Oliver Hollenstein © Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Hamburger sind die tolerantesten Deutschen! Das ist das Ergebnis des "Vielfaltsbarometers 2019" der Robert Bosch Stiftung, das heute exklusiv in der ZEIT vorgestellt wird. Wissenschaftler des Bonner Instituts für angewandte Sozialwissenschaft und der Jacobs University Bremen haben 3025 über 16-Jährige zu ihren Einstellungen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen befragt, um herauszufinden, wie groß die Toleranz etwa gegenüber Menschen mit Behinderung, Homosexuellen, sozial Benachteiligten, aber auch Mitbürgern anderer Altersgruppen, Herkunft und Religion ist. Demnach ist Vielfalt in den norddeutschen Bundesländern akzeptierter als im Süden. Auf Hamburg als Spitzenreiter folgen Schleswig-Holstein, Bremen, Berlin und Niedersachsen. Weitere Ergebnisse: Menschen mit höherer Bildung und größerem Einkommen sind nicht toleranter als andere, aber wo es große Ungleichheit gibt (das gilt auch für Hamburg), ist tendenziell die Toleranz größer. Mehr lesen Sie in der aktuellen ZEIT oder als Abonnent gleich hier.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Oliver Hollenstein

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AKTUELLES

In der Innenstadt begegnen Ihnen jetzt halb autonome Golfs

© Christian Charisius/dpa

Zehn Jahre noch, dann soll niemand in Hamburg länger als fünf Minuten auf den nächsten Bus warten müssen. Ob die Sozialdemokraten bei ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende, als sie diesen Plan fassten, wirklich zehn Jahre in die Zukunft geschaut haben oder vielleicht nur zehn Monate, bis zur Bürgerschaftswahl, darüber weiß man seit gestern etwas mehr. Gestern begann ein Versuch zum "autonomen Fahren" in der Innenstadt. Fünf halb autonome VW Golf sind nun auf einer kurzen Teststrecke unterwegs, beaufsichtigt, aber nicht permanent gesteuert von menschlichen Fahrern. Passend dazu legten die Grünen ein Gutachten zum autonomen Fahren vor. Tenor: Tolle Sache, aber dauert noch. Mindestens zwanzig Jahre, genauer gesagt, bis wirklich Fahrzeuge ohne Fahrer auf öffentlichen Straßen unterwegs sein werden. Die vielen Busse, die in zehn Jahren einen Fünf-Minuten-Takt ermöglichen sollen, dürften demnach noch menschliche Fahrer benötigen. Das könnte teuer werden.

Frank Drieschner

Schon wieder Unfall von Radfahrer mit Lkw

An der Kreuzung Harkortstraße-Stresemannstraße in Altona ist ein Radfahrer von einem rechts abbiegenden Lastwagen erfasst worden. Nach ersten Erkenntnissen soll der Radfahrer bei Rot gefahren sein. Er wurde unter dem Fahrerhaus des Lastwagens eingeklemmt, hatte aber großes Glück und wurde nur leicht verletzt.

Hengelbrock kehrt mit eigenem Ensemble in die Elbphilharmonie zurück

© Bodo Marks/dpa

Er selbst nennt es "einen schönen Neuanfang für uns alle": Der 2018 abrupt zurückgetretene Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, Thomas Hengelbrock, lässt sich mit seinem eigenen Ensemble in Hamburg nieder. Für die nächste Saison sind vier Konzerte in der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle geplant, mindestens zwei weitere Reihen in den folgenden Saisons sollen sich anschließen. Auch die Proben und die Arbeit mit der Akademie des Balthasar-Neumann-Chors und -Ensembles würden nicht wie bisher in Freiburg, sondern in Hamburg stattfinden. Die Stadt bezuschusst das Vorhaben mit jährlich 150.000 Euro aus der Kultur- und Tourismustaxe, dazu kommt eine Privatspende in gleicher Höhe. Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter verspricht sich durch Hengelbrock eine Aufwertung der Laeiszhalle, Hengelbrock selbst erklärte auf einer Pressekonferenz, er freue sich auf Hamburg – sein vorzeitiger Abgang als NDR-Chefdirigent fuße lediglich auf "Unfrieden mit einem sehr kleinen Kreis an Menschen". Warum er vor einem halben Jahr Hamburg mit Misstönen verlassen hat, können Sie hier lesen.

