Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

es war der Hamburger Aufreger des Wochenendes – und wurde deutschlandweit in den sozialen Medien diskutiert: Im Eppendorfer Café Moki’s Goodies sind Kinder unter sechs Jahren nicht erwünscht. Seit Monaten findet sich dieser Hinweis auf der Homepage, doch erst jetzt ärgerte sich eine Kundin so sehr, dass sie es auf Instagram postete und einen Shitstorm auslöste. Inzwischen hat sich auch die Café-Besitzerin auf Instagram zu Wort gemeldet: Sie sei selbst Mutter, aber müsse unternehmerische Entscheidungen treffen dürfen, ohne gleich gemobbt zu werden. Wir haben in der Redaktion darüber diskutiert, wie verbreitet solche Regelungen sind. Und sind dann gleich zu einer größeren Frage gekommen: Wie kinderfreundlich ist Hamburg eigentlich? Wir würden gern Ihre Meinung hören. Haben Sie in Cafés, Restaurants oder anderen öffentlichen Einrichtungen schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? War das für Sie ein Problem – oder liegen die Hürden für den Alltag mit Kindern Ihrer Meinung nach ganz woanders?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de.

AKTUELLES

Hamburger Frauen bekommen 21,9 Prozent weniger Gehalt als Männer

© Axel Heimken/dpa

Liebe Männer, was haben Sie sich von Ihrem Gehalt in diesem Jahr schon geleistet? Wären Sie eine Frau, hätten Sie darauf jedenfalls verzichten müssen. Heute ist Equal-Pay-Day, das heißt: Die durchschnittliche Frau hätte rein rechnerisch bis zum heutigen Tag weiterarbeiten müssen, um auf das Gehalt zu kommen, das der durchschnittliche Mann schon im Vorjahr verdient hat. Denn das Durchschnittseinkommen der Männer liegt deutschlandweit 21 Prozent über dem der Frauen, in Hamburg sind die jüngsten Werte von 2014, damals betrug der Unterschied 21,9 Prozent. Kritiker monieren, dass dieser Wert nicht fair sei, weil Frauen häufig schlechter qualifiziert seien, öfter in Teilzeit und in schlechter bezahlten Jobs arbeiteten. Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bekommen Hamburger Frauen immer noch 5,9 Prozent weniger als die Männer. Und für alle Skeptiker zum Nachdenken: Könnte es möglicherweise mehr mit gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen als mit individuellen Entscheidungen zu tun haben, dass Frauen in schlechter bezahlten Jobs und in Teilzeit arbeiten? 

16 Drogendealer in der Hafenstraße festgenommen

Die Polizei macht ernst gegen die offene Drogenszene an der Hafenstraße und der Balduintreppe. Nach einer mehrstündigen Razzia mit der Ausländerbehörde am Donnerstagabend haben die Beamten ihre Funde präsentiert: 30 kleinere Portionen Kokain, 320 Gramm Marihuana, 40 Ecstasy-Tabletten und fünf Gramm Amphetamin konnten sie sicherstellen. Insgesamt wurden 19 Menschen vorläufig festgenommen, darunter 16 Dealer. Zwei Tatverdächtige seien dem Haftrichter zugeführt worden, acht Personen wurden der Ausländerbehörde überstellt. Die Polizei kündigte an, dass es nicht die letzte Maßnahme dieser Art gewesen sein wird.

Tausende Schüler trotz Ferien bei Klima-Demo

© Georg Wendt/dpa

Es war der böse Vorwurf vieler Kritiker: Die Schülerinnen und Schüler, die seit Wochen jeden Freitag für mehr Klimaschutz demonstrieren, hätten ihr Interesse für die Umwelt nur entdeckt, um die Schule zu schwänzen. Nun aber haben die Hamburger Schüler bewiesen, dass es ihnen um die Sache, nicht etwa ums Schuleschwänzen geht. Trotz Ferien sind am Freitag Tausende Demonstranten zum "Fridays for Future"-Streik auf die Straße gegangen, es war die bisher größte Demo dieser Art in Hamburg. Die Polizei sprach von rund 7000, die Organisatoren von etwa 10.000 Teilnehmern.

In einem Satz

Im Konflikt um die Gehälter des Bodenpersonals am Flughafen hat in der fünften Verhandlungsrunde die Gewerkschaft DBB/Komba einer Lohnerhöhung von mehr als sieben Prozent zugestimmt, die erbitterte Auseinandersetzung mit ver.di geht allerdings weiter +++ R&B-Sängerin Rihanna verklagt die Inhaberin eines Hamburger Schönheitssalons, weil die ihren Laden nach ihrer Nichte und ihrer Tochter benannt hat: "Rihana Lamis". Die Sängerin wittert Verwechslungsgefahr +++ Der HSV hat im eigenen Stadion 2:3 gegen Darmstadt 98 verloren +++ Der FC St. Pauli hat nach der Pleite im Derby auch in Sandhausen 0:4 verloren +++ Ein ehrlicher Mann hat auf der Fahrt von Bremen nach Hamburg im Zug eine Damenhandtasche mit 2000 Euro gefunden und der Bundespolizei übergeben

