Annika Lasarzik © Melina Mörsdorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hamburg wächst! Nein, da erzähle ich Ihnen nichts Neues. Doch welche Konflikte Wachstum einer Stadt bescheren kann, lässt sich gerade sehr gut bei den Schulen beobachten. In Altona sind gestern Abend rund 400 Eltern und Kinder auf die Straße gegangen. Sie waren einem Protestaufruf des Elternrats der Max-Brauer-Schule gefolgt, deren Grundschule ab 2023 praktisch doppelt so viele Kinder aufnehmen soll, sie wird von drei auf sechs Züge erweitert. Viel zu viel, finden die Eltern. Sie fordern kleinere Neubauten, statt bestehende Schulen zu vergrößern. Und nicht nur die Max-Brauer-Schule soll größer werden. In den kommenden Jahren sind insgesamt 23 weitere Parallelklassen an Grundschulen im Altonaer Kerngebiet geplant. Die Schulbehörde hält an den Plänen fest, sie verweist auf die steigenden Schülerzahlen. Es sei immer schwieriger, geeignete Flächen zu finden (wachsende Stadt!). Und dass alle großen Hamburger Grundschulen "bei Eltern und Kindern beliebt" seien, beweise doch: Größe beeinträchtige keineswegs die Qualität, sie sei sogar förderlich. Nun fragen wir uns: Welche Erfahrungen haben Sie mit großen Schulen gemacht? Haben Sie selbst eine besucht oder Ihre Kinder? Welche Kriterien sollte eine große Schule erfüllen? Und was heißt hier überhaupt "groß", wo liegt die Schmerzgrenze?

Schreiben Sie uns an: hamburg@zeit.de.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag,

Annika Lasarzik

AKTUELLES

Hafen gibt sich angriffslustig – trotz mauer Bilanz

© Marcus Brandt/dpa

Wie geht es dem Hamburger Hafen? Der jüngsten Jahresbilanz zufolge würden wir sagen: nicht so prall. Güter- und Containerumschlag verringerten sich 2018 um jeweils ein Prozent, der Abstand zu den beiden wichtigsten Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen hat sich erneut vergrößert. Der Rückgang sei auf den geringeren Umschlag von Leercontainern zurückzuführen, sagte die Marketinggesellschaft, bei beladenen Containern sei der Umschlag stabil geblieben. Trotz ernüchternder Zahlen macht sich Optimismus im Hafen breit, größter Hoffnungsträger ist die Elbvertiefung. Durch die Fahrrinnenanpassung sollen Containerriesen mit mehr Tiefgang Hamburg künftig besser erreichen können, vergangene Woche wurde mit den Bauarbeiten begonnen. "Wir greifen jetzt wieder an", sagte HPA-Chef Jens Meier. Dass die Elbvertiefung alle Probleme des Hafens lösen kann, bezweifeln indes CDU und FDP. Beide Fraktionen fordern eine neue Zukunftsstrategie.

Die Cola sah schon länger zu

In einer Cola-Flasche im Fenster eines Altenheims im Schanzenviertel wurde vor zwei Wochen eine Überwachungskamera entdeckt. Nun gibt es Neues in dem skurrilen Fall. Installiert wurde die Kamera bereits am 7. Dezember auf Anordnung des Polizeipräsidenten, ergab eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider. Die Kamera habe die Haustür und "Teile des im Blickwinkel der Kamera befindlichen öffentlichen Raumes davor", nicht aber Wohnräume erfasst. Am 6. Februar sei sie wieder abgebaut worden. "Die Maßnahme diente der personenbezogenen Observation in einem laufenden gefahrenrechtlichen Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes", heißt es in der Senatsantwort. Solche Observationen dienten zum Beispiel der Bekämpfung von Drogenkriminalität oder der Verfolgung von Einbrechern und Trickbetrügern. Die Daten seien nicht mit dem Landesamt für Verfassungsschutz oder dritten Stellen ausgetauscht worden. Die Bewohner eines linken Hausprojekts gegenüber dem Altersheim hatten den Fall öffentlich gemacht. Sie werfen der Polizei einen rechtswidrigen Eingriff in ihre Privatsphäre vor.

