Annika Lasarzik © Melina Mörsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie jemanden, der in unserem Pressehaus arbeitet, fragen, wer die Seele der ZEIT sei, wird er Ihnen wahrscheinlich antworten: "Kally, natürlich!" Denn an Kally Darm kommt hier niemand vorbei, in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, weil er uns seit Jahren die Post bringt, sondern auch, weil man bei Kally immer für einen kleinen Klönschnack hängenbleibt. Meistens redet dann er, aber das tut nichts zur Sache. Kally weiß nämlich trotzdem immer genau, wen gerade wo der Schuh drückt und wie er ihm helfen kann. Wieso wir Ihnen das erzählen? Kally macht auch Musik, auf dem Banjo, der Ukulele, der Gitarre, und es gibt sogar CDs von ihm. Nun hat er auch noch eine Hymne geschrieben: Mecklenburg-Vorpommerns möglicherweise nächstes Landeslied. Bis zum 25. März kann man beim Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern für eines von vier Liedern abstimmen. Kallys Lied "Wenn im Frühjahr am Himmel die Kraniche ziehn ..." ist das erste. Und dass er bei den Nachbarn ein bisschen fremd geht, verzeiht man ihm spätestens, wenn er einem das "Tüddelband" vorsingt.

Übrigens: Ihre Meinung zur Debatte um größer werdende Schulen interessiert uns immer noch, wir sammeln weiter Stimmen unter hamburg@zeit.de

Nun aber zu den Nachrichten. Haben Sie einen schönen Tag!

Ihre Annika Lasarzik

AKTUELLES

Elektro-Gelenkbus getestet

© Axel Heimken/dpa

Passanten, die reihenweise ihre Smartphones zücken: Nein, es war kein Promi, der gestern Mittag in der Innenstadt alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Sondern ein Elektro-Gelenkbus auf Probetour. Weil die Hochbahn ihre gesamte Flotte auf E-Mobilität umstellen will, testete sie den "Irizar ie-tram" aus spanischer Produktion schon mal auf Fahrtauglichkeit – und besonders darauf, wie Menschen reagieren. Wieso? "Modern aussehende Fahrzeuge werden eher genutzt, das Auge entscheidet mit!", sagte uns Sprecher Christoph Kreienbaum. Wie sieht so ein Bus aus? Schwarz, 19 Meter lang, Platz für 100 Fahrgäste, große Scheiben. Rundlich, futuristisch, erinnert an eine Straßenbahn. Wie geht es weiter? Die Hochbahn ist mit dem Test zufrieden, will die Ergebnisse aber intern ausweiten und sich noch andere Hersteller anschauen. Weitere Testfahrten könnten folgen. Warum das Ganze? Weil die Zeit drängt: Im Herbst soll es die ersten Ausschreibungen für Elektro-Gelenkbusse geben, für wie viele, ist offen. Bis 2020 sollen in Hamburg 60 Elektrobusse im Einsatz sein, bisher sind es vier. Danach sollen alle Busse elektrisch betrieben werden.

Hamburg will Pflege bezahlbarer machen

618 Euro: So viel zahlt ein Pflegeheimbewohner im Bundesdurchschnitt monatlich für die Pflege – aus eigener Tasche. Das könnte sich bald ändern. Hamburg hat gestern eine Bundesratsinitiative beschlossen, die Pflege bezahlbarer machen soll. Die Idee: Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige tragen, soll künftig gedeckelt werden – und nicht (wie bisher) der Anteil, den Versicherungen zahlen. Der Beitragsanstieg soll durch einen Bundeszuschuss von jährlich 1,5 Milliarden Euro aufgefangen werden, der dann dynamisch angepasst werden soll, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Zudem soll die Krankenversicherung für die Kosten der medizinischen Behandlungspflege in Heimen aufkommen – und nicht mehr die Pflegeversicherung. Wie hoch der Eigenanteil für die Pflege maximal sein soll, steht bei all den Überlegungen noch nicht fest. Für die Übergangszeit sei eine länderspezifische Summe denkbar, so Prüfer-Storcks. In Hamburg zahlen Heimbewohner im Schnitt 1800 Euro selbst – in dieser Rechnung sind allerdings auch Kosten für Zimmer und Verpflegung drin. Der Antrag soll im März in den Bundesrat eingebracht werden.

