die aufregendsten Stimmen der Literaturszene. Zwar sind alle Karten schon weg, trotzdem fragen wir uns: Welche Jungtalente sind besonders vielversprechend, wen sollte man im Blick behalten? Wir haben Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses, um eine Einschätzung gebeten:

"Wann ist ein Autor, wann ist eine Autorin jung? Vielversprechend kann man mit zwanzig und mit vierzig Jahren sein – und mit sechzig immer noch nicht. Ich erwarte mir in Zukunft einiges von Inger-Maria Mahlke: weil sie mit ihrem vierten Roman ›Archipel‹, der den Deutschen Buchpreis 2018 gewonnen hat, gezeigt hat, wie faszinierend es ist, wenn Autoren immer neue Wege gehen und in jedem Buch Neues ausprobieren. Oder von Dagrun Hintze: nicht nur weil sie dem Verhältnis von Frauen und Fußball auf originelle Weise nachgegangen ist, sondern einen Gedichtband vorgelegt hat, dessen Titel ›Einvernehmlicher Sex‹ recht viel verspricht, ja geradezu utopisches Potenzial entwickelt. Oder von Arno Camenisch, der seit Jahren beweist, dass Lesung nicht gleich Lesung ist, und der Altmeister Samuel Beckett zu neuem – schweizerischen – Leben erweckt hat."

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch:

Griechische Party

Falls es hier einen DJ gibt, übt er gerade für die nächste Party am Strand. Jeder Song wird nur ein paar Sekunden angespielt, dann folgt der nächste. Auch die Cocktailkarten auf dem Tisch weisen in Richtung Abend, dabei ist man zum Mittagstisch in der griechischen Taverna Ellada eingekehrt. Sechzehn Gerichte stehen zur Auswahl, die dem Klischee von der fleischlastigen griechischen Küche zur Ehre gereichen. Nur eine der angebotenen Speisen ist vegetarisch. Klassisches Gyros oder Bifteki, mit Schafskäse gefüllte Hacksteaks (beides mit Pommes Frites und Zaziki für jeweils 7,50 Euro), locken, doch die Wahl fällt auf die mit Hackfleisch gefüllten und mit Käse überbackenen Auberginen (7,90 Euro). Fein gewürzt, mundet die Speise sehr gut, vorab kommt ein frischer Salat. Ein letztes Mal probiert es der Kellner: „Einen Ouzo vielleicht?“, man lächelt, nein danke, viel zu früh. Der Blick schweift durch den Raum, bleibt an dem Ast in der Mitte des Raumes hängen, an dem ein paar luftleere, verstaubte Luftballons hängen. Gut möglich, dass die Party schon vorbei ist.

St. Georg, Taverna Ellada, Lange Reihe 19, Mittagstisch Mo–Sa 12–16 Uhr

 

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Studi-Künste: Was machen Studierende eigentlich den ganzen Tag in der Uni? Die Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste zeigt einen Querschnitt aktueller Arbeiten: Film und Fotografie, Performance und Skulptur, Malerei und Design.

Hochschule für bildende Künste, Lerchenfeld 2/Wartenau 15, Eröffnung heute, 19 Uhr, Ausstellung bis So, täglich 14–20 Uhr, Eintritt frei

Jazz-Tribute: Ella Fitzgerald gilt als Ikone des Jazz, Joe Pass als Gott der Gitarre. Wer sich an ihre Werke wagt, muss Traute haben – so wie Cleo Steinberger und David Grabowski von der Hochschule für Musik und Theater. In der Konzertreihe "Musik – Mensch – Medizin" spielen sie "A Tribute to Ella Fitzgerald and Joe Pass".

Universitätsklinikum Eppendorf, Gebäude W30, Hörsaal, Martinistraße 52, 18.30 Uhr, Eintritt frei

Tipps für Kids

MiniMedi: Robo trifft Pirat, Katze jagt Elefant. Wenn Kids ab fünf Jahren eine eigene Lego-Ausstellung basteln, dürfen auch Schiffe fliegen oder Dinos kuscheln. Hauptsache, bauen: "Lego-Werkstatt".

Bücherhalle Kirchdorf, Wilhelm-Strauß-Weg 2, morgen, 15–17 Uhr, Eintritt frei

MediMaxi: Werden Drucker künftig herstellen, was wir heute noch im Laden kaufen? Beim "Familiensamstag: 3D-Druck, 3D-Pens, VR-Brille, Foto-Lesezeichen" probieren Künstler ab acht Jahren 3-D-Stifte aus, flanieren mit VR-Brille durch die Bücherhalle, basteln Lesezeichen.

Bücherhalle Osdorfer Born, Kroonhorst 9e, Sa, 10–14 Uhr, Eintritt frei

Maxi: Manchmal ist der beste Weg in die Zukunft der Blick über den Tellerrand. Die Messe "Auf in die Welt" informiert Jugendliche, Studierende und Eltern über Schüleraustausch und Sprachreise, Au-pair-Aufenthalte, Freiwilligendienst und Stipendien.

International School of Hamburg, Hemmingstedter Weg 130, Sa, 10–16 Uhr, Eintritt frei

Hamburger Schnack

In einem Supermarkt in Ammersbek. Ein etwa 75-jähriger Mann spricht einen Kunden an: »Was halten Sie denn von den vorgekochten Suppen hier im Becher? Ich muss jetzt kochen, meine Frau ist krank, ich kann aber nicht kochen.«

Kunde: »Die sind wirklich gut, kosten mehr als Tütensuppen, die schmecken aber richtig gut. Sie müssen den Inhalt nur erhitzen, ist gar nicht schwer.«

Mann: »Nee, das kann ich wohl auch nicht!«

Kunde: »Warum das denn nicht?«  

Mann: »Das geht schon seit über 40 Jahren so, bereits nach 14 Tagen Ehe hat mir meine Frau das Kochen abgewöhnt.«

 

Gehört von Jens Uwe Zipelius

Meine Stadt

Er ist nicht über das Wasser gegangen, er ist gefahren! © Anne Leutloff

 

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Willkür und Schikane. Das Tierheim Süderstraße, zweitgrößtes seiner Art Deutschland, attackiert mit scharfen Worten die amtlichen Tierärzte und die Behörden. Was ist da passiert?

Auch der Schatten braucht seine Räume. Fatih Akin hat den Roman "Der goldene Handschuh" verfilmt. Hier erzählt er für Abonnenten, warum nur er das machen konnte und wofür er den Kiez so schätzt.

Die Wahrheit liegt auf der Straße. Verursachen die Baustellen Chaos? Schaden neue Radwege den Autofahrern? Leidet die Wirtschaft? Die Navis moderner Fahrzeuge liefern Daten, die Antworten ermöglichen. Die Titelgeschichte der ZEIT:Hamburg für Abonnenten