In einem Satz

Der Energiekonzern Vattenfall verlegt seinen Hamburger Sitz von der City Nord ins Elbbrückenquartier der Hafencity, das 15-geschossige Gebäude soll 2022 fertig sein +++ Im Mordprozess gegen Mado M., der seine Ex-Freundin und Tochter am Jungfernstieg tötete, geht die Verteidigung in Revision, meldet das "Hamburger Abendblatt" +++ Städtische Schulsporthallen sollen künftig bis Mitternacht sowie in den Ferien von Sportvereinen genutzt werden können

Was heute auf der Agenda steht

Hochbahn testet Elektro-Gelenkbus in der Innenstadt +++ Die Hamburger Volkshochschule stellt Unterrichtsmaterial zu den Europawahlen vor

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Polizist

Wenn man in der Innenstadt unterwegs ist, kommt man sich manchmal vor wie ein Reiseführer. "Wo fährt der Bus? Wie komme ich schnell zur Elbe? Können Sie mir ein Restaurant empfehlen?" Wir sind da die Auskunft schlechthin. Mache Leute wollen von mir sogar eine Rechtsberatung, obwohl ich gerade den Verkehr regle. Typisch ist dann, dass sie erbost sind, wenn ich keine Antwort gebe.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Die besten Poke-Bowls der Stadt

© Kathrin Spirk

Sie sind gesund, exotisch und hübsch anzusehen: Der Trend der "Poke-Bowls" hat Hamburg erreicht. Die Grundzutaten dieses Gerichts, das seinen Ursprung in Hawaii hat, sind roh marinierter Fisch, Gemüse, Reis und diverse Soßen nach Wahl. Heraus kommt ein buntes Allerlei, optisch so ansprechend, dass es sich auch auf Instagram gut macht (unsere spontane Recherche ergibt 500.000 Treffer unter dem Hashtag #pokebowl). In Zeiten von Social Media isst das Auge mit, schon klar. Doch Optik ist nun wirklich nicht alles. Wie schmeckt’s denn? Unser Restauranttester Michael Allmaier ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Wo es die besten Poke-Bowls der Stadt gibt, lesen Sie hier.

Kowalke sprach mit der ZEIT über Stress und seinen Aufstieg

Rüdiger Kowalke, langjähriger Betreiber des Fischereihafen Restaurants, verstarb am Sonnabend im Alter von 71 Jahren. Was für ein Mensch war er? Welches Verhältnis hatte er zu seiner Arbeit? Sarah Levy hat Kowalke vor einem Jahr für DIE ZEIT getroffen. Der Gastronom verriet ihr die fünf Regeln für den Erfolg eines Restaurants – und warum der Besuch von Heino und Hannelore zu einem sehr teuren Zwischenfall wurde. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Potpourri mit Quälgeistern

Thomas Bernhards "Die Übriggebliebenen" hatte am Sonnabend Premiere im Schauspielhaus. Der Abend lohnt sich, findet Christoph Twickel: Der alte Bernhard sei der bessere Houellebeqc.

Warum sollte man Thomas Bernhard, Theatergigant der Siebziger- und Achtzigerjahre, wieder in den Spielplan hieven? Vielleicht wegen seines 30jährigen Todestages, vielleicht auch, weil der Schriftsteller die Verstrickungen der BRD und seiner österreichischen Heimat mit der NS-Ideologie bis in ihre psychologischen Untiefen verfolgte. Das Schauspielhaus bringt nun gleich drei seiner Stücke an einem Abend auf die Bühne: Unter dem Titel "Die Übriggebliebenen" kombinieren Regisseurin Karin Henkel und die Dramaturgin Rita Thiele die Familiendramen "Vor dem Ruhestand" und "Ritter, Dene, Voss" und mischen noch Texte aus dem Roman "Auslöschung. Ein Zerfall" dazu. Keine schlechte Einführung ins Bernhardsche Oeuvre. Überragend verkörpern Lina Beckmann und André Jung die schrecklichen Patriarchen der Familie. Zweieinhalb Stunden lang demütigen der ehemalige KZ-Lagerleiter und heutige Gerichtspräsident Rudolf (Jung) und der psychisch kranke Ludwig (Beckmann) ihre jeweiligen Schwestern. Genug Zeit, darüber nachzudenken, warum dieser Zynismus an die misogynen Helden Michel Houellebeqcs erinnert und worin der Unterschied besteht. Bernhards furchtbare alte Männer waren die Zombies, die aus einer faschistischen Vergangenheit kamen. Houellebeqc dagegen entwirft Antihelden, die als Quälgeister der Zukunft eine neue Form des Faschismus in sich tragen. Kurzum: ein auf lehrreiche Weise beunruhigender Abend.

Christoph Twickel

Wie kann Hamburg besser werden?

