Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

gestern habe ich mal wieder einen neuen Teil von Hamburg kennengelernt: Sinstorf, ganz im Süden der Stadt. Ich dachte, dort wäre unser Kneipengespräch für die Aktion "Hamburg besser machen", wurde dann aber von einem Leser eines Besseren belehrt. Das Lokal "Horse in Pub" liege 300 Meter vor der Grenze noch in Langenbek. Was treibt die Sinstorfer und Langenbeker um? Vor allem die Sorge, dass sie im fernen Hamburger Rathaus und von den Behörden nicht gehört werden. So erzählten mir einige, dass sie jahrelang für eine Tempo-30-Zone vor einer Schule gekämpft hätten. Irgendwann genehmigten die Beamten im fernen Norden der Stadt den Vorschlag – wenige Wochen bevor die Schule umziehen musste. Viele der Harburger ärgern sich auch, dass der neue Verkehrsanbieter Moia bei ihnen nicht fährt, dass man kein Carsharing-Auto bekommt und dass der Senat offenbar auch für die nächsten 30 Jahre Richtung Innenstadt keine Alternative zur völlig überlasteten S3 plane. Einige ihrer vielen Vorschläge: Die U4 nach Harburg verlängern. Und mehr Eigenständigkeit für die Bezirke. Haben Sie auch Ideen für Hamburg? Dann beteiligen Sie sich gerne unter www.hamburgbessermachen.de.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns: hamburg@zeit.de

Aktuelles

© Daniel Bockwoldt/dpa

Loki Schmidt mit Sonderbriefmarke geehrt

Am 3. März wäre Loki Schmidt 100 Jahre alt geworden – deswegen ehrt das Bundesfinanzministerium die Ehefrau von SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt mit einer Sonderbriefmarke. Die wurde gestern feierlich im Museum für Hamburgische Geschichte präsentiert. Mit der Sonderbriefmarke sollen die Verdienste Loki Schmidts im Bereich Naturschutz und Umweltbildung gewürdigt werden. Sie galt als eine der bekanntesten Naturschützerinnen Deutschlands.

Schöner spazieren am Nikolaifleet

Am Wasser entlang vom Mahnmal St. Nikolai zur Katharinenkirche spazieren, ohne sich dem tosenden Autoverkehr auszusetzen? Dafür soll auf Wunsch der Bezirksversammlung Mitte ein neuer Fußgängerweg über das Nikolaifleet entstehen. Er soll (anders als der NDR gestern suggerierte) nicht unterirdisch, wohl aber unterhalb der Willy-Brandt-Straßen-Brücke am Wasser entlangführen. Die Idee stammt von der Initiative "Altstadt für alle!", die die Geschichte des Nikolaifleets betont: Mit dem Warenumschlag an der früheren Alstermündung begann die Entwicklung des Hamburger Hafens. Zunächst prüfen die Fachbehörden, ob sich die gewünschte Fußgängerbrücke über das Fleet überhaupt umsetzen lässt. Schon vor zweieinhalb Jahren hatte der Architekt Rolf Kellner seine Vision von der Innenstadt hier erklärt.

                                                                                        Annabel Trautwein

In einem Satz

In Poppenbüttel ist eine 60-jährige Frau gestorben, nachdem sie in einer abschüssigen Tiefgaragenzufahrt beim Öffnen des Tores von ihrem eigenen Auto überrollt wurde +++ Das Landgericht hat einen 40-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er vor einem Jahr in einer Seniorenwohnanlage in Poppenbüttel eine 93-Jährige überfallen und schwer verletzt hatte.

Was heute auf der Agenda steht

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) resümiert, wie weit die Stadt nach zehn Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt hat +++ Die CDU trifft sich zu einem Parteitag

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Der Kioskbesitzer

Was sich am Wochenende gut verkauft: Gewürzgurken. Diese dicken, verschrumpelten Dinger im Einmachglas. Und ich frage mich: Was habe ich da schon wieder verpasst? Gurken-Diät, Gurken-Partys oder was? Oder doch einfach nur: Gurken als Anti-Kater-Mittel? Klar, das könnte sein. Aber warum gehen die Gurken am Samstagmorgen genauso gut weg wie am Sonntagabend? Warum sind so viele junge Leute unter den Käufern? Da steckt doch was dahinter. Andererseits: Ich muss auch nicht alles verstehen.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

© Christoph Bähnk

Labskaus für Feinschmecker

Fischmarkt, Reeperbahn und große Hafenrundfahrt sind Insignien der hamburgischen Identität, über die sich schwer streiten lässt. Anders verhält es sich mit Labskaus. Will man das wirklich essen? Wenn, dann am besten im Old Commercial Room am Michel. So lautete die Empfehlung Helmut Schmidts. Die hat unser Restaurantkritiker Michael Allmaier überprüft. Er hat sich außer dem Kleingehackten auch das Kleingedruckte zum Traditionsgericht angesehen und dabei überraschende Entdeckungen gemacht. Was er im Umgang mit der Hamburgensie empfiehlt, lesen Sie hier.