Erinnerungen an Karl Lagerfeld

Gestern ist Karl Lagerfeld gestorben. Der Modedesigner wurde 1933 in Hamburg geboren und zog mit 20 nach Paris, wo er zum Weltstar aufstieg. Er kam nicht oft in seine Heimatstadt zurück, aber wenn, besuchte er immer ein Geschäft in der Innenstadt – den Buchhändler Felix Jud. Als der langjährige Chef des Ladens vor gut zwei Jahren starb, fragten wir von der ZEIT:Hamburg in Karl Lagerfelds Büro an, ob der Modeschöpfer einen Nachruf auf Wilfried Weber schreiben würde. Lagerfeld sagte sofort zu. Wenig später schickte uns seine Sekretärin die Kopien von sechs handbeschriebenen Seiten. Es waren berührende Worte, mit denen sich der bekannteste Stammkunde von seinem Buchhändler verabschiedete. "Er war mehr als ein Buchhändler (wenn man in Hamburg besonders auch nichts gegen "Handel" hat)", schrieb Lagerfeld. "Er hatte aus seinem Beruf eine Art einmalige Kunstform gemacht. Für mich war er in seinem Fach die Nummer eins. (Und nicht nur in Deutschland ...)" Seinen Brief können Sie hier lesen. Lagerfeld beendete ihn mit einem Satz, der all seine Hochachtung zusammenfasste: "Ich kann mich einfach nicht an die Idee gewöhnen, dass er der Welt abhandengekommen ist." In der Modewelt werden heute wohl viele das Gleiche über den Tod von Karl Lagerfeld denken.

Kilian Trotier

In einem Satz

Michael Mutzel wird ab dem 1. April neuer HSV-Sportdirektor, er soll Sportvorstand Ralf Becker in den Bereichen Bundesliga, Nachwuchs und Scouting unterstützen +++ Die Zahl der gemeldeten Hunde in der Stadt hat sich seit 2012 um 40 Prozent auf 85.000 erhöht, das ist Rekord, ergab eine Kleine Anfrage der CDU +++ Das US-amerikanische Erfolgsmusical "Hamilton" soll im Herbst 2020 nach Hamburg kommen, jetzt sucht die Stage Entertainment online nach Darstellern +++ Der erste Storch ist aus seinem Winterquartier zurückgekehrt, meldet der Nabu +++ In Bramfeld wurde eine Weltkriegsbombe entschärft

Was heute auf der Agenda steht

Bürgermeister Peter Tschentscher besucht die Feuer- und Rettungswache Berliner Tor +++ Ausweitung der ver.di-Warnstreiks: Heute demonstriert das Schulpersonal +++ In der Bucerius Law School wird über "Rechtswidrige Polizeigewalt und ihre Aufarbeitung" diskutiert +++

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Rohrreiniger

Mit meiner Frau war ich gerade zu Besuch bei einer Freundin in Spanien. Weil sie über üblen Geruch in ihrer Wohnung klagte, schaute ich mich genauer um. Das WC-Becken stand lose, die Schrauben waren weggerostet. Am Abflussrohr gab es keine Dichtung, sämtliche Kanalgerüche strömten in unser Feriendomizil. Unsere Freundin bekam einen Riesenschreck, weil die heimischen Handwerker ihrer Erfahrung nach das komplette Bad erneuern und eine entsprechende Rechnung schreiben würden. Wir einigten uns auf eine andere Idee: Ich übernehme jetzt die jährliche Wartung des Abwasserleitungssystems der Wohnung. Dafür dürfen meine Frau und ich drei Wochen im Jahr umsonst Spanien-Urlaub machen.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Gestatten: Der Hamburger des Monats ist …