Was heute auf der Agenda steht

Schulsenator Ties Rabe (SPD) will erklären, wie Hamburg die 128 Millionen Euro aus dem Digitalpakt mit dem Bund an den Schulen einsetzen will +++ Vor dem Amtsgericht beginnt heute der Prozess wegen fahrlässiger Tötung gegen einen 46-Jährigen Schiffsführer, der mit seinem Schubverband im November 2016 ein Sportboot überfahren haben soll; bei dem Unfall starb der Skipper des Sportboots +++ Mit einem Empfang im Rathaus feiert die Stadt das 100-jährige Jubiläum der Volksbühne

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Die Hebamme

Babys ohne Kopfbedeckung sehe ich nicht gerne. Wenn es jetzt Frühling wird, 15 Grad und Sonne, die Mutter hat selbst eine Mütze auf, das Kind ohne Haare aber nicht. Sagen würde ich trotzdem nie etwas, wenn mir so jemand entgegenkommt. Überhaupt versuche ich in meinem privaten Umfeld, bei Freunden und Verwandten, keine ungefragten Ratschläge zu geben.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Wie hält sie das aus?

© Christian Charisius/dpa

Es ist der erste Sonntag in den Herbstferien 2016, als an der Alster ein Unbekannter den 16-jährigen Victor ersticht, der mit seiner Freundin auf einer Bank sitzt. Zwei Jahre später fehlt von dem Täter immer noch jede Spur. Wie geht man als Mutter mit so etwas um? Immer wieder hat Kilian Trotier in den vergangenen Jahren Victors Mutter Véronique Elling getroffen. Sie hat ihm erzählt von Victor, der so gerne Romane von Stefan Zweig las und von dem sie glaubt, dass er wohl einmal Schriftsteller geworden wäre. Von jenem verhängnisvollen Tag, als die Familie morgens noch gemeinsam Hausmusik machte. Und von ihren Versuchen, mit der Trauer fertigzuwerden. Den Text können Sie als Abonnent hier lesen.

Wie die "Neue Rechte" mit Geld aus Hamburg aufstieg

150 Organisationen – Parteien, Thinktanks, Vereine, Verlage – zählen zum Netzwerk der "Neuen Rechten". Es ist eine "Gegenkultur, in der militante Neonazis mit Bundestagsabgeordneten der AfD verbunden sind, und sie weitet sich rasant aus", schreiben die ZEIT-Reporter Christian Fuchs und Paul Middelhoff in ihrem neuen Buch. Welche Verbindungen das Netzwerk nach Hamburg hat, darüber hat Folko Damm mit Paul Middelhoff gesprochen.

Elbvertiefung: Herr Middelhoff, welche Rolle spielt Hamburg im Netzwerk der "Neuen Rechten"?

Paul Middelhoff: In Hamburg lebt einer ihrer wichtigsten Finanziers, der Unternehmer Folkard Edler. Er ist ein wohlhabender Reeder, der über die Jahre ein großes Firmenimperium aufgebaut hat. Er lebt an der Elbchaussee und geht gern golfen.

EV: Wie sind Sie bei Ihren Recherchen auf Edler gekommen?

Middelhoff: Wir sind in den Spendenberichten des Deutschen Bundestages von 2013 auf ihn gestoßen. Er und seine Frau hatten der AfD jeweils 50.000 Euro gespendet. Gleichzeitig gab es Berichte über zwei Darlehen von jeweils 500.000 Euro an die Partei. Also haben wir weiterrecherchiert.

EV: Hat sich Edlers finanzielle Unterstützung der "Neuen Rechten" nur auf die AfD beschränkt?

Middelhoff: Nein, wir stießen bei der Recherche darauf, dass es schon Anfang der 2000er-Jahre Spenden von ihm an die Deutsche Partei gab, eine rechtsradikale Splitterpartei. Wir haben in Akten gewühlt und entdeckten eine weitere Zuwendung von Edler an die "Neue Rechte". Er hat einem rechten Verein eine Immobilie in Berlin im Wert von 3,6 Millionen Euro überschrieben. Dort sitzt heute die Bibliothek des Konservatismus, die Vorträge mit rechten Inhalten organisiert und einen großen Buchbestand zu Themen der Bewegung unterhält.

EV: Wie viel Geld hat Edler Ihres Wissens nach in die Bewegung investiert?

Middelhoff: Nach unseren Erkenntnissen belaufen sich die Zuwendungen von Edler an die "Neue Rechte" insgesamt auf knapp fünf Millionen Euro. Damit ist er einer ihrer einflussreichsten Spender, wenn nicht der einflussreichste Spender. 

EV: Was hat Hamburg noch mit der "Neuen Rechten" zu tun?