© Kilian Trotier

"Ich fahre nicht oft mit dem Auto, aber wenn ich geblitzt werde oder einen Strafzettel bekomme, kann ich damit leben. 15 Euro tun zu wenigen Menschen weh. Ich bin dafür, die Strafen zu erhöhen – für Falschparken, zu schnelles Fahren und Über-Rot-Fahren. Warum nicht gleich auf 80 Euro? Nur so ändert sich was. Auch das Parken in der Innenstadt sollte richtig teuer werden, um die Autos rauszuhalten und Platz für Radfahrer oder schöne Plätze zu schaffen. 8 Euro die Stunde, das wäre ein Anfang."

Eva A., 34, war am 14. Februar in Winterhude im Café Neo. Gemeinsam mit der Körber-Stiftung veranstalten wir in den kommenden Wochen mehr als 30 Kneipengespräche, außerdem sammeln wir auf der Internetseite hamburg-besser-machen.de Ihre Ideen. Sagen Sie uns, was nicht so gut läuft in Hamburg und was man ändern könnte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kaffeepause

Bio ist nicht alles

Schon seit 2005 wird in Eimsbüttel die Konditorei Eichel, eine Biokonditorei, betrieben. Bestellt wird am Tresen, was sinnvoll ist, denn so hat man einen guten Überblick über die zahlreichen Kuchen und Torten, die hier angeboten werden. Schon über 150 Torten wurden hier erdacht und gebacken, am Besuchstag standen rund 15 zur Auswahl, dazu allerlei Gebäcksorten und Kekse. Gewählt werden eine Regententorte mit Mokkacreme und eine Zitronenquarktorte. Schnell hat man an einem der Tische Platz gefunden, es ist ein hübscher Raum mit hoher Decke, grüner Farbe, hinter dem Tresen fällt der Blick in die Backstube. Einst war es die erste Biokonditorei Norddeutschlands, seither hat sich viel getan. Zahlreiche Backstuben und Kaffeeröstereien bieten Biocafé und Kuchen aus biologischen Zutaten. Leider enttäuscht der Cappuccino (3 Euro), kommt er doch in klassischer Form mit geschäumtem Milchschaum auf einem eher farblosen Kaffee. Mit der neuen Konkurrenz kann er nicht mithalten. Auch der Kuchen ist fein, aber eher herkömmlich als spannend und mit 4,30 Euro pro Stück auch recht hochpreisig.

Biokonditorei Eichel ; Eimsbüttel, Osterstraße 15

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Flimmern im Supermarkt: Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er ein in das Universum: lange Gänge, ewige Ordnung der Warenlager. Als er sich in Marion aus der Süßwarenabteilung verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Natürlich geht das nicht gut. Metropolis-Highlight des Kinojahres 2018: "In den Gängen".

Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 18 Uhr, 7,50 Euro

Disput der Lüge: "Die ganze Wahrheit ist, gelogen wird immer!" Sind selbst höfliche Umgangsformen nur eine institutionalisierte Form der Unaufrichtigkeit? Immer die Wahrheit zu sagen, kommt aber nicht gut an. Philosophin Simone Dietz und Psychoanalytiker Torsten Maul diskutieren mit dem Publikum: Psychoanalytischer Salon "Lüge".

Nachtasyl, Alstertor 1–5, 20 Uhr, Eintritt frei

Konzert-Kaleidoskop: Eigensinnig sei ihre Musik, bescheinigen ihr Kritiker. Sie erinnert an die Zwanziger, schillert wie ein Kaleidoskop zwischen Folk, Art-Pop und Psychedelic Rock. Josephine Foster selbst beschreibt sie so: "Faith and Fate, Destiny and Devotion, Dark Nights and Dazed Illuminations".

Westwerk, Admiralitätstraße 74, 20.30 Uhr, 15 Euro

Hamburger Schnack

Mein 12jähriger Sohn und ich lernen Englisch-Vokabeln. Ich frage ihn nach der deutschen Übersetzung von "telephone box". Er: "Telefon...? Ähm, wie nochmal?" Ich: "Telefonzelle". Er, völlig verdattert: "Was ist das?!"

Gehört von Franziska Schubert

Meine Stadt

Scheint fast, als sei ein Häuserfresser unterwegs © Maria Hummes

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

"In Schale geworfen": Michael Allmaier testet Hamburger Poke-Bars

Interview mit Rüdiger Kowalke, dem jüngst verstorbenen Betreiber des Fischereihafen Restaurants