© Patrick Runte

… Sven Philipp Kalweit, eine Art Superheld für die digitale Welt. Kalweit ist Hacker, aber einer von den Guten. Mit 18 Jahren ist er schon Chef seiner eigenen Firma. Wie er und seine Kollegen Deutschland sicherer machen wollen und was IT-Sicherheit mit Bungee-Jumping zu tun hat, hat er Kilian Trotier erzählt. Übrigens gibt es in unserer Stadt natürlich sehr viele Menschen, die den Titel "Hamburger des Monats" (und selbstverständlich auch Hamburgerin!) verdient hätten. Deswegen werden wir in jeder der kommenden Monatsausgaben der ZEIT:Hamburg einen besonderen Menschen vorstellen, "besonders", weil er sich zum Beispiel sozial engagiert oder Pionier in einem Feld ist. Fällt Ihnen jemand ein? Wir freuen uns über Vorschläge!

"Nach jedem Mord wird es dunkler und dreckiger"

© Tamo Kunz

Auf der Berlinale feierte Fatih Akin mit seinem Thriller "Der Goldene Handschuh" Premiere, ab morgen läuft der Streifen in den Hamburger Kinos. Szenenbildner Tamo Kunz hat unter anderem die Kiezkneipe und die Wohnung des Serienmörders Fritz Honka nachgebaut. Warum das Studioset manchmal besser ist als die Realität und warum der Dreh in der Originalkneipe ohnehin keine Option war, erzählt Kunz hier.

Elbvertiefung: Herr Kunz, warum haben Sie die Kneipe Der Goldene Handschuh und die Wohnung Fritz Honkas als Kulissen nachgebaut? Beide Orte gibt es heute noch.

Tamo Kunz: Das hat logistische Vorteile. Man muss sich nicht in die Original-Location einmieten, in denen man bestimmte Sachen vielleicht nicht machen darf. Viele Wege fallen weg, mit der Parksituation muss man sich auch nicht auseinandersetzen. In der echten Kneipe hätten wir außerdem überhaupt nicht drehen können.

EV: Wieso nicht?

Kunz: Der Hamburger Berg, wo der Goldene Handschuh liegt, ist logistisch ein Albtraum. Dort kann man nicht ungestört drehen. Die Kneipe selbst sieht inzwischen anders aus. Es gibt eine moderne Jukebox, die Tapete ist neu. Wir hätten Änderungen vornehmen müssen, die die Substanz zerstört hätten. Außerdem ist der Goldene Handschuh 24 Stunden lang geöffnet und das Zuhause einer gewissen Klientel. Das kann man nicht mal zwei, drei Wochen lang okkupieren.

EV: Sie selbst sind zu jung, um den Goldenen Handschuh aus den Siebzigern zu kennen. Wie haben Sie sich der Kneipe angenähert?

Kunz: Es gab fast kein Bildmaterial aus der Zeit. Und die Bilder, die es gab, waren oft unscharf, schwarz-weiß und zeigten nur gewisse Ausschnitte. Deswegen haben wir zwar den Grundriss ziemlich auf den Zentimeter genau übernommen, in der Oberflächengestaltung haben wir aber freier gearbeitet. Vieles haben wir so hingebaut, wie wir es richtig und stimmungsvoll fanden. Ein ganz entscheidendes Element im Film ist übrigens das Licht.

Was es mit dem Licht auf sich hat und warum in Hamburg möglicherweise bald solche historischen Filme gar nicht mehr gedreht werden können, lesen Sie im vollständigen Interview unserer Kollegin Tina Pokern auf ZEIT ONLINE

Wie kann Hamburg besser werden, Herr Bernhart?

© Friederike Lübke

"In Farmsen fehlen Orte, an denen sich Menschen treffen können. Es ist schwierig, die Nachbarn überhaupt kennenzulernen. Um das zu ändern, könnte man ein Nachbarschaftsfest veranstalten. Ohne Kommerz, einfach getragen von den Anwohnern. Jeder bringt etwas mit, man trifft sich auf der Straße, begegnet anderen Menschen aus dem Viertel, lernt sich kennen und tauscht sich aus." 

