Liebe Leserin, lieber Leser,

© Maria Feck

schon lange hat kein Thema mehr solche gespaltenen Reaktionen hervorgerufen wie das gestrige Interview zur Feinstaubbelastung durch Holzöfen. Bei 840 Kommentaren habe ich aufgehört zu zählen. Um es kurz zusammenzufassen: Die Meinungen unserer Leserinnen und Leser reichten von "Da die Menschheit das Feuer seit Jahrmillionen überlebt hat, dürfte also Feinstaub kein Problem sein" bis zu "Es stinkt. Die Luft stinkt. Hamburg stinkt. Und der Gestank kann unmöglich gesund sein".

Wir wollen aber Fässer nicht nur auf-, sondern hin und wieder auch zumachen. Vor knapp zwei Wochen haben wir über den ehemaligen SPD-Innensenator Michael Neumann berichtet. Die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr weigert sich, Auskunft über das Ergebnis einer Plagiatsprüfung von Neumanns Doktorarbeit zu geben. Vor einem halben Jahr hatte der NDR Vorwürfe erhoben, der Politiker habe Teile seiner Arbeit aus Wikipedia abgeschrieben und auch sonst nicht sauber gearbeitet. Der CDU-Abgeordnete Carsten Ovens nahm unsere Berichterstattung zum Anlass, um in einer Kleinen Anfrage den Senat um Aufklärung zu bitten – auch viele Leser fanden, die Universität als öffentliche Einrichtung müsse Auskunft geben. Nun ist die Antwort da. "Der Behörde liegen keine Erkenntnisse zu Prüfverfahren der HSU vor, die ein aufsichtsrechtliches Einschreiten erforderlich erscheinen lassen", heißt es dort reichlich bürokratisch. Neumann werde außerdem derzeit nicht "in den Bereichen Forschung oder Lehre an der HSU" eingesetzt. Der Senat hält das Thema damit offenbar für beendet.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihre Sigrid Neudecker

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

Aktuelles

© Daniel Bockwoldt/dpa

Porträt von Ex-Bürgermeister Ortwin Runde an Peter Tschentscher übergeben

Ein neues Porträt für die Galerie ehemaliger Hamburger Bürgermeister ist fertig. Das Bild Ortwin Rundes wird das Rathaus zieren. Runde, der 1997 bis 2001 als Chef der ersten rot-grünen Koalition Hamburgs regierte, wurde von Johannes Duwe verewigt. Am Montag übergab der Künstler im Beisein seines Modells das Gemälde an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Für Runde ist es die zweite Feierlichkeit innerhalb kurzer Zeit. Vor zwei Wochen wurde er 75 Jahre alt. In Hamburg ist es Usus, dass der neue Amtsinhaber seinem Vorgänger anbietet, sich für die Galerie porträtieren zu lassen. Ole von Beust und Christoph Ahlhaus (beide CDU) verzichteten bislang auf die Ehre, Olaf Scholz (SPD) hat sich offenbar noch nicht für einen Künstler entschieden. Aufgehängt werden die Porträts erst nach dem Tod des jeweiligen Ex-Bürgermeisters.

Vorkaufsrecht: Stadt greift zum zweiten Mal Investoren vor

Um die Verdrängung von Mietern zu verhindern, hat die Stadt drei bebaute Grundstücke im Schanzenviertel und eines in Ottensen gekauft. Damit nutzt sie zum zweiten Mal ihr Vorkaufsrecht. Der Hintergrund: In Gebieten, in denen die sogenannte Soziale Erhaltensverordnung gilt, prüft die Stadt bei jedem Immobilienverkauf die Absichten des Kaufinteressenten. Er muss sich verpflichten, bestimmte Regeln zum Schutz der Anwohner einzuhalten. Die Interessenten der nun verstaatlichten Grundstücke wollten sich darauf nicht festlegen. "Trotz intensiver Verhandlungen" sei man sich nicht einig geworden, teilte die Finanz- und Stadtentwicklungsbehörde mit. Somit gingen nun drei Flächen an Schulterblatt und Schanzenstraße mit insgesamt 20 Altbauwohnungen und sechs Gewerbeeinheiten in den Besitz der Stadt über. In Ottensen handelt es sich um elf Altbauwohnungen am Nernstweg.