© Uwe Anspach/dpa

"In der Praxis ist sehr viel schiefgelaufen"

Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Behinderung sollen genauso am normalen Unterricht teilnehmen können wie alle anderen Schüler auch. Auf den Tag genau seit zehn Jahren gilt in Deutschland diese Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention. Doch wie gelingt Inklusion im praktischen Schulalltag? Wir haben Pit Katzer gefragt, ehemaliger Schulleiter und Inklusions-Vorkämpfer.

Elbvertiefung: Herr Katzer, 2017 waren Sie einer der Köpfe der Volksinitiative "Gute Inklusion". Was hat Ihre Initiative rückblickend erreicht?

Pit Katzer: Die Bürgerschaft hat beschlossen, die Personalausstattung für die Inklusion deutlich zu verbessern. In den Anfangsjahrgängen – also den Vorschulklassen und ersten Klassen in der Grundschule, den fünften Klassen und elften Klassen in den weiterführenden Schulen – wurden bereits zusätzliche Lehrerstellen bewilligt. Das wächst in die folgenden Jahrgänge durch.

EV: Das klingt doch gut.

Katzer: Ja, allerdings haben wir ein Problem, diese bewilligten Stellen auch alle zu besetzen – ganz unabhängig von der Inklusion wird es in Hamburg immer schwieriger, Personal für die Schulen zu finden. Ganz besonders schwer ist das im Bereich Pflege und Therapie. Da verschärfen die Versäumnisse der Behörde sogar das Problem.

EV: Was meinen Sie damit?

Katzer: Wir haben erstmalig durchgesetzt, dass es an den inklusiven Schulen mit mindestens fünf körperlich behinderten Schülern Pflege und Therapie durch staatlich bezahlte Kräfte gibt, vergleichbar mit der Situation in Sonderschulen. Das ist erst einmal positiv. In der Praxis ist allerdings sehr viel schiefgelaufen. Das Personal hätte zum Schuljahresbeginn anfangen sollen, das heißt, die Schulen hätten diese Stellen bis Ende Mai ausschreiben müssen. Die Schulleiter wurden aber erst anderthalb Wochen vor den Sommerferien informiert, dass es dieses Paket für alle Jahrgänge geben soll. Das ist schon ein Skandal.

EV: Das heißt, die Schulen müssen weiterhin ohne Pflegekräfte und Therapeuten auskommen?

Katzer: In dem Bereich ist bisher tatsächlich kaum etwas umgesetzt worden. Die Ausschreibungen sind erst zum September erfolgt, als das Schuljahr schon einige Wochen lief. Und das bei einem Arbeitsmarkt, der mindestens so leer gefegt ist wie der Lehrer-Arbeitsmarkt. Nur zehn Prozent der vereinbarten Stellen konnten zu Mitte September noch besetzt werden. Jetzt warten wir auf Zahlen, wie es zum zweiten Halbjahr aussieht. Das ist der quantitative Aspekt.

Wieso Therapeuten und Pflegekräfte an Inklusionsschulen nach Pit Katzers Einschätzung oft nicht sinnvoll arbeiten können und welche Erwartungen von Eltern enttäuscht werden, lesen Sie im vollständigen Interview unserer Kollegin Annabel Trautwein auf ZEIT ONLINE.

32.000 neue Karten für die Elbphilharmonie

Die Kartenlotterie der Elbphilharmonie geht heute in die nächste Runde. Ab 11 Uhr kann man unter www.elbphilharmonie.de und in den Vorverkaufsstellen Karten für 16 Konzerte im August kaufen. Auf dem Programm stehen: fünfmal Klassik, fünfmal Pop, dreimal Jazz, zweimal Filmkonzerte mit Live-Jazz und ein Doppelprogramm aus Klassik und Pop.

Wie kann Hamburg besser werden, Herr Burckhardt?

© Hannah Sophie Trampe

"Hamburg gehört nicht nur den Menschen. Und auch nicht nur den Generationen, die jetzt gerade leben. Wir sollten anfangen, das in unsere Entscheidungen und Handlungen einzubeziehen. Die Stadt muss unbedingt grüner werden! Es braucht Blühstreifen statt immer nur Rasenflächen. Waldgebiete müssen geschützt werden, und so eine Verkehrsinsel muss auch nicht immer zubetoniert sein. Rissen beispielsweise ist ein Ort für Natur, Großevents haben hier keinen Platz. Ich möchte insgesamt gerne eine lebenswerte Welt hinterlassen und mich aktiv für eine solche einsetzen können, deshalb wünsche ich mir mehr Mitspracherecht für Bürgerinnen und Bürger."

