Weniger Einbrüche, weniger aufgebrochene und gestohlene Autos, weniger geklaute Fahrräder: Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Andy Grote sind ziemlich zufrieden mit der Arbeit der Hamburger Polizei im vergangenen Jahr. Das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, ist so gering wie zuletzt 1980. Die Zahl der erfassten Straftaten sinkt, die Aufklärungsquote steigt. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Die Zahl der Sexualstraftaten steigt, ebenso die der Betrugsdelikte. Die Drogenkriminalität ist sogar um ein Viertel gestiegen. Ist das ein Problem? Wir haben uns die einzelnen Felder genauer angeschaut.


Wohnungseinbrüche

Nachdem die Zahl der Wohnungseinbrüche jahrelang gestiegen war, gründete die Polizei 2015 die Sonderkommission Castle, um den Einbrechern auf die Spur zu kommen. Die Maßnahme zeigt Wirkung: In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche von 9006 auf 4601 fast halbiert. Offenbar machen viele reisende Einbrecherbanden, die für einen großen Teil der Taten verantwortlich sind, inzwischen einen Bogen um die Stadt. Wirkung zeigt auch die Vorsorge vieler Privatleute: Die Einbrecher scheitern immer häufiger an gesicherten Fenstern und Türen, in fast der Hälfte der registrierten Fälle schafften sie es nicht in die Wohnung. Erfolgreiche Einbrecher findet die Polizei allerdings auch weiterhin nur in einem Bruchteil der Fälle. Nur etwa jeder zwölfte Einbruch wurde im vergangenen Jahr aufgeklärt.


Fahrraddiebstahl

Nachdem die Zahl der Farraddiebstähle zwischen 2011 und 2016 stark anstieg, geht sie nun kontinuierlich zurück. 2016 wurden 17.486 Fahrräder geklaut, schon 2017 wurden weniger Fahrräder gestohlen, im vergangenen Jahr registrierten die Beamten noch 13.718 Diebstähle. Die Maßnahmen der Polizei wirken offenbar: Mehrfach durchsuchten Beamte 2017 und 2018 mit großem Aplomb Lager in Rothenburgsort, die als Umschlagsorte für Hehlerräder gelten. Die Beamten beobachten dabei zunehmend eine neue Masche: Diebe kundschaften tagsüber hochwertige Fahrräder aus, sichern diese dann mit einem zusätzlichen Schloss. Wenn die frustrierten Besitzerinnen die Räder dann stehen ließen, kämen die Diebe nachts wieder und nähmen sie mit.


Aufgebrochene Autos

Seit Anfang des Jahrtausends werden immer weniger Autos aufgebrochen und geklaut: Im vergangenen Jahr waren es 1.766 Fahrzeuge. Trotz sinkender Fallzahlen steigt allerdings die Schadenshöhe: Die Täter fokussieren sich zunehmend auf deutsche Premiummodelle, außerdem werden Fahrzeuge und Fahrzeugteile immer teurer, dadurch steigt der Schaden.


Mord und Totschlag

20 Menschen starben im vergangenen Jahr in Hamburg, weil sie vorsätzlich getötet wurden. Das waren sechs Fälle mehr als im Vorjahr. Stark gesunken ist allerdings die Zahl von versuchtem Mord oder Totschlag. Deswegen ging die Gesamtzahl der Fälle von vorsätzlicher Tötung um 15 Taten auf 59 zurück. Ein Trend lässt sich darin allerdings nicht erkennen, die Zahl schwankt beträchtlich. Was jeder Krimizuschauer weiß, bestätigt auch die Kriminalstatistik: In vier von fünf Fällen kannten sich Täter und Opfer vor der Tat. In jedem dritten Fall war 2018 der Partner der Täter. Und wie im Fernsehen ist die Aufklärungsquote sehr gut. Weil im vergangenen Jahr mehrere ältere Fälle gelöst wurden, lag sie statistisch sogar bei mehr als 100 Prozent.

Drogenkriminalität

Die Zahl der Drogendelikte ist im vergangenen Jahr stark um mehr als ein Viertel auf 13.281 Fälle gestiegen. Die Polizei begründet dies mit der Arbeit ihrer Drogen-Taskforce, die auf St. Pauli, in der Sternschanze und in St. Georg Dealer stärker kontrolliert. Dadurch werden viele Straftaten jetzt erst in der Statistik erfasst. Die Polizei will so die öffentlich sichtbare Drogenkriminalität reduzieren und damit das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erhöhen.


Sexualdelikte

Die Zahl der Sexualstraftaten ist im vergangenen Jahr gestiegen, das gilt besonders für schwere Sexualdelikte wie Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Belästigungen. Deren Zahl ist um 14 Prozent auf 857 bekannt gewordene Fälle gestiegen. Die Polizei erklärt das vor allem damit, dass viele Opfer durch die #MeToo-Debatte den Mut hätten, Straftaten zur Anzeige zu bringen. Das zeige sich auch daran, dass sich mehr als ein Viertel der registrierten Anzeigen auf Straftaten beziehen, die teils schon vor vielen Jahren verübt worden sein sollen.

 

Betrug

Bei Zahl der bekannt gewordenen Betrugsdelikte steigt weiter – und das, obwohl viele Delikte gar nicht in Hamburg erfasst werden. Wenn etwa ältere Menschen von Callcentern aus dem Ausland angerufen werden und um Geld gebracht werden sollen, gehen diese Straftaten nicht in die Hamburger Statistik ein. 2018 hat besonders der Betrug im Onlinehandel zugenommen. Eine beliebte Masche: Teure Produkte werden online bestellt und dafür die Login-Daten von real existierenden Personen genutzt. Hinter diesem Identitätsdiebstahl vermutet das Landeskriminalamt gut organisierte Bandenstrukturen.

 

Jugendkriminalität

Der Anteil der Jugendlichen an den registrierten Tatverdächtigen geht zurück – das gilt sogar stärker für Jugendliche, die nicht aus Deutschland stammen.


Kriminalität von Ausländern und Flüchtlingen

Ausländer werden deutlich häufiger kriminell als Deutsche. Zum Vergleich: Von 100 Deutschen werden jährlich 2,6 straffällig, bei den Nichtdeutschen 11,2 und bei Flüchtlingen 13 Prozent. Statistisch sei das teilweise allerdings damit zu erklären, dass die Flüchtlinge mehrheitlich junge Männer seien, heißt es von der Polizei. Junge Männer werden unabhängig von der Herkunft überproportional oft straffällig. Berechne man diesen statistischen Effekt heraus, relativiere sich das Verhältnis wieder. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 5.900 Flüchtlinge als Tatverdächtige erfasst. Das waren etwas mehr als 2017, aber deutlich weniger als 2016. Besonders häufig wurden sie wegen Körperverletzung, Ladendiebstahl und Drogendelikten auffällig.

Dies ist ein Artikel aus dem Ressort ZEIT:Hamburg. Hier finden Sie weitere News aus und über Hamburg.