Kurt Bernhart, 58, Produktionsleiter, war am 18. Februar in Farmsen-Berne im Lokal Schweinske. Gemeinsam mit der Körber-Stiftung veranstalten wir in den kommenden Wochen mehr als 30 Kneipengespräche, außerdem sammeln wir auf der Internetseite hamburg-besser-machen.de Ihre Ideen. Sagen Sie uns, was nicht so gut läuft in Hamburg und was man ändern könnte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch

Rundum eine gelungene Sache

Draußen herrscht fieses Februarwetter, im Jools sitzt es sich umso angenehmer. Jeder Tisch ist besetzt, Stimmengewirr erfüllt die Luft, die großen Fenster lassen viel Licht hinein. Das kleine Restaurant-Café ist modern eingerichtet und sehr gemütlich. Mittags kann von der Mittags-, Wochen- und Monatskarte gewählt werden, die insgesamt um die 15 Gerichte zwischen 6,50 – 13,80 Euro enthalten. Das Angebot ist bunt, von Currywurst vom Havelländer Apfelschwein mit Pommes bis zu Petersilien-Semmelknödeln mit Lauchgemüse und Gorgonzolasauce oder Ofen-Aubergine mit Feigen. Serviert wird sehr schnell, der gewählte Flammkuchen mit Spinat und Ziegenkäse (8,50 Euro) schmeckt rundum gelungen. Der Boden ist schön kross, der Belag saftig und frisch, das Ganze nicht zu lasch gewürzt. Ebenso lecker sind die Gnocchi mit Weißkohl und Kirschtomaten (7,90 Euro), was vor allem an der leicht feurigen Sauce liegt. Laut Homepage wird viel Wert auf regionale und saisonale Produkte gelegt, wenn möglich sind diese bio. Gute Sache!

Jools Hamburg ; Ottensen, Bernadottestraße 20Mittagstisch Di–Fr, 11:30–15 Uhr

Nina Thomsen

Was geht

Kunst-Apokalypse: Ein Ferkel schmiegt sich um den Hals eines Mannes. Ein Bär frisst sich selbst. "Tod und Verderben" sind der rote Faden der gleichnamigen Gruppenausstellung. Sie sei großartig, trotz oder wegen "aller Grausamkeiten, Provokationen und Absurditäten", urteilt die Bunkerhillgalerie.

Bunkerhillgalerie, Hilldegarden Gewächshaus im Bunker, 5. Stock, Feldstraße 66, letzte Ausstellungstage heute und morgen, 17–20 Uhr

Eine Frage der Lesung: Ein Fingerabdruck, Jahre später noch immer nicht verwischt. Der Geruch im Lieblingspullover von Mama, ein Selfie bei Facebook. Sven Stillich macht sich auf die Suche nach dem, "Was von uns übrig bleibt". Lesung und Frage: Was sollte uns überdauern?

Schanzenbuchhandlung, Schulterblatt 55, 20 Uhr, 3 Euro

Too Drunk to Rock:Buckcherry rocken seit fast zwei Jahrzehnten mit Songs wie "Too Drunk (to Fuck)", "Say Fuck It" oder auch "It’s a Fucking Desaster". Nach Gigs als Vorband für Lenny Kravitz und Kiss, Woodstock III und Platin stampfen die Hardrocker dieses Jahr in zwei Shows über deutsche Bühnen.

Markthalle, Großer Saal, Klosterwall 11, 19.30 Uhr, VVK 28 Euro

Hamburger Schnack

Museumshafen Övelgönne. Zwei Leute arbeiten an einem Holzboot, sie stehen auf einem schwimmenden Steg, ohne Verbindung zum Ufer. Als sie zurück ans Land wollen, brauchen sie einen Fährmann. Ihr Kumpel ruft breit lächelnd von der Brücke: "Hättet ihr mal in der Kirche besser aufgepasst, dann könntet ihr jetzt übers Wasser gehen!"

Gehört von Michaela Kaiser

Meine Stadt

Verlorenes wird zu bunten Frühlingsboten. Gesehen im Wassermannpark in Schnelsen © Rainer Kolbe

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Karl Lagerfelds Brief an seinen Buchhändler

Der Hamburger des Monats 

Blick hinter die Kulissen: Wie die Schauplätze des "Goldenen Handschuhs" nachgebaut wurden