Florian Zinnecker

Linke fordert Rücktritt von Schulsenator

Die Debatte um die politische Neutralität von Schulen geht weiter – nun mit einem Gefecht via Pressemitteilungen. Die Linke forderte gestern den Rücktritt von Schulsenator Ties Rabe (SPD). Er habe sich zum "Erfüllungsgehilfen der rechtsextremen AfD gemacht". Rabe steht, wie berichtet, in der Kritik, weil seine Behörde zum einen nach einer Beschwerde der AfD in der Ida-Ehre-Schule angeblich linksextreme Aufkleber entfernen ließ, ohne der Schule ausreichend Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben. Zum anderen hatte die Behörde den AfD-Fraktionschef Alexander Wolf zu einem Projekttag an das Helene-Lange-Gymnasium vermittelt. Auf die Forderung reagierte Rabe mit einer langen, gereizten Pressemitteilung: Die Forderung der Linken sei absurd, die Fraktion missbrauche die Schulen für parteipolitische Spielchen. Das rief wiederum die Linke auf den Plan, die sich bestätigt sah: "Dieser Senator ist definitiv am falschen Platz und muss zurücktreten, jetzt mehr denn je." Ach ja, die AfD meldete sich auch zu Wort und kritisierte die Rücktrittsforderung.

In einem Satz

Die Bahn wird Anfang 2020 einen Teil ihrer Fernzüge wegen Bauarbeiten an der Zollkanalbrücke nicht mehr in Harburg halten lassen, die Streichungen sollen aber – anders als von vielen in Harburg befürchtet – nur bis April dauern +++ Etwa 500 Bankangestellte haben gestern für höhere Löhne gestreikt +++ Beim Überqueren der Langenhorner Chaussee ist ein 97-jähriger Mann von einem Roller angefahren und schwer verletzt worden

Was heute auf der Agenda steht

Die Polizei setzt im Rahmen des europaweiten "Speedmarathons" verstärkt Geschwindigkeitskontrollen ein +++ Im Rathaus gibt es einen Senatsempfang zum 100-jährigen Bestehen des städtischen Kita-Trägers "Elbkinder" +++ Am Baakenhafen in der HafenCity beginnt mit einem offiziellen Spatenstich der Bau von 180 öffentlich geförderten Wohnungen der SAGA +++ Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) hält an der juristischen Fakultät einen Vortrag zum Thema "Hamburgs Verfassung und Verwaltung"

WAS SIE INTERESSIEREN KÖNNTE

Alltagsreporter: Die Hebamme

Manche nehmen die Plazenta nach der Geburt mit nach Hause und pflanzen darauf ein Bäumchen. Andere lassen sich daraus Globuli machen. Neulich habe ich eine Familie betreut, der Vater war Koch, denen war das zu teuer. Er hat die Globuli kurzerhand selbst hergestellt: die Plazenta gekocht, gebacken, geschreddert und zu Kapseln verarbeitet. Dass die Plazenta verköstigt wird, ist gar nicht so ungewöhnlich. Ein Freund aus Argentinien schrieb mir per WhatsApp, dass er und seine Frau daraus einen Smoothie mit Banane gemixt und zusammen mit ihrer Hebamme getrunken haben.

An dieser Stelle finden Sie täglich unsere Alltagsreporter. Hier schreiben Hamburger, die wir gebeten haben, uns regelmäßig zu berichten, was sie in ihren Jobs erleben. Sie bleiben anonym, damit ihnen beruflich keine Konsequenzen drohen.

Hamburgerin für Sonderhalt in Eschede ausgezeichnet

© Allianz pro Schiene

Einmal im Jahr können Bahnreisende besonders engagierte Eisenbahner für den Preis "Eisenbahner mit Herz" vorschlagen, eine Jury der "Allianz pro Schiene" kürt anschließend die Sieger – und das ist in diesem Jahr die Hamburgerin Mareen Harder. Sie hatte im Juni 2018 einen Spontanhalt in Eschede organisiert, damit eine Reisende am Gedenkgottesdienst zum 20. Jahrestag der ICE-Katastrophe teilnehmen konnte. Die Mutter der jungen Frau war bei dem schweren ICE-Unglück am 3. Juni 1998 gestorben, sie selbst hatte es als Zweijährige überlebt. Bei der Anreise zu der Gedenkfeier hatte die Frau die wachsende Verspätung des ICE bemerkt und sich an Mareen Harder gewannt, die daraufhin den spontanen Halt organisierte, sodass die junge Frau und ihr Freund den Gottesdienst noch rechtzeitig erreichen konnten.