Middelhoff: Hamburg ist bei unseren Recherchen sonst kaum aufgetaucht, die Stadt steht nicht wirklich in Verbindung mit der "Neuen Rechten". Überhaupt gibt es in ganz Norddeutschland nur relativ wenige Verbindungen zu der Szene. Auffällig war, dass ihre Geldgeber und Protagonisten zumeist gebürtig aus Westdeutschland kommen, während die Bewegung in Ostdeutschland besonders großen Zuspruch erfährt.

Das Buch "Das Netzwerk der Neuen Rechten – Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern" von Christian Fuchs und Paul Middelhoff ist bei Rowohlt erschienen. In der aktuellen ZEIT-Ausgabe schreiben sie darüber, wie der kleine Verein "Ein Prozent" versucht, radikal rechtes Gedankengut in die deutsche Gesellschaft zu mischen. Für Abonnenten hier zu lesen.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch

Weil cool nicht alles ist

In dunklem Blau und elegantem Braun gehalten, nimmt der Pizza Social Club in Winterhude seinen Gast schon beim Betreten ein. Soulige Musik strömt aus den Boxen, sie füllt den Raum, der bis auf wenige Tische leer ist. Zwei Grundarten Pizza gibt es hier, "red" mit und "white" ohne Tomate, Mittags im Angebot für 9,50 Euro inklusive eines Glases frischen Tafelwassers für 9,50 Euro. Man bestellt die Pizza der Woche "white" mit Gorgonzola und Spinat. 19 Jahre lang befand sich an dieser Stelle das 3 Tageszeiten, ein Kult-Restaurant, in dem Promis und Geschäftsleute verkehrten. Mittags gab es hier kaum Plätze, und der Geräuschpegel war enorm. Zum Jahresende 2017 schloss es, und seit gut einem Jahr befindet sich der Pizza-Club hier, der mit dem Slogan "Eat, Drink, Kiss – Smile, Talk, Share" für sich wirbt. Ob das Konzept aufgeht? Immerhin: Die Pizza, die – auf einem hübschen Teller mit einem riesigen Messer – flugs auf den Tisch kommt, schmeckt köstlich, nur einen Hauch von Knoblauch hätte man sich gewünscht. Insbesondere der Teig ist großartig: knusprig und nicht zu dick.

Pizza Social Club; Winterhude, Mühlenkamp 29, Mittagstisch Mo–Fr 12–15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Hanse-Pop: Vor wenigen Tagen ist ihr neues Album "When the Harbour Becomes the Sea" erschienen, schon geht die Hamburgerin Vivie Ann damit auf Tour. Sie startet in der Hanse-Heimat, bringt mit zartem Elektropop Melancholie, aber auch Tanzfunken in die Stadt.

Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 69, 19.30 Uhr, VVK 16,10 Euro

Was bleibt

Die Bildung jubiliert: Zum Geburtstag viel Glück! Nicht nur Uni und Volksbühne, sondern auch Volkshochschule, Bücherhallen und Elbkinder feiern dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Gründungsziel war vor allem, Kultur und Bildung für alle zu schaffen. Mit Erfolg? Ausstellung: "100 Jahre Bildung und Lernen in Hamburg".

Rathausdiele, Rathausmarkt 1, Ausstellung bis zum 10. 4., Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa/So 8–17 Uhr, Eintritt frei

Was kommt

Posen gegen Plastik: Was haben Fotos mit Plastik zu tun? Zum "Bundesweiten Refill-Day" sucht die Organisation Refill Deutschland "Auffüller in Aktion". Sie sollen sich an einer der Hamburger Stationen samt Thermoskanne und Co. in Szene setzen – und so Stellung beziehen gegen Plastikmüll weltweit. Die drei besten Fotos gehen viral.

Refill-Stationen Hamburg, Fotos bis Mittwoch an refillday@refill-deutschland.de

Krimi mit Sushi: Um ein Haar hätte sich Irene dem öden Alltag ergeben. Doch alles ändert sich, als sie ein falsches Paket annimmt: Plötzlich umgeben sie Schmuggler, Drogenfreaks und Polizistinnen. "Krimispannung und Küstensushi – Kulinarische Lesung mit drei Stimmen".

Kulturschloss Wandsbek, Königsreihe 4, Fr, 19.30 Uhr, 8 Euro inkl. Probehappen Sushi, Anmeldung unter kontakt@kulturschloss-wandsbek.de

Hamburger Schnack

Wochenmarkt in Groß-Flottbek. Kunde: "Gibt’s Süßkartoffeln?" Verkäufer: "Ja, gibt’s. Aber nicht bei uns."

Gehört von Christian Langfermann

Meine Stadt

Backstein-Ornamentik Kontorhausviertel nähe Chilehaus. © Hans Appell

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Wie hält sie das aus? Vor gut zwei Jahren wurde ihr Sohn Victor an der Kennedybrücke von einem Unbekannten erstochen. Seither versucht Véronique Elling damit leben zu lernen. Für Abonnenten.

Die Wutmacher. Wie der kleine Verein "Ein Prozent" versucht, radikal rechtes Gedankengut in die deutsche Gesellschaft zu mischen. Für Abonnenten.