In einem Satz

Von 14.432 Schülerinnen und Schülern, die vom Sommer an eine weiterführende staatliche Schule besuchen wollen, haben sich 7050 an einer der 58 Stadtteilschulen angemeldet +++ Der Online-Händler Otto.de will wie im Vorjahr 100 Millionen Euro in Technologie und neue Arbeitsplätze investieren +++ Wie "Focus Online" berichtet, hat die Hamburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Ex-Radprofi Jan Ullrich wegen des Verdachts der Körperverletzung vorläufig eingestellt

Was heute auf der Agenda steht

Im Prozess gegen den 61-Jährigen, der eine Frau in einem Linienbus mit einem Messer angegriffen haben soll, werden die Plädoyers sowie möglicherweise bereits das Urteil erwartet +++ Von heute an können Kartenbestellungen für die NDR-"Konzerte für Hamburg" in der Elbphilharmonie online oder in den Vorverkaufsstellen aufgegeben werden

Was Sie interessieren könnte

Alltagsreporter: Der Kioskbesitzer

Vorsätze, ha! Die werden eh gebrochen. Ein Stammkunde, junger Typ um die 30, erzählt mir vor Weihnachten noch, dass er jetzt endlich mit dem Rauchen aufhören werde, schon eine Woche ohne habe er geschafft. Am zweiten Januar steht er bei mir im Laden, mit rotem Kopf: "Noch diese eine Schachtel Zigaretten, ich muss ne Hausarbeit abgeben. Danach hör ich wieder auf, echt jetzt!" Jaja. Noch so’n Klassiker, den ich oft höre: "Ist doch eh schlechtes Wetter, was soll man da sonst machen, außer zu Hause zu bleiben und Chips zu essen?" Tolles Argument, das gilt in Hamburg ja wohl ständig. Schon komisch, dass die Leute immer das Bedürfnis haben, sich zu rechtfertigen, wenn sie rauchen oder futtern – vor mir, ausgerechnet, dabei guck ich bestimmt keinen schief an. Ich verdien ja dran.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Sebastian Vollmert

Initiative schlägt Wohnungen auf dem Dach des Schulcampus Lohsepark vor

Eine neue Idee hat die Initiative Schulbau Hamburg für den geplanten Schulcampus Lohsepark in der HafenCity präsentiert. Auf dem dortigen Baufeld 77 soll auf 15.000 Quadratmetern nicht nur ein Schulcampus mit Gymnasium und Stadtteilschule, sondern auch ein Wohnblock gebaut werden, der weitere 20.000 Quadratmeter belegen würde. Für Sporthallen und Schulhof wäre dann nur noch auf dem Dach des Schulgebäudes Platz (wir berichteten). Die Elterninitiative würde das Ganze am liebsten umdrehen und die Wohnungen auf das Dach des Schulgebäudes setzen, sodass weniger Grundfläche verbaut würde. Sie schlägt statt einer klassischen Schule ein "Haus des Engagements" vor, das als "Quartierszentrum für lebenslange Bildung" dienen soll. Außerdem wäre die Lärmbelästigung für Anwohner auf der Schule geringer als neben der Schule.

© Verbraucherzentrale Hamburg

"In Extremfällen zahlen Frauen doppelt so viel wie Männer"

Mit einer eigens kreierten Produktpalette demonstriert die Verbraucherzentrale Hamburg heute um 11 Uhr in der Boutique B-Lage (Kampstraße 11) gegen das sogenannte Gender-Pricing. Armin Valet von der Verbraucherzentrale erklärt, wie Frauen hierbei das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Elbvertiefung: Wir kennen den Gender-Gap, das Gender-Mainstreaming – was ist nun Gender-Pricing?

Armin Valet: Gemeint ist, dass sehr ähnliche Produkte für Frauen und Männer zu jeweils unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Diese Produkte sind inhaltlich fast gleich, trotzdem stellen wir erhebliche Preisdifferenzen fest – in Extremfällen zahlen Frauen doppelt so viel wie Männer.

EV: Welches Produkt ist denn im Test besonders aufgefallen?

Valet: Eklatant sind die Unterschiede bei Rasierprodukten. Das fängt an bei Einwegrasierern, die genau baugleich sind, und geht weiter bei Rasierschaum mit denselben Inhaltsstoffen. Da ist dann nur die Verpackung anders. Auch bei Parfüm gibt es Produkte "for Women" oder "for Men", die sich erheblich im Preis unterscheiden.

EV: Sind das Einzelfälle, oder zahlen Frauen für Drogerieartikel grundsätzlich drauf?

Valet: Man kann nicht sagen, dass wir quer durch den Drogeriemarkt Preisunterschiede haben. Es gibt viele Produkte, die nicht geschlechtsspezifisch angeboten werden. Und natürlich fühlt sich nicht jede Frau von einem rosa Etikett angesprochen. Aber es kommt doch sehr häufig vor, dass es in Drogerien Bereiche für Männer und Bereiche für Frauen gibt. Deshalb sind auch die Unterschiede oft nicht klar, weil die Produkte nicht nebeneinanderliegen.

Ob auch Männer bisweilen Opfer von Gender-Pricing werden und welche Tricks Hersteller noch anwenden, um Preisdifferenzen zu verschleiern, erzählt Armin Valet im vollständigen Interview auf ZEIT ONLINE.