"Mein Schlüssel zum Werk"

© Lauren Greenfield

Welches Werk spricht Kuratoren in ihrer Ausstellung am meisten an? Welches steht stellvertretend für den Fokus der Schau? Seinen "Schlüssel zum Werk" beschreibt heute Ingo Taubhorn, Kurator der Ausstellung "Lauren Greenfield, Generation Wealth", die bis zum 23. Juni in den Deichtorhallen zu sehen ist.

"Schon seit 25 Jahren recherchiert die amerikanische Fotografin und Filmemacherin Lauren Greenfield die Auswirkungen des amerikanischen Traums. Es geht weniger um die Abbildung des Reichtums, vielmehr um den Einfluss des Überflusses – und um die daraus resultierenden Abgründe. Deswegen ist für mich das Bild einer Stripperin, die Lauren Greenfield im Club Magic City 2015 in Atlanta fotografiert hat, ein Sinnbild für die ›Generation Wealth‹. Der erste magische Dollar, der in den Händen gehalten, gerochen, geküsst, liebkost und verehrt, als Symbolschein für immer aufbewahrt wird, vielleicht sogar gerahmt. Er verkörpert den wahr gewordenen amerikanischen Traum. Aber das Bild trügt: Der Traum ist längst ausgeträumt. Der Dollar ist so falsch wie die Wimpern und glitzernden Fingernägel."

Haus der Photographie, Deichtorstraße 1–2, 30.3.–23.6.

Wie kann Hamburg besser werden, Herr Recknagel?

© Moritz Herrmann

"Wie kann man bezahlbaren Wohnraum für alle schaffen? Meine Idee ist ein Hamburger Modell: ein Immobilienfonds, der zu 25 Prozent von der Stadt, zu 25 Prozent vom Bund und zu 50 Prozent von Selbstständigen bezuschusst wird. Der Sockelbeitrag von Selbstständigen kann ja schon bei 50 Euro pro Monat anfangen. Mit der Investitionssumme aus dem Fonds werden Grundstücke gekauft, die Aufsicht über den Fonds läge bei der Stadt. Auf den Grundstücken verpflichtet man sich, kleinparzelligen und damit endlich bezahlbaren Wohnraum für Rentner, Studenten und Bedürftige zu bauen. Mit der Rendite aus dem Fonds wird am Ende wieder eine Ausschüttung an die Privaten und Selbstständigen ermöglicht, die in den Fonds eingezahlt haben. Viele Selbstständige haben ja das Problem, dass irgendwann ihre Krankenversicherung unbezahlbar wird oder sie keine Rente kriegen, weil sie sich die Beiträge für eine private Absicherung nicht leisten können. Da hilft der Fonds. Er wäre ein Ergänzungsmodell, das Renten- und Wohnraumproblematik anpackt, nach Vorbild des norwegischen Ölfonds, der die dortige Rente querfinanziert. Klar, Hamburg hat kein Öl, aber doch andere ertragreiche Gewerke, aus denen Geld in den Fonds umverteilt werden könnte."

Dennis Recknagel (38), freiberuflicher Unternehmensberater, wohnhaft in Eimsbüttel, war bei der Veranstaltung "Hamburg besser machen" im Due Baristi in Eimsbüttel. Sagen Sie uns unter www.hamburgbessermachen.de, was nicht so gut läuft in Hamburg und was man ändern könnte.

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Mittagstisch

Plastikfreier Krämer

Während die Welt in ihrem Plastikmüll zu ersticken droht, versuchen manche gegenzusteuern. Das Monger (englisch: Krämer) setzt auf bio, regional, plastikfrei, fair produziert und nachhaltig, sowohl bei den Speisen als auch bei den Haushaltswaren und der Naturkosmetik. All dies gibt es lose (vom Kaffee über Reis und Käse bis zum Waschmittel) oder abgepackt (in Gläsern, Papier, Metalldosen) – in jedem Fall aber ohne Plastik. Der helle Raum ist unterteilt in das »Deli«, in dem ein schön würziger Weißkohl-Kartoffel-Eintopf mit Möhren, Wirsing und Lauch (4,90 Euro) und ein etwas blass schmeckender Nudelsalat (3,90 Euro) im Glas auf den Tisch kommen, und den »Store«, wo auch frisches Gemüse und Obst zu finden sind. Die verlockend aussehende Apfeltarte mit Sahne und Kaffee mit handgepflückten und bei niedriger Temperatur gerösteten Bohnen muss warten, vorerst schmeckt die Heiße Orange für 3 Euro nach Sonne an diesem Regentag. Und vielleicht sind solche Nachbarschaftsläden ein Modell für die Zukunft.