Götz Burckhardt, 64, Landschaftsgärtner, war beim "Hamburg besser machen"-Kneipenabend in Rissen dabei. Gemeinsam mit der Körber-Stiftung veranstalten wir in den kommenden Wochen Kneipengespräche, außerdem sammeln wir auf der Internetseite hamburg-besser-machen.de Ihre Ideen. Sagen Sie uns, was nicht so gut läuft in Hamburg und was man ändern könnte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Kaffeepause

Hübsches türkisches Café

Vor dem Fenster tropft Regenwasser aus einem abgebrochenen Regenrohr. Schräg gegenüber befindet sich ein bulgarischer Kulturverein, daneben ein Laden für »balkanische Lebensmittel«, nur ein Stück weiter ein Handyshop. Man befindet sich mitten in Wilhelmsburg, im Vogelhüttendeich. Hier befindet sich das Cukur Tost, ein neu eröffnetes kleines türkisches Café, das, wie der türkische Name schon sagt, Toast anbietet. Vor allem konzentriere man sich auf das Frühstück, sagt der freundliche Inhaber. Es lohnt sich aber auch, für die Süßigkeiten und den Mokka zu kommen. Der wird in einer Tasse mit silberner Umhüllung mit Deckel serviert und schmeckt fantastisch: schön dick und leicht gesüßt. Probiert werden der hausgemachte Grießkuchen, ebenfalls lecker, die Baklava mit feiner Creme und der Milchreis. Letzterer wird im Ofen zubereitet und mit einer Schicht aus Zimt und Haselnüssen versehen, wie es üblich ist an der türkischen Schwarzmeerküste. Eine großartige Kombination. Schön ist es hier in diesem kleinen, ganz individuell mit tiefen, samtigen Sesseln eingerichteten Café mit Schwarz-Weiß-Fotos an der Decke.

Wilhelmsburg, Cukur Tost (keine Website)

Vogelhüttendeich 80, Di–Sa 10–17 Uhr, So 10–16 Uhr

 

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Jung wie ein Rentner: "Was geht da noch?", fragt sich der Autor Dieter Bednarz, als ihm sein Arbeitgeber anbietet, früher aufzuhören. Dann kauft seine Frau ihm auch noch eine Rentner-Karte. Buchvorstellung: "Zu jung für alt – vom Aufbruch in die Freiheit nach dem Berufsleben".

stories! im Falkenriedquartier, Straßenbahnring 17, 19.30 Uhr, 5 Euro, Anmeldung unter anmeldungen@stories-hamburg.de

Bühnenbotschaft:"Die Regierung" hat "Was" zu sagen. Sie will "Raus" in die Welt, ist "So drauf" wie immer. Heute "Vielleicht in Hamburg"; im Konzert erklären sich die Titel der Alben und Singles vielleicht von selbst. Comeback mit Unterstützung von Tilman Rossmy und der Botschaft.

Knust, Neuer Kamp 30, 21 Uhr, VVK 19,90 Euro

Was bleibt

Plakatkunst: Trotz Digitalisierung gibt es sie noch, die Plakate. Sie kleben an Laternenpfählen, Hauswänden, Bahnstationen. Geraten sie in die Hände einer aufmerksamen Künstlerin wie Friederike Lydia Ahrens entstehen Collagen, die Nostalgie in sich tragen – zugleich aber Momentaufnahmen sind von Hamburger Stadtteilen. Ausstellung: "Poesie der Straße".

Wälderhaus Wilhelmsburg, Am Inselpark 19, Ausstellung bis zum 4.6.; Vernissage heute, 18 Uhr, Anmeldung unter 040/30 21 56 603

Hamburger Schnack

Am Sonntagnachmittag im Zoologischen Museum. Zwei Jungen, etwa 12 und 15, stehen vor einer Vitrine mit verschiedenen ausgestopften Taubenarten. Fragt der ältere Junge: »Wie heißt noch mal die Taube, die ausgestorben ist, weil so viel auf sie geschossen wurde?« Der Jüngere antwortet nach kurzem Überlegen: »Tontaube!«

Gehört von Gerlinde Mertens

Meine Stadt

Gestern haben wir an dieser Stelle über die besorgte Beobachtung unseres Lesers Wolfgang Eddelbüttel berichtet, dass zwei Enten das Nest des Storchenpaars Erna und Fiete in Curslack besetzt haben. Dazu haben uns viele Lesermails erreicht. Es handele sich bei den Nestbesetzern keinesfalls um Enten, sondern um Nilgänse. Die seien eingewandert, äußerst aggressiv und dominant, es gebe durchaus Grund zur Sorge. Von den aggressiven kleinen Besetzern hat sich Storch Fiete allerdings offenbar nicht beeindrucken lassen. Seit gestern ist er wieder da und hat die Gänse, wie es scheint, vertrieben – das beweist der Blick auf die Nabu-Webcam, den unser Leser Manfred Picker gestern Morgen festgehalten hat.

Wenn Sie selbst das dramatische Leben der Störche beobachten wollen, können Sie das auf der Seite des Nabu.

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

In der Praxis ist sehr viel schiefgelaufen. Das Ziel ist klar: Gleiche Teilhabe für alle. Doch an Hamburgs Schulen läuft die Inklusion auch nach einer Volksinitiative nicht gut, sagt ein ehemaliger Schulleiter.

Klassische Garnitur. Helmut Schmidt hat gesagt: Das beste Labskaus der Stadt gibt es im Old Commercial Room am Michel. Ist das immer noch so? Für Abonnenten