© Staatsarchiv Hamburg

So sah das aus:

Spielbudenplatz, um 1900

Die Zeit der Spielbuden ist 1900 schon Geschichte: Die Holzbaracken, in denen Puppenspieler, Seiltänzer oder Kunstreiter auftraten, wichen bereits in den 1840ern festen Bauten. Als Erstes stand das Urania-Theater, prunkvoll ausgestattet und bald hoch verschuldet. Das Publikum musste damals bis 22 Uhr wieder durchs Millerntor in die Stadt zurück, wollte es nicht bezahlen oder im Niemandsland zwischen Hamburg und Altona übernachten. 1860 wurde die Torsperre aufgehoben, der Spielbudenplatz entwickelte sich zur Amüsiermeile – zur Freude der Theatermacher. Einer von ihnen war Ernst Drucker, der das einstige Urania 1884 kaufte und ihm später seinen eigenen Namen gab. Neben volkstümlichen Komödien spielte man "Hamburg im Jahre 2000": Das Plakat zeigt eine Seilbahn über der Elbe, die jedoch nicht nur nach Steinwerder führen sollte, sondern über "Berlin, Wien und Constantinopel" bis zum Mond. Weil Drucker Jude war, ordneten die Nazis an, das Haus neben der Davidwache umzubenennen. Die damaligen Betreiber entschieden sich für "St. Pauli Theater". Heute ist Druckers Name wieder an der Fassade zu lesen.

                                                                             Annabel Trautwein

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kaffeepause:

Neuer Lieblingsort

Freunde von süßen Leckereien haben Glück, denn es gibt in der Innenstadt einen neuen Ort für herrlichen Kaffee, Kuchen und anderes mehr. Das mit seinem Haupthaus in der Großen Elbstraße beheimatete Schmidt & Schmidtchen hat vor gut einer Woche ein neues Café in der Speicherstadt eröffnet. Gleich neben dem Lieblingsspot aller Fotografen der Speicherstadtnostalgie, der Poggenmühlen-Brücke mit Blick auf das Wasserschloss, liegt es in einem großen, neu erschlossenen Raum. Eine reiche Auswahl an Kuchen und süßen Teilchen wird angeboten, mittags auch Herzhaftes wie Quiche, Suppe und Ofenkartoffeln. Die Farbe an den Wänden leuchtet Blaugrau und Gold und unterstreicht den Industriechic des mehr als hundert Jahre alten Gemäuers, nur der gestrichene Betonboden glänzt ziemlich heftig, und die Atmosphäre ist ein wenig hallend. Der Käsekuchen überzeugt dann aber ebenso wie die Lübecker Nusstorte, der köstliche mallorquinische Mandelkuchen mit Marzipan (um die 3,80 Euro pro Stück) und der Kaffee aus Bohnen aus der hauseigenen Rösterei (Waterkant).

Speicherstadt, Schmidt & Schmidtchen, Alter Wandrahm 4, Mo–Fr 8–18 Uhr; Sa, So 9–18 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Musik für den Magen: "So locker, so entspannt, so familiär ist klassische Musik selten zu erleben", werben die Macher der Lunchkonzerte. Unter dem Motto "Edle Rottöne" spielen heute die Fagottisten der Symphoniker Hamburg zum Mittag auf.

Laeiszhalle, Brahms-Foyer, Johannes-Brahms-Platz, 12.30 Uhr, Eintritt frei

Flimmern am Altar: Wo muss Hilfe enden, damit Neues entstehen kann? In "Vincent will Meer" suchen der am Tourettesyndrom erkrankte Vincent, der Zwangsneurotiker Alexander und die magersüchtige Marie nach einem selbstbestimmten Leben. Filmabend mit Gespräch und Wein.

Lutherkirche Eißendorf, Kirchenhang 21, 19 Uhr, Eintritt frei

Rolli-Buch: Fotograf auf den Kontinenten der Welt, ständig unterwegs mit der Kamera – das war Arnold Schnittgers Leben. Dann wurde sein Sohn Nico geboren, "ein bisschen schief ins Leben gebaut". Nun sind die zwei auch ständig unterwegs: von Amt zu Amt, mit Windelpaketen und Rollstuhl."Ich berühr den Himmel", Lesung.

ViaCafélier, Paul-Dessau-Straße 4, 20 Uhr, Eintritt frei

Hamburger Schnack

Unterhaltung zwischen zwei Mitarbeitern eines Baumarktes. Irgendwas hat wohl nicht funktioniert und war auch nicht zu beheben. Sie: "Ich dachte, du hast übermenschliche Fähigkeiten?" Er: "Hab ich auch, aber nicht auf der Arbeit."

Gehört von Wiebke Neelsen

Meine Stadt

Auf der Wilhelmsburger Elbinsel. Was den Apfel wohl noch am Baum hält? Sturheit? Vergesslichkeit? Trotz? Höhenangst? © Wolf Saure

Korrektur

Gestern hatten wir geschrieben, dass es vergangenes Jahr nur 351 Verkehrsunfälle in Hamburg gab. Das ist tatsächlich zu schön, um wahr zu sein. In Wirklichkeit waren es 67.537 Unfälle und somit um 351 weniger als 2017. Wir bitten Sie, diesen Fehler zu entschuldigen.

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

So funktioniert Gender-Pricing.