Monger Store und Deli; Hoheluft-West, Wrangelstraße 100, Di–Fr 8.30–19 Uhr, Sa 9–16 Uhr

Christiane Paula Behrend

Verlosung

Classic Meets Pop. Die NDR Late Night präsentiert am 14. April im Großen Saal der Elbphilharmonie Dmitri Schostakowitschs 4. Sinfonie, dirigiert von dem international gefragten Gastdirigent Krzysztof Urbański. Anschließend bringt N-JOY Singer-Songwriter und BRIT-Award-Gewinner Tom Walker mit einem emotionalen Akustik-Set auf die Bühne. Diese Veranstaltung der beliebten Konzertreihe ist bereits ausverkauft. Eine Chance haben Sie noch. Wir verlosen 2x 2 Karten für NDR Late Night. Sie wollen dabei sein? Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr eine E-Mail an hamburg@zeit.de, Betreff " Schostakowitsch und Walker". Viel Glück!

Was geht

Paulis Moral: Der FC St. Pauli war schon immer ein ganz besonderer Fußballverein. Ist er seinem Ethos treu geblieben? Präsidium und Fanladen öffnen sich dem Dialog, laden ein zum Diskussionsabend "(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli". Es geht unter anderem um Sponsoring und Moral, Frauen im Verein und Gewalt am Spielfeldrand.

Millerntor-Stadion, Ballsaal Süd, Harald-Stender-Platz 1, 19.30 Uhr, Eintritt frei

Was bleibt

Tropisch erotisch: Wie war das mit den Bienchen und Blümchen? Im Tropengewächshaus gibt es ab heute "Einblicke in Floras Liebesleben". Die Ausstellung zeigt Fortpflanzungsorgane der Blütenpflanzen, aufgenommen von Biologin Ingeborg Niesler. In mehr als zehn Jahren hat sie dafür Blüten in ihre Einzelteile zerlegt und eingescannt. Romantisch.

Planten un Blomen, Tropengewächshaus, Eingang am Dammtor, Eröffnung heute, 15 Uhr; Ausstellung bis zum 30.9.

Tipps für Kids

MiniMedi I: Wie klingt eine Blumenwiese? Was haben Kichererbsen mit Pinguinen zu tun? Beim "Tag der offenen Tür" probieren sich Groß und Klein im Konservatorium. Sie testen Klavier und Gitarre, tanzen und singen Lieder, lauschen Konzerten.

Hamburger Konservatorium, Sülldorfer Landstraße 196, Sa, 11–16 Uhr

MiniMedi II: Als Louis, eine Elster, vom Käserennen zwischen seiner Heimatstadt und dem Nachbarort hört, sieht er seine Chance gekommen: Er will beweisen, dass er ein wahrer Champion ist. Sein Wetteinsatz aber ist ausgerechnet die Werkstatt seines Freundes Alfie. Ob das gut geht? Kino für Kids ab vier Jahren: "Louis & Luca – Das große Käserennen".

Haus Drei, Hospitalstraße 107, So, 11 Uhr

Maxi: Was genau ist eigentlich Betriebswirtschaft? Und wie managt man "Erneuerbare Gebäudeenergietechnik"? Beim Schnupperstudium lernen Schüler und Eltern die Studiengänge am Elbcampus kennen, löchern Studierende und Dozenten, planen Schritte in die Zukunft.

Berufsakademie Hamburg, Elbcampus, Treffpunkt Foyer, Sa, 11–15 Uhr

Hamburger Schnack

Am Hauptbahnhof, zwei Männer um die 50 begegnen sich am Gleis. Der erste: "Moin." Der zweite: "Moin." Der erste: "Und, wie geht’s?" Der zweite: "… ich hab doch schon Moin gesagt."

Gehört von Götz Reimann

Meine Stadt

Der Frühling hat sich vorerst wieder verabschiedet, aber man darf ja wohl noch in Erinnerungen schwelgen … © Dominik Osterholt

Die heutige Ausgabe zum vertieften Lesen

Geld macht nicht tolerant. Vier überraschende Erkenntnisse aus der Studie Vielfaltsbarometer 2019 der Robert-Bosch-Stiftung, die die ZEIT exklusiv vorstellt. Für Abonnenten.

Zwei Wahrheiten, beide unvollendet. Thomas Hengelbrock hat die Elbphilharmonie als Dirigent eröffnet. Jetzt hört er auf. Es ist ein Abgang mit Misstönen, der grundsätzliche Fragen aufwirft.